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    HAPPERTSHAUSEN

    Theater-Regisseur: Nach 40 Jahren noch Lampenfieber

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    _ Foto: Manfred Krug und Gudrun Klopf

    Etwa 15 Stücke lesen, mindestens 30 Mal proben, Bühne bauen, zehn Vorstellungen soufflieren. Da kommen pro Jahr locker 180 bis 200 Stunden zusammen. In 40 Jahren sind das Pi mal Daumen 7200 bis 8000 Stunden. Das ist die Zeit, die Robert Krug in den vergangenen vier Jahrzehnten in etwa für die Theatergruppe der DJK Happertshausen aufgebracht hat.

    Laut seinem Sohn Manfred Krug, der die Rechnung aufmacht, ist dies „nur die Spitze des Eisbergs“. Zwar ist keiner von den Schauspielern so lange bei der Truppe wie Robert Krug, doch einige der alten Hasen halten ihrem „Chef“ schon 30 Jahre die Treue. „Anspruchsvoll, nachsichtig, nie ungerecht, ein Ruhepol“, so beschreiben ihn die Spieler. Seine Meinung ist ihnen heilig. „Wir sind erst dann gut, wenn Robert mit uns zufrieden ist“, sagt Petra Krug.

    Seit dem Jahr 1978 führt der 68-Jährige in Happertshausen Jahr für Jahr Regie – erst in der Alten Schule, seit 1993 im DJK-Heim. Insgesamt 53 Mitwirkende, darunter 37 Schauspieler, folgten bisher seinen Anweisungen. „Was kann schöner sein, als die Menschen zum Lachen zu bringen“, fragt der Happertshäuser, dem das Theater auch nach 40 Jahren noch Spaß macht. Er freue sich über jeden Gag, der gut ankommt und natürlich über jeden Applaus.

    Abendfüllende Mehrakter

    Als Jugendlicher versuchte sich Robert Krug selbst auf der Happertshäuser Bühne. „Aber ich habe schnell erkannt, dass das nicht so meine Welt ist“, sagt er. Ihm lag es mehr, im Verborgenen die Fäden auf der Bühne zu ziehen, wie er dies bei den Faschingsabenden mit Theatereinlagen tat, die bis zum Jahr 1996 die Happertshäuser Narrenschar begeisterten. Schließlich knüpfte die Theatergruppe auf Betreiben von Krug an die bis 1965 in Happertshausen gepflegte Tradition der abendfüllenden Mehrakter an. Er verschrieb sich der leichten Muse, dem Lustspiel und dem Schwank. Die Theater-Akteure starteten mit drei Vorstellungen des Dreiakters „Der Herr im Haus“.

    Seither ist Robert Krug das ganze Jahr über auf der Suche. Nach guten Stücken versteht sich. Nur wenige erfüllen seine strengen Kriterien: Es darf nicht weltfremd, unrealistisch, oder aber zu derb sein. „Auf der Bühne muss etwas passieren und man darf nach dem ersten Akt nicht schon wissen, wie das ganze Stück ausgeht“, zählt Krug auf. Er bestellt und liest zahlreiche Theaterhefte, besucht Aufführungen anderer Laiengruppen. Mit dem Wohnmobil reist Krug im Frühjahr zu den Premieren der Theaterstücke, die Autorin Regina Rösch jedes Jahr für den Böhmenstadel in Trennfeld zu Papier bringt. Ein Glückstreffer, wenn das Stück passt und gefällt. „Dann nehme ich es, weil es noch nie hier gespielt wurde.“

    Entscheidend für die Wahl des Stückes: „Es muss für jeden, der mitspielen möchte, eine Rolle geben.“ Wer sich von den Spielern im Anschluss an die aktuelle Theatersaison in Happertshausen Ende Januar nicht abmeldet, ist automatisch im folgenden Jahr wieder dabei. Wer ganz neu oder nach einer Pause wieder auf die Bühne möchte, muss dies kundtun. „Ich habe noch nie jemanden abgelehnt“, sagt Krug und freut sich, dass auch schon Nachwuchstalente parat stehen.

    Künstliche Dialekte sind tabu

    Nach dem Friedhofsgang an Allerheiligen geht es zur ersten Leseprobe. „Robert weiß genau, wer von uns welche Rolle spielen kann“, verlässt sich die Truppe voll und ganz auf die Entscheidungen ihres Regisseurs. Wann es im Verlauf der Proben an der Zeit ist, die Bücher wegzulegen, spürt Krug genau. „Roberts System ist perfekt. Man muss kaum etwas zuhause lernen. Der Text prägt sich nach und nach ganz von selbst ein“, schwärmt Manuela Handke. Künstliche Dialekte sind tabu. Wenn schon Happertshäuserisch, dann muss auch jedes Wort originalgetreu passen. Das stellt für manchen der zugezogenen Schauspieler eine Herausforderung dar.

    Auch bei der Kleidung ist Krug penibel: Jedes einzelne Stück muss von ihm abgenickt werden. Klar, dass auch das Bühnenbild bis ins kleinste Detail stimmen muss. Unisono fällt beim Stichwort Bühnenbild allen der Fünfakter „Der sparsame Bartlbauer“ ein. Für die vier verschiedenen Bühnenbilder habe man eigens ein Gerüst im Hintergrund der Bühne errichtet, auf das die Ausstattung jeweils hochgezogen wurde. „Da brauchte es für den Umbau allein schon eine Regie.“

    Mit von der Partie beim Bühnenspektakel war ein echtes Schwein, das von Mitspieler Artur Willner von Hand aufgezogen und dressiert worden war. „Solche Stücke vergisst man nie wieder“, ist sich die versammelte Theatermannschaft einig. Die Karriere des Schweins endete übrigens als Spanferkel auf einer Hochzeitstafel. „Das war die berühmteste Sau, die jemals in Happertshausen gegessen wurde“, sagt Krug und lacht.

    Der Chef steht auf dem Podest

    Strömt das Publikum schließlich zur Premiere in das DJK-Heim, dann sind 40 Jahre Erfahrung bei Krug wie weggeblasen. Als sei es die allererste Vorstellung der Truppe, hat ihn das Lampenfieber voll im Griff. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, die Schauspieler vor Beginn und während der Pausen zu motivieren, zu loben und zu Höchstleistungen anzuspornen. Während aller Vorstellungen steht Robert Krug seitlich der Bühne auf einem Podest und hilft durch ein kleines, verdecktes Fenster den Schauspielern bei Hängern aus der Patsche.

    Fünf Stunden dauert ein Theaterabend bei den Happertshäusern in der Regel. Am Ende jeder Vorstellung stellt Krug dem Publikum traditionell die Schauspieler vor. Von Erschöpfung ist bei ihm keine Spur wahrzunehmen. Runter von der Bühne, mit Besuchern sprechen, Hände schütteln, Lob entgegennehmen.

    Hat sich das DJK-Heim nach und nach geleert, ist noch lange nicht Schluss. Jetzt ist Feiern angesagt. „Robert sitzt stets mit einem breiten, zufriedenen Grinsen im Gesicht dabei“, stellt Manuela Handke mit einem Lachen fest. „Wann soll man denn sonst so glücklich sein, wenn nicht nach einer erfolgreichen Aufführung?“, fragt Krug. Früher habe man nach durchzechter Nacht zum Frühstück Kühlschrank und Keller bei einem der Mitspieler geplündert. Anschließend ging es gemeinsam in die Kirche.

    Heute endet der lange Theaterabend meist gegen 4 Uhr. Seinem Prinzip, stets der Letzte zu sein, ist Regisseur Robert Krug noch heute treu. Heimgehen, wenn die anderen noch feiern und lachen, das kommt für ihn nicht in Frage. „Das schaffe ich aber nur, weil mein Umfeld langsam schwächelt“, scherzt er.

    Wehmut schleicht sich in jedem Jahr nach dem letzten Vorhang bei den Schauspielern ein. „Die gemeinsame Zeit schweißt zusammen. Man fühlt sich wie in einer Familie.“ Mit Familienausflügen, Wanderungen und Theaterbesuchen bei anderen Laiengruppen wird die Zeit bis zur nächsten Theatersaison überbrückt.

    Ans Aufhören denkt Robert Krug nicht – warum auch? „Solange die Spieler mit mir zufrieden sind und wir bei ausverkauften Vorstellungen das Publikum begeistern können, gibt es doch keinen Grund, etwas zu ändern.“ Sohn und Mitspieler Manfred Krug sieht das nicht viel anders: „Solange mein Vater noch so mit uns feiern kann, kann er auch ruhig noch weiter Regie führen. Für uns gibt es keinen Besseren.“

    ONLINE-TIPP

    Weitere Bilder von der Happertshäuser Theatergruppe um Robert Krug im Internet: www.mainpost.de

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    _ Foto: Manfred Krug und Gudrun Klopf
    40 Jahre Regie – so lange lenkt Robert Krug die Akteure auf der Happertshäuser Theaterbühne.
    40 Jahre Regie – so lange lenkt Robert Krug die Akteure auf der Happertshäuser Theaterbühne.
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