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    HASSFURT

    Teuer wird eine zurückgezogene Anzeige für eine 51-Jährige

    Hilferufe schallten am Nachmittag des 19. Juni aus einer Wohnung eines Mehrfamilienwohnhauses in Haßfurt. Wieder einmal kam es zwischen einer 51-jährigen Rentnerin und deren jüngeren Lebensgefährten zu einem Streit, der sich zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung entwickelte.

    Mit rund zwei Promille Alkohol intus beleidigte der Hartz-IV-Empfänger seine langjährige Freundin und drückte sie gegen eine Wand ihrer Wohnung. Dabei erlitt die 51-Jährige Hämatome am Arm.

    Sie rief die Polizei und erstattete bei den Beamten Anzeige wegen Hausfriedensbruchs, Körperverletzung und Beleidigung gegen ihren Freund. Der musste sich deshalb am Mittwoch am Amtsgericht verantworten, wo er für die Körperverletzung eine Geldstrafe von 500 Euro kassierte.

    Für die beiden anderen Tatvorwürfe bestrafte ihn das Gericht nicht, weil die Anzeigenerstatterin mittlerweile ihre Meinung geändert hat. Im Zeugenstand gab sie zu, nicht unschuldig zu sein. Man habe sich damals „verbal hochgeschaukelt“. Sie habe ein paar blaue Flecken gehabt, die jedoch schlimmer aussahen, als sie waren, gab sie zu Protokoll.

    Zeugin lautstark belehrt

    Interesse an einer Strafverfolgung habe sie nun nicht mehr, weshalb sie ihren Strafantrag zurücknehme. Dies brachte wiederum den Staatsanwalt auf die Palme: „Sie ziehen hier ein Riesending durch! Wir sind doch nicht zum Spaß hier! Ich bin doch nicht ihr Kasper!“ belehrte er die Zeugin lautstark und kündigte ihr an, eine Rechnung für die Kosten der Ermittlungen zu schicken.

    Ein anderer Bewohner des Mehrfamilienwohnhauses sagte im Zeugenstand, dass es immer wieder „Remmi-Demmi“ zwischen dem Angeklagten und dessen Lebensgefährtin gegeben habe. „Hilfe, er ist bei mir in der Wohnung“ habe die 51-Jährige damals geschrien. Die Polizeibeamten hätten die Streithähne getrennt. Bei Polizei und Justiz ist der Angeklagte wohlbekannt.

    Zehn Einträge zieren sein Sündenregister – Verkehrsdelikte, Diebstähle und Drogendelikte bis hin zur Körperverletzung hat er in seinem Portfolio. Das nächste Strafverfahren steht schon an, weil er betrunken Fahrrad gefahren ist. Einen Beruf habe er aufgrund psychischer Probleme nicht erlernt. Drogen nehme er jedoch keine mehr, sagte der Angeklagte, der derzeit obdachlos ist. Die Vorwürfe räumte er ein.

    Die vier Geldstrafen für die letzten vier Delikte hätten wohl ihre Wirkung verfehlt, meinte der Anklagevertreter. Daher forderte er eine viermonatige Haftstrafe – ohne Bewährung. „Dann gehe ich in Berufung mit einem Anwalt“, lautete das Plädoyer des Angeklagten.

    Kosten des Verfahrens geteilt

    Richterin Ilona Conver beließ es bei der Geldstrafe, da der Sachverhalt eine Freiheitsstrafe nicht hergebe – trotz des „ganz schönen Registers“. Die Kosten des Verfahrens muss der Verurteilte nur zur Hälfte tragen. Die andere Hälfte muss laut Urteil dessen Freundin zahlen, da sie ihren Strafantrag zurückgenommen hat.

    Den Vorwurf der Körperverletzung konnte sie nicht zurücknehmen. Denn dabei handelt es sich um ein „Offizialdelikt“, das die Behörden verfolgen müssen. (msch)

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