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    KREIS HAßBERGE

    Startverbot für „Mainsegler“ & Co.

    Wenn Karl Dippold vorsichtig die Türe öffnet, kommt Leben in die „Bude“. Im Nu ist er umkreist von seinen Schützlingen, auf dem Boden warten sie schon ganz ungeduldig, dass es etwas zum Naschen gibt. Trotz Aufgeregtheit: Es ist wieder Normalität eingekehrt im Taubenschlag des 84-jährigen Haßfurters. Endlich, denn die Hitzewelle hatte auch ihre Folgen für Dippold, seine Tauben und die Mitglieder des Brieftaubenzuchtvereins „Mainsegler“ aus dem gesamten Landkreis Haßberge.

    Verbot des Verbandes

    Wochenlang Temperaturen jenseits der 30 Grad. Das setzte nicht nur den Menschen gehörig zu, sondern auch den Tieren. Aus diesem Grund gab es ein „Startverbot“ für die Brieftauben. Ausgesprochen hatte dies, zum ersten Mal in seiner Geschichte, der Deutsche Brieftaubenverband, berichtet Dippold, Vorsitzender des Brieftaubenzuchtvereins „Mainsegler“. Um gleich hinzuzufügen, dass man aus Sicht des Vereins, zu dem zwölf Mitglieder gehören, darunter acht aktive, sowieso auf einen Start der Vögel verzichtet hätte.

    Strich durch die Rechnung

    Ausgesprochen worden war das Startverbot für Brieftauben am letzten Juliwochenende. Schade für die „Mainsegler“, dass die große Hitze den Planungen einen Strich durch die Rechnung machte, denn ausgerechnet an diesem Wochenende, sollte das Highlight des Jahres stattfinden: der Flug der Tauben, zusammen mit Tauben befreundeter Vereine aus Schweinfurt und Waigolshausen von Gien in Frankreich zurück in die heimatlichen Taubenschläge.

    Gut 600 Kilometer beträgt die Strecke, etwa acht bis zehn Stunden benötigen die Vögel dazu, „je nachdem wie die Windverhältnisse sind“, so Dippold. Mit bis zu 90 Stundenkilometern sind die Vögel unterwegs. Aber die Gesundheit der Tiere geht vor, so Dippold.

    Junge Vögel besonders belastet

    Und so verzichtete der Verein nicht nur an jenem besagten Wochenende auf Flüge, sondern verlängerte gar das Flugverbot um weitere zwei Wochen für die Jungtiere. Auch wenn es von amtlicher Seite kein Verbot gegeben habe, so Dr. Markus Menn vom Veterinäramt am Landratsamt in Haßfurt, mache dies natürlich besonders für die jungen Tiere Sinn, denn die große Hitze habe jeden Organismus belastet, gerade aber natürlich auch, den junger Vögel.

    Heiße Tage sind für die Vögel allerdings nicht unbedingt das Problem, schildert Dippold. Schlimm in diesem Jahr: „Es hat ja nachts überhaupt nicht mehr abgekühlt.“ In früheren Jahren konnte trotzdem geflogen werden, denn als dann gegen Mittag die große Hitze kam, waren die Tiere längst wieder zuhause, weil man bereits frühmorgens um 6 Uhr gestartet war. Auch nach anstrengenden Flügen hatten sich die Tiere nach ein bis zwei Stunden bereits erholt.

    Seit 65 Jahren

    Anders wäre es in diesem Sommer gewesen, wenn man bei solch hohen Temperaturen gestartet wäre. Dies wollte man den Tieren nicht zumuten. Und so erlebte der 84-Jährige zum ersten Mal, dass ein Flugverbot wegen Hitze ausgesprochen werden musste. Seit 65 Jahren lässt er seine Brieftauben fliegen „aber so etwas hab' ich noch nicht erlebt“, so Dippold. Tauben hält er gar noch länger, schon in seiner Schulzeit begeisterte er sich für die Tiere. Derzeit hält er am Rand von Haßfurt etwa 60 Tauben. Sein ältestes Tier ist rund 15 Jahre alt.

    Im Jahr 1952 schloss er sich dem Verein „Kurier“ in Schweinfurt an, 1956 gründete er die „Mainsegler“ in Haßfurt mit und 1963 die Reisevereinigung Haßfurt, bei der unter anderem auch Brieftaubenzüchter aus Wonfurt, Eltmann, Pfarrweisach und Untersteinbach dabei sind. Auf Reise gehen die Tiere in einer Fluggemeinschaft mit Vereinen aus Schweinfurt und Waigolshausen.

    Kein Risiko eingehen

    Dass die Tiere einmal pausieren, auf einen Start verzichten müssen, ist allerdings nicht ungewöhnlich, berichtet Dippold weiter. Denn auch bei schlechtem Wetter kann dies passieren. Dann wird vom Flugleiter ein Flug verschoben, „wir wollen da einfach kein Risiko eingehen“, so Dippold, denn das Wichtigste sei, dass die Tiere wieder gesund zurückkommen.

    Oder überhaupt zurückkommen, denn neben dem Wetter droht ihnen noch eine ganz andere Gefahr und die hat in den vergangenen Jahren zugenommen: „Mehr Probleme als das Wetter bereiten Raubvögel“, so Dippold. Unter anderem Sperber, Habicht und Wanderfalken töten Tiere beim Ausflug. Und das geht so weit, dass die Raubvögel inzwischen auch die Gewohnheiten der Taubenzüchter kennen und schon darauf warten, wenn frühmorgens und abends die Tiere zu einem Ausflug losgelassen werden. Dippold berichtet von einem Züchter in den Haßbergen, der in diesem Jahr schon 15 Tauben durch Raubvögel verloren hat.

    Ohne Training geht's nicht

    Ausflüge sind allerdings für die Tauben nötig, damit sie im Training bleiben. Dies war auch während der Hitzewelle so. Jeweils eine Stunde am Morgen und am Abend zogen sie ihre Runden. Die Tiere konnten unterdessen, nach der Hitzewelle, auch schon wieder ihr Können unter Beweis stelle, berichtet Dippold. Am vergangenen Sonntag startete ein Jungtierflug. Rund 115 Kilometer betrug die Distanz. Um 8.20 Uhr starteten sie, um 9.40 Uhr ging die erste Taube, durch die elektronische Zeitmessung genau festgehalten, wieder in den Schlag zurück. „Auf jeden Fall lange, bevor es wieder heiß wurde“, so Dippold, der sich freut, dass nun offenbar tatsächlich die große Hitzewelle vorbei ist.

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