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    Standpunkt: Die üblichen Verdächtigen

    Der jüdische Friedhof in Kleinsteinach ist schon seit Jahren immer wieder fester Bestandteil des Tags des offenen Denkmals. Foto: Ulrich Kind

    Am Sonntag war mal wieder Tag des offenen Denkmals. Laut einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt geht es an diesem Tag darum, „der Bevölkerung die Gelegenheit zu bieten, auch weniger bekannte, meistens nicht zugängliche Baudenkmäler kennenzulernen“. Ein schönes Ziel, denn so mancher Haßbergler weiß gar nicht, wie viele spannende Dinge es über die Geschichte der eigenen Heimat zu lernen gibt. Genau wie bei einem Tag der offenen Tür soll auch hier die Gelegenheit geboten werden, einmal hinter die Kulissen zu blicken und das zu sehen, was vor den Augen der Öffentlichkeit normalerweise verborgen bleibt.

    Und genau deshalb nimmt der Landkreis jedes Jahr aufs Neue am Denkmaltag teil und stellt uns so wunderbar unbekannte Orte vor wie den jüdischen Friedhof in Kleinsteinach oder die Schlösser Oberschwappach und Gereuth. Doch Moment – was ist an diesen Orten eigentlich so unbekannt? Der jüdische Friedhof ist teil des jüdischen Museums und damit regelmäßig für Besucher geöffnet. Auf Anfrage werden auch Führungen angeboten. Die beiden genannten Schlösser sind beliebte Veranstaltungsorte, an denen regelmäßig die unterschiedlichsten Events stattfinden, vom Gastronomiebetrieb bis zum Weihnachtsmarkt. Auch für Besichtigungen der alten Gebäude gibt es da genug Gelegenheiten.

    Bitte nicht falsch verstehen: Das alles sind sicher interessante Sehenswürdigkeiten, deren Besuch spannend, lehrreich und unterhaltsam sein kann. Aber sie haben doch letztlich nichts mit dem zu tun, was am „Tag des offenen Denkmals“ schon im Namen liegt: Dass Orte geöffnet werden, die den Rest des Jahres über für die breite Masse der Bevölkerung „unsichtbar“ sind.

    Statt den Menschen tatsächlich mal etwas Unbekanntes und Neues zu zeigen, präsentiert sich der Kreis Haßberge seit langem immer wieder mit den „üblichen Verdächtigen“. Gerade der Kleinsteinacher Friedhof und das Schloss Oberschwappach waren in den letzten Jahren immer dabei, obwohl man wahrscheinlich keinen ernsthaft geschichtsinteressierten Menschen im Landkreis finden wird, den man noch auf deren Existenz hinweisen muss. Die Eltmanner können an der Wallburg zumindest noch darauf verweisen, dass dort derzeit archäologische Forschungen stattfinden. So gibt es neue Erkenntnisse, die die Experten im Rahmen des Denkmaltages vorstellen können. Diese Ausrede haben andere Denkmäler nicht.

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