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    Streiflicht: Eine Gefahr für die anderen

    Kommentar: Was vereint Haßfurt, Theres und Königsberg?
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    Im Polizeibericht war diese Woche zu lesen, dass die Ordnungshüter einen Raser mit 178 Stundenkilometern auf der B 303 erwischt haben. Solche Meldungen von der „Rennstrecke“ des Landkreises sind keine Seltenheit, genauso wie eigentlich ständig in den Pressemitteilungen der Polizei zu lesen ist, dass mal wieder jemand mit Alkohol am Steuer erwischt worden ist. Und irgendwie entsteht der Eindruck, dass viele Verkehrsdelikte in der Öffentlichkeit nicht wirklich als Problem empfunden werden. Ganz im Gegenteil: Manche Leute erzählen gern „lustige“ Geschichten davon, wie sie mal betrunken in eine Polizeikontrolle geraten sind und es den Ordnungshütern gar nicht aufgefallen ist, dass der Fahrer total blau war. Oder wie sie mal viel zu schnell unterwegs waren, geblitzt wurden, aber den Führerschein nicht abgeben mussten, weil die Polizei beim Aufstellen des Messgeräts irgendeinen Formfehler gemacht hat.

    Meist schwingt bei solchen Erzählungen sogar ein gewisser Stolz mit, dass man die „Bullen“ überlistet hat. Und wenn es dann doch mal schief geht und jemand den Lappen abgeben muss, dann sind gerne mal die „fiesen Polizisten“ dran schuld, die doch angeblich nur kontrollieren, weil man die „unbescholtenen Bürger“, die halt gerne mal „ein Bierchen“ trinken oder mal „ein bisschen“ zu schnell fahren so schön „abzocken“ kann. Oft warten Menschen, die einmal erwischt wurden, bis sie ihren Führerschein zurückbekommen, schimpfen in der Zwischenzeit viel auf die Polizei und machen danach genauso weiter wie vorher – in der Hoffnung, beim nächsten Mal nicht erwischt zu werden. „Es ist ja noch nie was passiert, ich hab noch keinen überfahren.“ Von Unrechtsbewusstsein keine Spur.

    Wer bei einem Glas Wasser, Cola oder Apfelschorle in der Kneipe sitzt, weil er weiß, dass er noch irgendwie heimkommen muss, darf sich oft blöde Sprüche anhören: „Ach komm, eins geht doch noch! Damit kannst du doch noch fahren.“ Oder auch so abgedroschene, unlustige Scherze wie: „Ich fahre mit zwei Bier besser als nüchtern!“

    Ist den Leuten eigentlich klar, dass dieses Verhalten schnell zu etwas führen kann, das dann überhaupt nicht mehr lustig ist? Es ist ja nicht so, dass ein Raser oder ein betrunkener Autofahrer nur sein eigenes Leben oder seine eigene Gesundheit aufs Spiel setzt. Wer mit Tempo 180, mit 1,2 Promille oder im schlimmsten Fall sogar mit beidem über eine Landstraße brettert, muss sich darüber im Klaren sein, dass das Schlimmste, was passieren kann, nicht ist, dass er sich mit seinem Wagen um einen Baum wickelt und das eigene Leben verspielt. Was, wenn der Wagen, der in diesem Zustand nicht mehr zu kontrollieren ist, ein anderes Fahrzeug rammt und eine ganze Familie auslöscht? Was, wenn er in einer Ortschaft in eine Personengruppe rast? In Menschen, die im Gegensatz zum Autofahrer keine Knautschzone haben?

    Alkohol, Drogen und Raserei sind nicht lustig und nicht harmlos, auch wenn die Gefahren in so manchem Stammtischgespräch heruntergespielt werden. Es gibt auch keinen Grund, stolz darauf zu sein, was für ein toller Fahrer man ist, weil man sein Auto selbst unter diesen Umständen noch unter Kontrolle hat. Das Leben anderer Menschen in Gefahr zu bringen, ist ein unverantwortliches Verhalten, für das es keine Entschuldigung gibt.

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