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    ELTMANN

    Spannende Forschung und Kampf um Erhalt des Museums

    Günter Reiß gab bei der Jahreshauptversammlung des Vereins für Heimatgeschichte interessante Einblicke in seine Arbeitsweise als Hobby-Historiker. Foto: Sabine Weinbeer

    Licht und Schatten gab es bei der Jahreshauptversammlung des Vereins für Heimatgeschichte Eltmann. Der Verein hat viele neue Aktivitäten entwickelt, um örtliche Geschichte aufzuarbeiten, aber auch, um diese Geschichte an eine breite Öffentlichkeit weiterzugeben. Diese Angebote werden auch gut genutzt. Weiter jedoch kämpfen die Vereinsmitglieder und besonders der Vorstand um Reiner Reitz und Museumsleiter Willi Lediger um das Überleben des Heimatmuseums.

    Das Museum leidet seit Jahren an niedrigen Besucherzahlen. Gleichzeitig steigen die Heizkosten, das Haus ist grundsätzlich sanierungsbedürftig, aber ohne einen langfristigen Pachtvertrag kann der Verein nicht investieren und auch keine Zuschüsse beantragen. „Geld würden wir schon kriegen aus dem Topf für nichtstaatliche Museen, aber dann brauchen wir einen Mietvertrag über mindestens zehn Jahre“, so Willi Lediger, der wie seine Mitstreiter mit großer Begeisterung durch das Haus führt. 296 Besucher zählte das Museum im vergangenen Jahr, davon besichtigten 117 während des Museumsfestes die Sammlung, die sehr eindrucksvoll das Leben in Eltmann in früherer Zeit aufzeigt. Dazu kamen 76 Schüler, 33 französische Gäste und 90 Personen durch Gruppen. Zu Klassentreffen wird gerne mal eine Führung im Heimatmuseum gebucht und die Aktiven vom Verein für Heimatgeschichte führen gern. „Das Museum macht viel Arbeit, allerhand Sorgen, aber natürlich auch ein bisschen Spaß“, gestand Willi Lediger ein. Für Reiner Reitz, den kommissarischen Vorsitzenden des Vereins, ist der Fall klar: nur mit der Stadt Eltmann im Boot und einem langfristigen Konzept kann das Heimatmuseum Eltmann davor bewahrt werden, das gleiche Schicksal zu erleiden wie das Photomuseum in Zeil.

    Durch die neuen Aktivitäten wie die Erforschung des Burgstalls und der Wallburg, aber auch die Aktionen zum Tag des offenen Denkmals, die Fackelwanderung zwischen Weihnachten und Silvester oder die Stadtmauerführungen am Freitag vor den Biertagen hat der Verein in den vergangenen Jahren viele neue geschichtlich Interessierte auf sich aufmerksam gemacht und einen deutlichen Mitgliederzuwachs verbuchen können. Immer am ersten Dienstag eines Monats ist Vereinsstammtisch im Gasthaus „Mainterrasse“, am dritten Donnerstag des Monats trifft sich der „Kelten-Stammtisch“.

    Ein großes Highlight des vergangenen Jahres waren die Grabungen am Burgstall. Günter Reiß, der dort sehr engagiert war, kündigte an, dass Grabungsleiterin Britta Ziegler im Juni einen Bericht über die Forschungsergebnisse abgeben wird. In diesem Jahr werde es eine Vermessung durch den Berg geben. Ab Mai gebe es außerdem an einigen Wochenenden eine Absuche des Areals, um nach abgestürzten Mauerteilen der Burg zu suchen. Dazu braucht es viele Helfer, wer Interesse hat, kann sich schon jetzt bei Günter Reiß oder Reiner Reitz melden. Der Verein für Heimatgeschichte engagiert sich auch finanziell an der Forschungsarbeit am Burgstall. Es wurde nämlich auch Holzkohle gefunden, die gut zur Datierung herangezogen werden kann. Eine solche Untersuchung sieht der Etat der Uni Bamberg nicht vor und so gab der Verein die wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag, die Stadt Eltmann übernimmt die zweite Hälfte der 420 Euro Kosten. Bei der Informationsveranstaltung im Juni werde man vielleicht mehr sagen können über das Alter der Burg, Silke Blakeley, die im Verein Spezialistin für Archäobotanik ist, wird den Abend ergänzen.

    Wie akribisch auch Hobby-Geschichtsforscher arbeiten, zeigte Günter Reiß in seinem Vortrag auf. Ein Eltmanner brachte ihm eine Kiste mit Metallteilen, die bei einem Umzug auftauchte. Dabei waren 102 Bleikugeln, von denen nur bekannt war, dass sie auf einem Feld auf der Höhe zwischen Wallburg und Eschenbach gefunden wurden. Reiß zeigte, wie er gemeinsam mit seinem Enkel die Kugeln einer Zeit und den richtigen Waffen zuordnete. Er kam auf das Jahr 1796 und den ersten Koalitionskrieg zwischen Franzosen und Österreichern. Die Franzosen kamen zweimal durch Eltmann – beim Vormarsch und auf dem Rückzug. Verfolgt wurden sie dabei von Reitern des Fürsten zu Lichtenstein. Von der Höhe über Eltmann ist eine Schlacht dokumentiert.

    Reiner Reitz wies darauf hin, dass ab dem 1. Mai die Wallburg sonntags wieder geöffnet ist, wenn die Fahne weht. Die Turmtreppe ist saniert, ebenso das Türmerzimmer. Am Palmsonntag wird die Reihe „Heimatgeschichte für Einsteiger“ fortgesetzt mit einem Vortrag über Landrichter Kummer an seiner früheren Wirkungsstätte im Klenze-Saal der Stadthalle. Der Tag des offenen Denkmals findet am 8. September an der Wallburg statt und auch die Fackelwanderung soll auf jeden Fall wieder stattfinden, diesmal rund um die Wallfahrtskirche Limbach. (swe)

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