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    KÖNIGSBERG

    Überraschungen im Land der Mullahs

    Radreise: Fünf Wochen lang waren Inge und Manfred Wagner im Iran unterwegs. Auf ihrer Tour trafen die Königsberger gastfreundliche Menschen, besuchten historische Stätten und begegneten Geistern der Vergangenheit.
    Masshad war auf der Tour der Wagners durch den Iran einer der Schwerpunkte. Dieses Bild zeigt einen der insgesamt elf prachtvollen Höfe des Imam-Reza-Komplexes in der heiligen Stadt. Foto: Manfred Wagner

    Ist das nicht zu gefährlich?“ wurden Inge und Manfred Wagner wiederholt gefragt, als sie erzählten, mit dem Rad durch den Iran fahren zu wollen. Zurück von ihrer fünfwöchigen Reise durch das Land der Mullahs, berichten die 63-Jährigen, dass sie sich niemals gefährdet oder gar bedroht fühlten. Im Gegenteil, täglich hörten sie: „Welcome to Iran!“ Oft schenken ihnen wildfremde Menschen Obst, Nüsse und Datteln – und laden sie zum Essen und Übernachten bei sich zuhause ein. Mehrmals gehen die Radreisenden mit in die Häuser iranischer Familien – jedes Mal ein unvergessliches Erlebnis!

    Die beiden Fernradler aus Unterfranken starten ihre Tour in der turkmenischen Hauptstadt Ashgabat. Mit den breiten Boulevards, den menschenleeren und gepflegten Parks, den imposanten Monumenten auf jeder Kreuzung und den säuberlich gekehrten Bürgersteigen ohne Papierschnipsel, Plastiktüten oder Zigarettenkippen wirkt die Stadt steril und nahezu surreal. Ein gigantisches Potemkinsches Dorf!

    Kurios ist der nahe gelegene Gesundheitspfad. Er schlängelt sich rund 40 Kilometer lang über die Berghänge wie die chinesische Mauer, besteht aus unzähligen Betonstufen und ist teilweise sehr steil. Nachts ist er von Tausenden von Lampen so hell erleuchtet, dass man ihn vom Flugzeug aus erkennt. Als die Königsberger Stufe um Stufe erklimmen, treffen sie keine Menschenseele.

    Nicht ohne Kopftuch und lange Hosen

    Am nächsten Tag erreichen die Radler den Iran. Da es hier für alle Frauen – auch für ausländische – gesetzlich vorgeschrieben ist, trägt Inge Wagner während der ganzen Reise in der Öffentlichkeit ein Kopftuch. Und sobald ihr Ehemann vom Rad steigt, streift er sich eine lange Hose über, weil die religiösen Vorschriften den Frauen verbieten, einen nicht mit ihnen verwandten Mann in kurzen Hosen zu sehen. Aus diesem Grund dürfen Frauen auch beispielsweise keine Fußballspiele im Stadion besuchen.

    In der heiligen Stadt Mashhad im Osten des Irans besichtigen die Unterfranken den berühmten heiligen Schrein des Imam Reza. Die Schiiten verehren ihn als großen Märtyrer. Jährlich kommen mehr als 20 Millionen Pilger zu dem Komplex, der aus elf riesigen Höfen und Gebetshallen besteht. Die großflächigen Wände und Decken der Moscheen sind mit Abertausenden von kleinen und kleinsten Spiegeln bedeckt. Überall knien und beten die Pilger, manche sind in tiefe Meditation versunken oder schluchzen in Tränen um ihren vor 1000 Jahren verstorbenen Imam. In der heiligen Stätte muss Inge Wagner einen Gebetstschador tragen – ein großes dünnes Tuch aus hellem Stoff mit dezentem Muster, das als Umhang um Kopf und Körper gewunden wird.

    Auf der historischen Seidenstraße radeln sie über Hunderte von Kilometern am Rand der Salzwüste entlang. Immer wieder sehen sie alte, verlassene Dörfer aus Lehmhäusern, Karawansereien und Dachmen – auch Türme des Schweigens genannt. Diese wurden von Anhängern der Religion des Zarathustra erbaut, die früher hier ihre Verstorbenen ablegten. Das Fleisch der Leichname wurde dann von Geiern oder Raben gefressen.

    Als die Abenteurer in der Morgendämmerung aus ihrem Zelt steigen, sehen sie auf den Feldern ringsum die Bauern bei der mühseligen Safranernte. Dazu pflücken diese bei einer violett blühenden Krokusart die hauchdünnen Griffel aus den Blüten. Safran zählt weltweit zu den teuersten Gewürzen.

    Inflation belastet die Bevölkerung

    Die Reise ist geprägt von den Begegnungen mit den Menschen. Erstaunt stellen die Königsberger fest, dass sich zahlreiche Iraner sehr offen und kritisch über das Mullah-Regime äußern. Die Leute leiden vor allem unter der galoppierenden Inflation. Ein älterer, in der Schah-Zeit als Auslandskorrespondent tätiger Journalist erzählt, dass er mit einem Berufsverbot belegt wurde. Und in der Wohnung einer anderen Familie erwartet sie eine Überraschung: An der Wand hängt ein großes, schön gerahmtes Foto des letzten Schahs.

    Dieses Mausoleum steht in der heiligen Stadt Masshad und beherbergt den heiligen Schrein eines Märtyrers. Foto: Manfred Wagner
    Der menschenleere Gesundheitspark bei Ashgabat zieht sich wie die chinesische Mauer über die Berghänge. Foto: Manfred Wagner
    Ein „Grüntrupp“ pflegt einen der menschenleeren Parks in der turkmenischen Stadt Ashgabat. Foto: Manfred Wagner
    Vor dem Betreten des Imam-Reza-Komplexes in der heiligen Stadt Masshad muss Inge Wagner einen Gebetstschador anlegen. Die Besichtigung ist nur mit einem englisch sprechenden Führer erlaubt. Foto: Manfred Wagner
    Fast alle Frauen in Masshad tragen als Zeichen ihrer Gläubigkeit einen schwarzen Tschador. Foto: Manfred Wagner
    In der turkmenischen Hauptstadt Ashgabat beginnt die Radreise der Wagners. Die Stadt wirkt auf die Besucher mit breiten Boulevards, menschenleeren, gepflegten Parks, imposanten Monumenten und äußerst sauberen Gesteigen nahezu surreal. Foto: Manfred Wagner
    Fast 1000 Jahre alt sind diese Grabmäler unweit der historischen Seidenstraße. Foto: Manfred Wagner
    Sehr mühsam: Für das Gewürz Safran müssen die roten, federleichten Blütengriffel gepflückt werden. Foto: Manfred Wagner

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