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    KÖNIGSBERG

    Später Kampf für die Sparkassenfusion

    Sparkassenchef Johannes Rieger hat am Dienstagabend eine mangelhafte Informationspolitik bei der Fusion der Sparkassen Schweinfurt und Ostunterfranken zur Sparkasse Schweinfurt-Haßberge eingeräumt. Die zum 1. Januar vollzogene Vereinigung selbst bezeichnete der Vorstandsvorsitzende bei einer Informationsveranstaltung des Kreditinstituts in Königsberg, die die Versäumnisse gut machen sollte, als „einzig richtigen Weg“ für beide Bankhäuser.

    „Wir hätten die Kunden und Bürger besser mitnehmen müssen“, sagte Rieger selbstkritisch, denn genau diese Nachlässigkeit könnte sich aus Sparkassensicht bitter rächen: Der bayernweit bekannte Sparkassenkritiker Rainer Gottwald will durch einen Bürgerentscheid in Königsberg die Rückabwicklung der Fusion erzwingen. Ungeachtet juristischer Detailfragen ergibt sich diese Möglichkeit grundsätzlich dadurch, dass die Kommune Miteigentümerin der Sparkasse Ostunterfranken war und an der vereinigten Sparkasse mit 5,58 Prozent beteiligt ist. Der Landsberger Gottwald, der beim Infoabend anwesend war, ist davon überzeugt, dass die Königsberger Bürgerschaft ihr Veto einlegen und damit die Fusion zunichte machen wird.

    Für ein Bürgerbegehren, das zum Bürgerentscheid führen soll, hat er in der Regiomontanusstadt nach eigenen Angaben mittlerweile gut 360 Mitstreiter gefunden. Noch liegt der Stadt die für das Begehren erforderliche Zahl von 302 Unterschriften (10 Prozent der Wahlberechtigten) nicht vor, wie Verwaltungschef Johannes Mücke dieser Redaktion am Mittwoch mitteilte. Doch die Zahl der Menschen, die der promovierte Betriebswirt für sein Anliegen mobilisieren konnte, ist in jedem Fall beachtlich, um nicht aus der Perspektive der Sparkasse zu sagen: bedrohlich.

    Gottwald „nicht auf Plan gehabt“

    „Die haben den Gottwald überhaupt nicht auf dem Plan gehabt“, sagte einer der lediglich rund 50 Besucher in der Rudolf-Mett-Halle zu den Medienvertretern, und lastete den Fehler vor allem den Verantwortlichen im Geschäftsgebiet der bisherigen Sparkasse Ostunterfranken an. Hier hätten Kommunalpolitik und Kreditinstitut die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Fusion völlig unterschätzt, wie das Beispiel Königsberg ja nun überdeutlich zeige. Vorstandschef Rieger bestätigte diese Kritik indirekt: „Bei uns in Schweinfurt ist das Thema Fusion längst durch, da fragt kein Mensch mehr danach“, sagte der 63-Jährige, der der Sparkasse Schweinfurt seit 2001 vorsteht und jetzt zum 1. Juli in den Ruhestand geht.

    Für die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge ist die Laus, die man nun in Königsberg im Pelz sitzen hat, umso ärgerlicher, als der Vorstand der festen Überzeugung ist, jedes Argument des Fusionskritikers Gottwald widerlegen zu können. Dieser weist unermüdlich darauf hin, dass sich die kerngesunde Sparkasse Ostunterfranken mit der wirtschaftlich wesentlich schlechter dastehenden Schweinfurter Schwester einen ebenso unnötigen wie riesigen Klotz ans Bein gebunden habe. Diesen Vorwurf lassen weder Johannes Rieger noch Peter Schleich, bis zur Fusion Vorstandschef der Sparkasse Ostunterfranken und jetzt Vorstandsmitglied im vereinigten Haus, gelten.

    Steigender Kostendruck

    Sinngemäß machte Schleich einmal mehr deutlich, dass nicht der gute Ist-Zustand, sondern die aktuellen Entwicklungen und der Blick in die Zukunft ausschlaggebend für den „Ehewillen“ der Sparkasse Ostunterfranken gewesen seien. Der Banker sprach von immer größerem Kostendruck auf die kleineren Sparkassen und zudem davon, dass der Landkreis Haßberge keinesfalls das gleiche gute Wachstum habe wie die Region Schweinfurt, man sich hier also in wesentlich schwierigerem Umfeld bewege.

    Rieger wiederum wehrte sich gegen Behauptungen, die Sparkasse Schweinfurt habe – verglichen mit dem Fusionspartner – in den letzten Jahren nicht gut genug gewirtschaftet. „Ich glaube nicht, dass man den Wert einer Sparkasse an der Kapitalausstattung und der Ertragslage im Vergleich mit anderen Sparkassen bemessen kann. Sondern daran, ob die Kapitalausstattung und die Ertragslage für die nachhaltige Entwicklung der Region ausreichen“, stellte Rieger klar. Diesbezüglich brauche sich Schweinfurt nicht zu verstecken. Überhaupt seien Sparkassen keine auf Gewinnoptimierung ausgelegte Aktiengesellschaften, sondern als öffentlich-rechtliche Einrichtungen der Daseinsfürsorge ihrer Geschäftsgebiete verpflichtet. Was diese Abgrenzung zu anderen Banken bedeutet, machte Rieger an einem Beispiel deutlich: Die Sparkasse Schweinfurt ist seinen Worten zufolge im Stadtgebiet mit einem Anteil von über 50 Prozent Marktführer bei den privaten Girokonten, der zweitplatzierte Mitbewerber liege gerade mal bei rund 10 Prozent. „Hätte ich das Bestreben, diese Marktposition auszunutzen, könnte ich problemlos fünf Millionen Euro im Jahr mehr erwirtschaften.“

    So oder so habe die Sparkasse Schweinfurt ihren Kunden und Geschäftspartnern bei gleicher Qualität günstigere Preise angeboten als die Sparkasse Ostunterfranken und ihre Mitarbeiter hätten zudem höhere Löhne bezogen, setzte Rieger dann doch zu einem Vergleich ein. Bei der fusionierten Sparkasse rühmte Rieger die hohe Kompetenz in der Fläche mit einem ausgedehnten Filialnetz einerseits und die Stärke am Industriestandort Schweinfurt andererseits.

    Filialnetz wird nicht dünner

    Rieger, Schleich und Vorstandskollege Roberto Nernosi widersprachen in Königsberg Behauptungen, der Landkreis Haßberge büße durch die Fusion Gewerbesteuern ein, sie bestritten erneut, dass es betriebsbedingte Kündigungen und massive Arbeitsplatzverlagerungen in Richtung Schweinfurt geben werde. Auch hätten die Kunden keine weitere Ausdünnung des Filialnetzes zu befürchten, ebenso wenig eine Preiserhöhung für die Leistungen des Kreditinstituts. Schon gar nicht wollte Vorstandsvorsitzender Rieger gelten lassen, dass die Haßbergler Seite in der gemeinsamen Sparkasse künftig nichts mehr zu melden habe: „Schweinfurt kann an keiner Stelle allein entscheiden, weder im Zweckverband noch im Verwaltungsrat“, hob Rieger hervor. Auch den Tadel von Rainer Gottwald, dass vier hoch bezahlte Vorstände für die Größe der Sparkasse Schweinfurt einer zuviel seien, griff Rieger auf. Mit je zwei Vorständen von Schweinfurter und Haßbergler Seite habe man eben garantieren wollen, dass sich die ehemalige Sparkasse Ostunterfranken entsprechend einbringen könne.

    Lange Schlangen an Schaltern?

    In der anschließenden Diskussion mussten sich die Sparkassenvertreter Klagen über lange Schlangen vor den Schaltern in Königsberg, Hofheim und inzwischen sogar in der Haßfurter Hauptstelle und an der darunter leidenden Diskretion anhören – dahinter vermuteten die Kritiker Rationalisierungsmaßnahmen im Zuge der Fusion, was aber nicht stimme, wie Peter Schleich erklärte. Wiederum tauchte die Frage nach den in Schweinfurt und Haßberge identischen Kontonummern auf – Rieger versprach, die Sparkasse werde die Umstellungen etwa der Lastschriftverfahren ohne Beanspruchung der Kunden erledigen. Aber die Skepsis zeigte eben, dass noch immer zu wenige Informationen an die Öffentlichkeit gedrungen sind. „Warum hat es keine Bürgerversammlung gegeben“, empörte sich eine Frau. Ansonsten ging es dem Publikum eher um Details wie Kontoführungsgebühren oder Online-Banking.

    Nur Rainer Gottwald sprach einmal mehr der Fusion jeglichen Sinn ab – wie überhaupt jedem Zusammenschluss von Sparkassen. „Alle Beispiele zeigen: Dort wo die Fusionen geplatzt sind, stehen die Sparkassen optimal da“, behauptete der Rentner, der früher als Controller gearbeitet hatte.

    Da war Königsbergs zweiter Bürgermeister Alexander Krauser (CSU) aber ganz anderer Ansicht: „Bei einer Rückabwicklung gibt es nur noch Verlierer – und der größte Verlierer sind die Kunden.“ Gottwald sei dann weg – „und uns hinterlassen Sie einen Scherbenhaufen“, warf Alexander Faust (CSU), die Nummer drei im Königsberger Rathaus, mit Blick auf den möglichen Bürgerentscheid ein.

    Die Sparkassenvorstände selbst verweigerten sich der Einschätzung, für wie wahrscheinlich sie einen Bürgerentscheid mit für die Sparkasse negativem Ausgang halten. „Dazu äußern wir uns nicht“, sagte Johannes Rieger zu dieser Redaktion. Es sei ihre Aufgabe, jetzt das umzusetzen, was die Politik beschlossen habe – nämlich die Fusion. Die zuständigen Gremien, die Kreistage von Schweinfurt und Haßberge und die Stadträte von Schweinfurt und Königsberg, hatten sich für die Sparkassenhochzeit ausgesprochen. Dabei gab es nur zwei Gegenstimmen, und zwar in Königsberg. Ohnehin sei die juristische Bewertung eines möglichen Bürgerbegehrens und Bürgerentscheids Aufgabe von Spezialisten, fügte Peter Schleich hinzu.

    Das Rad nicht zurückdrehen

    Und wenn die Fusion tatsächlich im Nachhinein platzen würde? „Dann wäre nicht die Rückabwicklung das Problem, sondern die Gestaltung der Sparkasse für die nächsten Jahre“, malte Schleich ein düsteres Szenario. Vorstandsvorsitzender Rieger drückte es so aus: „Wenn wir das Rad zurückdrehen müssten, wäre Ostunterfranken über mindestens zwei politische Generationen hinweg für keine Fusion mehr attraktiv.“ Dass es dem Einzelkämpfer Sparkasse Ostunterfranken am Ende dieser Phase noch gut gehen würde, halten die beiden Sparkassenchefs für ausgeschlossen.

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