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    HAßFURT

    Tag des psychisch kranken Menschen: Einblick in Tageszentrum

    Mit verschiedenen Projekten trägt das Sozialpsychiatrische Tageszentrum Haßfurt das Thema Psychische Erkrankungen in die Öffentlichkeit und kämpft gegen Stigmatisierung. Ein Musical zum Thema „Anders Sein“ wurde in der Stadthalle aufgeführt. Foto: Sabine Weinbeer

    Seit 20 Jahren gibt es das Sozialpsychiatrische Tageszentrum der Caritas in der Innenstadt von Haßfurt. Für viele psychisch kranke Menschen ist die Einrichtung ein wichtiger Halt, viele sind überzeugt, ohne das Team vom Tageszentrum nicht so selbstbestimmt leben zu können, wie sie es aktuell tun.

    Im Vorfeld des 20-jährigen Jubiläums am 10. Oktober, trafen sich einige Klienten des Tageszentrums mit dieser Redaktion zum (anonymisierten) Gespräch. Der „Tag des psychisch kranken Menschen“ wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO zum 10. Oktober ausgerufen.

    Das Tageszentrum ist im Amtsdeutsch eine „pflegesatzfinanzierte, tagesstrukturierende Einrichtung“, die vom Bezirk Unterfranken finanziert und vom Caritasverband für den Landkreis Haßberge betrieben wird.

    Unterschiedliche Krankheitsbilder

    Für die Klienten aber ist es der Dreh- und Angelpunkt ihres Tagesablaufs. Drei der Besucher sind schon seit der Eröffnung 1999 in der Einrichtung. Diplom-Sozialpädagogin (FH) Birgit Hofmann-Betz in der Leitung und der Ergotherapeut Gerhard Kaim arbeiten ebenfalls seit 20 Jahren dort. Beide Mitarbeiter kümmern sich im Tageszentrum um Klienten mit unterschiedlichen Krankheitsbildern wie Schizophrenie, Depression, bipolaren Störungen, teilweise mit sekundärer Suchtproblematik.

    Einigen Klienten wird nach einem stationären psychiatrischen Klinikaufenthalt das Tageszentrum empfohlen. Es gibt aber auch andere Zugangswege, etwa die Vermittlung durch gesetzliche Betreuer, den Sozialpsychiatrischen Dienst oder Eigeninitiative.

    In der Einrichtung findet ein ausführliches Aufnahmegespräch mit Abklärung aller Erfordernisse statt und werden die Aufnahmeanträge an den Kostenträger gestellt.

    Im Wochenprogramm lernen die Klienten ihre von der Krankheit versandeten Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder zu aktivieren, sie lernen eine gesunde Ernährungs- und Lebensweise, sich sicherer in ihrem sozialen Umfeld zu bewegen.

    Durch unterschiedliche kognitive, emotionale und soziale Tätigkeiten erhalten die Teilnehmer wieder Zugang und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie werden aus der Isolation geholt.

    C. W. ist seit zwei Jahren im Tageszentrum. Er ist sehr dankbar, dass sein Aufenthalt hier bewilligt wurde. Er ist für jedes Angebot offen: „Ich bin kein Sänger, aber ich mache auch beim Singen mit, denn ich habe gelernt, das verbessert die Atmung, die Stimmung, das Immunsystem und so weiter“, erklärt er im Gespräch.

    A. J. ist einer der drei Klienten, die schon seit der Eröffnung das Tageszentrum besuchen. Ihm hilft das Tageszentrum gegen die Einsamkeit – und er lässt sich von Birgit Hofmann-Betz auch immer wieder aus seiner Komfortzone holen. Hofmann-Betz ist nämlich immer auch bemüht, ihre Klienten zu einem offensiven Umgang mit ihrer Krankheit zu ermutigen und mit verschiedenen Projekten das Stigma der psychischen Erkrankung zu überwinden.

    Musik, Tanz und Theater

    Und so gelang es, dass mit den Klienten des Tageszentrums mehrere Bilder- und Krippenausstellungen durchgeführt wurden. Ein Tanzprojekt, ein Musikprojekt und ein Theaterprojekt wurden in der Haßfurter Stadthalle aufgeführt. Auch ein mehrjähriges Schulprojekt am Haßfurter Gymnasium wurde im Rahmen der Antistigmatisierungsarbeit vom Tageszentrum initiiert.

    Aktuell konnte eine Teilnehmerin eine Dotierung für ihr Gemälde vom Erthal-Sozialwerk in Würzburg in Empfang nehmen, worüber sich die gesamte Einrichtung sehr freut.

    R. T. war erstmals 1997 den Anforderungen ihres Arbeitsplatzes nicht mehr gewachsen, es wurde eine Depression diagnostiziert. Seitdem habe sich sowohl in der Behandlung als auch im gesellschaftlichen Umgang mit Depression viel verändert, erzählt sie. Die Frühverrentung traf sie dennoch hart. Im Tageszentrum fühlt sie sich aufgehoben. Das ganzheitliche Konzept spricht sie an.

    Das Tageszentrum beschäftigt mit Silvia Hoppert als weitere Mitarbeiterin auch eine Hauswirtschafterin, die die Klienten im lebenspraktischen Bereich umfangreich anleitet im Bereich Küche und Hauswirtschaft. Damit soll zur Verselbstständigung und Unabhängigkeit der Klienten beigetragen werden. V. B., ebenfalls ein langjähriger Klient, ist überzeugt: „Ohne Tageszentrum ginge es mir gesundheitlich sehr viel schlechter“. Nicht nur, weil zum Programm der Einrichtung auch die achtwöchige Facharztvisite gehört. Im Wissen, dass das Gegenüber weiß, wie es einem geht, fällt auch das Gespräch leichter.“

    Stabilität geben

    „Viele psychisch Kranke stehen gar nicht mehr aus dem Bett auf, verpassen Arzt-Termine, vernachlässigen ihre Körperhygiene und generell sich selbst“, erklärt Birgit Hofmann-Betz. Das Tageszentrum helfe ihnen zu einem gewissen Maß an Normalität. Das Tageszentrum wolle die Lebensqualität erhöhen, Stabilität erzeugen.

    Das bestätigt auch N. H.: „Ich ziehe mich gern am Nachmittag zurück, aber die vier Stunden im Tageszentrum sind wichtig für mich. Ich bin sicher, ohne das Tageszentrum hätte ich schon einige Klinikaufenthalte mehr hinter mir“.

    Und R. T. genießt das Miteinander, denn „durch die Krankheit ist man selbst sein größter Feind“, sagt sie. Hier treffe man Menschen, die wissen wie es einem geht. Hier wird der Gesamtzustand mit den Mitarbeitern kommuniziert.

    Hier kann man durch umfangreiche psychoedukative Themen unter anderem folgendes lernen: Ängste überwinden, Stressreduktion, Achtsamkeit, richtiger Umgang mit Medikation. Dinge, die zu einem gehaltvolleren Leben beitragen und die die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.“

    Im Laufe der 20 Jahre konnte Birgit Hofmann-Betz vier Klienten als weiteren Entwicklungsschritt in das Rehabilitations- und Arbeitswerk nach Schweinfurt vermitteln, drei Personen in Zuverdienstprojekte. (swe)

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