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    Kreis Haßberge

    Verein will den Haßbergkreis fit machen für die Klimakrise

    Viel Idealismus, aber auch viel Sachverstand bündeln sich in dem Verein "Heimat". Gemeinsam wollen Vorsitzender Oliver Kunkel und seine Mitstreiter die Umwelt retten.
    Sie haben sich dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben, passend dazu posieren sie mit Elektroauto und Solarzelle. Im Verein "Heimat" engagieren sich unter anderem Beate Rink, Wolfgang Aull, Günter Lieberth, Jonas Kettler, Christian Wittmann, Norbert Zösch und Vorsitzender Oliver Kunkel. Foto: René Ruprecht

    Spätestens seit jeden Freitag junge Demonstranten auf die Straße gehen, dürfte es landesweit in den meisten Köpfen angekommen sein: Der Klimawandel ist eine ernsthafte Bedrohung, die es zu bekämpfen gilt. Uneinigkeit besteht aber darüber, wie dieser Kampf aussehen soll, zumal die Auseinandersetzung darüber auch in der Politik für Spannungen zwischen verschiedenen Parteien sorgt. Genau hier will der Verein "Heimat", der sich im Dezember im Landkreis Haßberge gegründet hat, anders sein. Er versteht sich als überparteiliche Gruppe, die den Landkreis "transformieren" will, um dem Klimawandel den Kampf anzusagen.

    Tatsächlich hat es Oliver Kunkel als Gründer und Initiator des neuen Vereins geschafft, Menschen mit sehr unterschiedlichem Hintergrund für sich zu gewinnen. Knapp 100 Mitglieder hat "Heimat" mittlerweile, darunter auch namhafte Kommunalpolitiker verschiedener Parteien. Dabei ist unter anderem der Zeiler Altbürgermeister Christoph Winkler (ÜZL) ebenso wie der amtierende Haßfurter Bürgermeister Günther Werner (WG) und seine beiden Gegenkandidaten Volker Ortloff (CSU) und Stephan Schneider (SPD), die sich derzeit in der heißen Phase des Wahlkampfes befinden.

    Auch Fachleute, die schon lange in den Bereichen Energiewende und Umweltschutz aktiv sind und sich dabei Verdienste erworben haben, finden sich in den Reihen des Vereins, beispielsweise UBiZ-Energieberater Günter Lieberth, Klaus Mandery, der das Institut für Biodiversitätsinformation in Ebern leitet, und der Haßfurter Stadtwerksleiter Norbert Zösch, der außerdem für die Grünen für den Kreistag kandidiert.

    "Es reicht nicht, wenn Kinder auf die Straße gehen"

    "Es reicht nicht, dass Kinder auf die Straße gehen", sagt Zösch mit Blick auf die Demonstranten von Fridays for Future. Auch die Erwachsenen müssten daran arbeiten. Bei dem neugegründeten Verein "Heimat" soll es sich vor allem um ein Netzwerk handeln, das verschiedene Akteure miteinander verbindet, die alle auf unterschiedlichen Ebenen für den Klimaschutz arbeiten – vom Stadtwerk über den Bund Naturschutz bis hin zum Verein "Besser Gemeinsam Leben", dessen Vorsitzender Christian Wittmann stellvertretender Chef von "Heimat" ist.

    Hitzestress durch Wassermangel: Bilder von Heimat-Mitglied Wolfgang Aull, aufgenommen im September 2019 am Knetzberg, zeigen die Auswirkungen des Klimawandels im Landkreis Haßberge. Foto: Wolfgang Aull

    "Es ist eine Vereinigung, die nicht parteipolitisch ist", sagt Zösch und betont: "Ich unterstütze das gerne." Er selbst war einer der ersten Ansprechpartner, die zu der Organisation gestoßen sind. Spannend ist dabei, dass des dem Verein sogar gelingt, Organisationen zusammenzubringen, die in so manchem Konflikt auf verschiedenen Seiten standen. Norbert Zösch nennt als Beispiel das manchmal angespannte Verhältnis zwischen Energieversorgern, die Windkraftanlagen aufstellen wollen, und dem Bund Naturschutz, der sich Sorgen macht, dass die Anlagen den Lebensraum von Tieren zerstören könnten.

    Viel Energie für den Umweltschutz

    Doch wie hat es Oliver Kunkel geschafft, die Leute davon zu überzeugen, dass er der Richtige ist, um ein solches Netzwerk zusammenzuhalten? "Ich kenne ihn schon vom Zeltlager", erzählt Heimat-Mitglied Stephan Schneider. "Er war schon immer ein Mensch, der begeistern kann." Zudem sieht der Haßfurter Bürgermeisterkandidat den Vereinsgründer als jemanden, der immer ehrlich war und mit voller Überzeugung hinter dem steht, was er tut.  Volker Ortloff, der sich ebenfalls um den Haßfurter Bürgermeisterposten bewirbt, äußert sich ebenfalls sehr positiv über Kunkel. "Wenn jemand so viel Energie reinsteckt, ist das aller Ehren wert", sagt Ortloff und betont unter anderem, wie viel Kunkel aufgegeben hat, um sich der Arbeit für den Klimaschutz widmen zu können.

    Gerade einmal ein Jahr ist es her, so berichtet Kunkel selbst, dass er einen Zeitungsartikel las, der die ganze Problematik des Klimawandels auf den Punkt brachte. Davon wachgerüttelt, habe er beschlossen, so viel Zeit wie möglich in den Kampf gegen die Zerstörung der Erde zu stecken.

    Klimarettung als Pflichtaufgabe

    Im Landkreis Haßberge ist Kunkel kein Unbekannter, allerdings war er hier bisher vor allem als Musiker bekannt, der Chöre leitete und Konzerte gab. Doch damit ist es nun vorerst vorbei: Bis auf seinen Beruf als Musiklehrer an einem Schweinfurter Gymnasium hat Kunkel seine sämtlichen Musikaktivitäten heruntergefahren, um so viel Zeit wie möglich in den Klimaschutz stecken zu können. "Ich arbeite am Tag sechs bis acht Stunden daran", sagt er. "Ich halte es für meine Pflicht, das zu tun."

    Wenn ein Baum nicht genug Wasser bekommt: Solche Bilder nennt Wolfgang Aull "Hilfeschreie der Natur". Foto: Wolfgang Aull

    Auch Haßfurts Bürgermeister Günther Werner, der im März seinen Posten gegen Ortloff und Schneider verteidigen will, ist Heimat-Mitglied. Auf die Frage, warum er glaubt, dass gerade Oliver Kunkel der Richtige ist, um die Klimaaktivisten im Landkreis zu vernetzen, meint Werner: "Wir hätten es vielleicht von Seiten der Stadt genauso machen können." Doch zumindest habe es Kunkel geschafft, Menschen zum Nachdenken anzuregen. Zum Thema Klimaschutz meint Werner, viele Menschen würden sich immer noch fragen, warum auch sie sich engagieren sollen. "Aber es fängt bei jedem Einzelnen an."

    Volker Ortloff ist nicht nur Mitglied bei "Heimat", sondern auch Vorsitzender des CSU-Arbeitskreises Umweltsicherung und Landesentwicklung (AKU). Aber ist er damit nicht in zwei Vereinen, die sich gegenseitig Konkurrenz machen? Immerhin werfen viele Aktivisten, beispielsweise aus den Reihen der Fridays-for-Future-Demonstranten, gerade den Unionsparteien vor, in ihrer Politik zu wenig gegen die Klimakrise zu unternehmen.

    Kein Konkurrenzdenken

    Dennoch ist Volker Ortloff, wie auch viele andere Mitglieder des Vereins "Heimat", durchaus angetan von der Idee einer überparteilichen Organisation, die sich für Energiewende und Umweltschutz einsetzt. "Wer das als Konkurrenz sieht, ist falsch beraten", meint er. So will er auch eine Veranstaltung der CSU, bei der die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber in ihrer Funktion als Mitglied des Umweltausschusses auftrat, nicht als Gegenveranstaltung zu "Heimat" verstanden wissen. Obwohl er durchaus auch Kritik am eigenen Verein übt: Was Ortloff "nicht so ganz geschmeckt" habe, ist der Umstand, dass "Heimat" eine große Veranstaltung mit Podiumsdiskussion und Workshops ausgerechnet mitten im Wahlkampf auf die Beine stellt.

    Gemeint ist damit das Nachhaltigkeitsforum, das am Samstag, 15. Februar, von 9.30 bis 18 Uhr im "Silberfisch", dem Ganztagsgebäude des Haßfurter Schulzentrums, stattfindet. Und dazu kommen hochkarätige Gäste, beispielsweise der ehemalige Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell (Grüne), der sich mit Organisationen wie der Energy Watch Group für erneuerbare Energien einsetzt, oder Harald Klimenta vom Wissenschaftlichen Beirat von Attac Deutschland.

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