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    KREIS HASSBERGE

    Verbrannte Erde, verdorrte Pflanzen: Dürrejahr 2018

    Heiße Sommer hat er schon viele erlebt. Den etwa im Jahr 1947, als er und andere Mechenrieder Kinder in den Wald gehen mussten, um von den Sträuchern Blätter zu streifen, damit die Kühe etwas zu fressen hatten. Aber eine so lange andauernde Hitzewelle – „nein“, sagt Theo Diem ganz nachdenklich, „so etwas hab' ich wirklich noch nicht erlebt“. Auf 78 Jahre kann der frühere Bürgermeister von Riedbach und Landwirt zurückblicken. Und er erinnert sich: Irgendwie haben die Leute damals ihre Kühe dann doch über die Dürre gebracht, ihren Betrieb erhalten können. „Aber heute, wo die Betriebe doch so groß sind, ist das doch ein riesiges Problem, wenn die Ernte quasi ausfällt“, macht sich Diem Sorgen. Dem früheren Landwirt geht es nicht anders, wie Verantwortlichen in der Standesvertretung. Unterstützung hat der Deutsche Bauernverband gefordert. Bundesländer müssten den Notstand ausrufen, sagte Präsident Joachim Rukwied.

    Ein extremes Jahr. Wieder ein extremes Jahr.

    34 Grad im Schatten hat das Thermometer kurz nach 18 Uhr bei Goßmannsdorf angezeigt. Von Schatten können die Pflanzen auf dem Maisacker oberhalb von Goßmannsdorf allerdings nur träumen. Johannes Saam läuft durch die lichten Reihen. Es raschelt, die grün-fahlen Blätter haben sich zusammengerollt. In einem normalen Jahr wäre der Goßmannsdorfer Landwirt nach wenigen Schritten im Feld gar nicht mehr zu sehen. Aber normal ist in Puncto Witterung in diesem Jahr gar nichts, „es ist einfach ein extremes Jahr“, sagt der 58-Jährige. Und wie so oft in diesen Tagen fällt auch bei ihm der Satz: „So etwas hab' ich noch nicht erlebt“.

    Sehr große Spannbreite bei Erträgen

    Jammern mag er nicht. Auch wenn der Maisacker einen jämmerlichen Anblick bietet. Dafür schaut ein anderes seiner Maisfelder in Sichtweite noch ganz manierlich aus. Beinahe saftgrüne Stängel und vor allem: an den rund zwei Meter hohen Pflanzen sind beim Vorbeifahren gar auch Kolben zu sehen. Nur wenige Hundert Meter liegen zwischen Missernte und einigermaßen normaler Pflanzenentwicklung. Und die beiden Felder zeigen zugleich das ganze Dilemma auf. Dort, wo der Himmel immer wieder einmal einen Regenschauer abgeladen hatte, gab's mitunter gar eine gute Ernte. Wo der Regen ausblieb – und gerade der Goßmannsdorfer Bereich, gehörte in den vergangenen Monaten allzu oft dazu – waren die Einbußen „gravierend“, so Landwirt Saam. Er spricht aus Erfahrung, nachdem er weit herumkommt, für andere Landwirte Lohnarbeiten ausführt.

    Sehr große Unterschiede

    Und Saams Erfahrungen bestätigen auch Heinz-Dieter Hofmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt und der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, Klaus Merkel (Mariaburghausen). Eine so große Spannbreite bei den Erträgen „dürfte es so wohl noch nie gegeben haben“, so Heinz-Dieter Hofmann. Und vor allem: auf so engem Raum. Zum Teil gab es gravierende Unterschiede im Ertrag gar innerhalb derselben Gemarkung. Zwei Faktoren waren dafür verantwortlich: die Güte des Bodens und der Niederschlag. Bekam ein Feld immer zur rechten Zeit noch einen dieser lokalen Schauer ab, konnte beim Getreide noch ein normaler Ertrag geerntet werden. Blieb der Regen aus – und das auf schwächeren Böden – dann erreichten die Erträge nicht einmal die Hälfte normaler Jahre.

    Besonders große Einbußen beim Raps

    Oder gar noch darunter, wie Klaus Merkel berichtet. So etwa bei Wintergerste und Triticale, auf schlechteren Standorten, wenn sie wenig Niederschlag abbekommen hatten. Besonders schlimm, die Situation beim Raps. Da waren die Aussaatbedingungen im Herbst schon ungünstig, im Frühjahr war es durch die hohen Niederschlagsmengen lange feucht und als dann die hohen Temperaturen kamen und der Raps nach oben wachsen wollte, kam er nicht ans Wasser. Der Raps hatte wegen der Feuchte weniger tiefe Wurzeln ausgebildet. Mitunter wurden auf den Rapsfeldern gerade mal ein Drittel einer normalen Ernte eingefahren, so Merkel.

    Nicht kostendeckend produziert

    Fazit des Kreisobmanns für viele Betriebe: „Wir konnten nicht kostendeckend produzieren“. Wie die Verbandsoberen, sieht auch Merkel die Notwendigkeit für eine Unterstützung betroffener Betriebe. Die Idee, die Auszahlung der Ausgleichszahlungen, die zum Jahresende bei den Bauern eingehen, vorzuziehen, sorgt seiner Einschätzung nur dafür, dass die Liquiditätsprobleme der Betriebe dann verschoben werden. Helfen würde eher, wenn die Landwirte sogenannte Risikoausgleichs-Rücklagen, steuerliche Rücklagen, in guten Jahren bilden könnten, um solche Jahre, wie das derzeitige, überbrücken zu können. Die gegenwärtige Besteuerung treffe Landwirte in schlechten Jahren besonders hart, wenn zuvor ein gutes Jahr zu verzeichnen war, denn: Zu den Ernteeinbußen kommen dann immer noch bei hoher Steuerlast hohe Vorauszahlungen hinzu. So fielen viele Betriebe in ein „Liquiditäts-Loch“. Kritik, dass doch die Industriebetriebe ähnliche Situationen erleben, mag Merkel nicht gelten lassen: „Das ist nicht vergleichbar, weil wir mit Klima-Schwankungen konfrontiert sind“.

    Schlimmer als 1976

    Erinnerungen werden angesichts der anhaltenden Trockenheit auch an das Jahr 1976 wach, das bislang bei vielen Landwirten als Synonym für ein Dürrejahr galt. „Wir hatten immer gedacht, dass 1976 das Dürrejahr schlechthin war. Aber das wird jetzt noch übertroffen“. Und auch sein Vater mit 81 Jahren kann sich nicht erinnern, solch ein Dürrejahr wie das aktuelle jemals erlebt zu haben. Damals wie aktuell auch trifft es nun besonders auch Vieh haltende Betriebe. „Wir bekommen ein Futterproblem“, so Merkel und Hofmann.

    Die Wiesen schauen nach „verbrannter Erde“ aus, so Saam. Der zweite Schnitt ist weitgehend ausgefallen, so der Goßmannsdorfer. „Woher sollen sie Futter bekommen, wenn auch der Nachbar nichts hat“, so Hofmann. So könne es durchaus passieren, dass Vieh haltende Betriebe, wenn sie keine ausreichenden Reserven aus dem vergangenen Jahr haben, Notverkäufe tätigen müssten.

    Gesucht: trockenresistente Pflanzen

    Nicht erst seit der aktuellen extremen Hitzeperiode macht sich die Landwirtschaft selbst Gedanken, wie dem Klimawandel begegnet werden kann. So etwa durch früh abreifende Sorten, um den frühsommerlichen Hitzeperioden zu entgehen, so Heinz-Dieter Hofmann. Und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft stehen auch im Mittelpunkt des Projektverbunds „BayKlimaFit“, das vom Bayerischen Umweltministerium finanziert wird, so Peter Doleschel, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (Freising). Getreidepflanzen werden gezielt Trockenstress ausgesetzt, das Ziel: trockenresistente Pflanzen. Allerdings reichen züchterische Bemühungen nicht allein aus. Wichtig sei auch, die optimale Ernährung der Pflanzen, die richtige Saat-Technik und vor allem richtige Bodenbearbeitung. Und hier gelte es: Wasser ernten. So etwa mit Mulchsaat. Wenn der Boden vor der Aussaat nicht bearbeitet wird, sondern direkt in eine Zwischenfrucht gesät wird.

    Genau dies war vor wenigen Wochen bei Ermershausen demonstriert worden (wir berichteten). Organische Masse im Boden fängt Niederschlag auf, so Hofmann, und kann sie bei Bedarf an die Pflanzen wieder abgeben. Denn es werde immer wichtiger: „Das Wasser muss auf dem Acker bleiben“.

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