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    Königsberg

    Versteckte Natur- und Kulturschätze im Königsberger Wald

    Winfried Seufert, Geschäftsführer Naturpark Haßberge, Landrat Wilhelm Schneider, Bürgermeister Claus Bittenbrünn und Lukas Bandorf, stellvertretender Geschäftsführer Naturpark Haßberge zwischen den freigestellten Birnbäumen, die in einer Hecke verborgen waren.
    Winfried Seufert, Geschäftsführer Naturpark Haßberge, Landrat Wilhelm Schneider, Bürgermeister Claus Bittenbrünn und Lukas Bandorf, stellvertretender Geschäftsführer Naturpark Haßberge zwischen den freigestellten Birnbäumen, die in einer Hecke verborgen waren. Foto: Norbert Schmucker

    Hinter dem Schlossberg bei Königsberg in Richtung Hohnhausen, am Schafhof, findet man einen der schönsten Landschaftsteile des Naturparks Haßberge. Am Waldrand wechseln sich urige Streuobstbestände mit Äckern, Hecken und von Schafen beweideten Wiesen ab. Wenn man genauer hinschaut, fallen einem in so mancher Hecke und im Buschwerk besonders alte Bäume auf. Oftmals schauen nur noch die Spitzen oben heraus und es ist nicht mehr offensichtlich, was hier einmal für Schätze standen. Doch diesmal konnte einer der Schätze durch den Naturpark freigelegt werden. Deutlich wird dies aus einer Pressemitteilung des Vereins Naturpark Haßberge.

    Am Ende des Naturerlebnispfades, von einer kleinen Plattform aus, hat man einen wunderbaren Blick über eine Wiese, auf der einzelne Streuobst-Gruppen stehen. Am Rand der Wiese beginnt der Wald und ein Stück weiter versperrte eine Hecke den Blick in die Ferne. Der Heckenstreifen war etwa 150 Meter lang und 20 Meter breit und grenzte an die Kleingartenanlagen. Vor den Gärten stehen große alte Birnbäume, doch nicht nur vor den Gärten - die Birnbaum-Reihe geht noch deutlich weiter und zwar in der ehemaligen Hecke, so die Mitteilung weiter. 14 kapitale Birnbäume reihen sich in Zweierreihen wie Wächter dieser schönen Landschaft aneinander, was jetzt wieder sichtbar wurde.

    Blick auf die ehemalige Hecke am Rand der Streuobstwiese hinter Königsberg.
    Blick auf die ehemalige Hecke am Rand der Streuobstwiese hinter Königsberg. Foto: Lukas Bandorf

    Wenn Kultur und Natur sich verbinden

    Die Bäume dürften deutlich über 100 Jahre alt sein, weshalb die Lücken in den Reihen nicht verwunderlich sind. Die Bäume haben vieles durchgemacht. Gepflanzt wurden sie von Menschenhand, denn die Natur legt selten gerade Reihen an, höchstwahrscheinlich um Obst für die Mostproduktion zu ernten. Es handelt sich um alte Sorten, die es so wohl kaum noch gibt, da die Nutzung dieser Früchte im Laufe der Jahrzehnte uninteressant wurde. Mit der Nutzungsaufgabe holte sich die Natur die Fläche zurück. Ohne regelmäßige Mahd oder Beweidung können sich Büsche und Sträucher unter den Kronen der Bäume ungehindert ausbreiten, so dass die Fläche nach und nach verbuscht. Die Büsche werden dichter und höher, bis die alten Kulturbäume nicht mehr zu erkennen sind, wie es in Königsberg der Fall war.

    Für die Natur ist das im Grunde kein Problem. Eine Hecke ist ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Vögel, Insekten und andere Kleintiere. Das Verbuschen bedeutet jedoch, dass die vielen selteneren Arten der Streuobstwiesengesellschaft, die sich seit der Anlage der Kulturfläche hier eingefunden haben, verdrängt werden. Auf den angrenzenden Wiesen kommen noch viele dieser seltenen Weideflächenbewohner vor. Hier gilt es abzuwägen welcher Lebensraum jeweils erhalten werden soll. „Bei unserer Fläche war die Situation eindeutig. Die alten Birnbäume in der Hecke ersticken zu lassen kam nicht in Frage“, äußert sich Claus Bittenbrünn, der Bürgermeister der Stadt Königsberg, der die Fläche gehört. Auch der Naturschutz und der Naturpark sahen die Situation ganz klar so, dass die Kulturfläche mit ihrer extensiven Nutzung wirklich seltenen Arten einen Lebensraum bietet und erhalten bleiben, beziehungsweise gerettet werden sollte, so  die Mitteilung weiter.

    Die Lücken in den Reihen hat die Natur schon wieder selbstständig mit Kirschbäumen geschlossen, die nun als ähnlich wertvoller Obstbaum zwischen den Birnen stehengeblieben sind. „In erster Linie mussten Weißdorn und Haselnuss der Kettensäge zum Opfer fallen“, berichtet der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparks Haßberge e.V. Lukas Bandorf, der die Maßnahme begleitete.

    Nachhaltig und zukunftsweisend

    Nachdem Sturm Sabine vergangene Woche bereits das erste Baumopfer gefordert hat, ist klar, dass die schon alten Birnbäume nicht das ewige Leben haben. Gerade diese alten Bäume mit ihren Baumhöhlen und großem Kronendach sind wichtiger und seltener Lebensraum auf der Streuobstwiese, heißt es in der Pressemitteilung. „Da der Naturpark hier im FFH-Gebiet langfristig die Struktur der Streuobstwiese erhalten möchte, war für uns als Maßnahme-Träger von vornherein klar, dass hier auch neue, junge Bäume gepflanzt werden müssen. Was sich durch den Sturm nun leider schon schneller als erwartet als richtig erweist“, äußert sich Landrat und Vereinsvorsitzender des Naturpark Haßberge e.V., Wilhelm Schneider, bei einem Treffen des Naturparks und der Stadt Königsberg.

    Die Verantwortlichen sind vor Ort vom neuen Ausblick begeistert. „Die Maßnahme war ein voller Erfolg. Sowohl ökologisch als auch kulturell konnten wir so die Fläche wieder um einiges aufwerten. Unser Erlebnispfad hier in Königsberg ist nun um eine Attraktion, um einen richtigen Schatz, reicher“, freut sich der Geschäftsführer des Naturparks Haßberge, Winfried Seufert. Um die Blickachse frei zu halten, bedarf es jetzt nur noch der regelmäßigen Pflege der Fläche. So können die alten Baumveteranen ihren hoffentlich noch langen Lebensabend wieder mit viel Licht und Luft genießen, bis die junge, neu gepflanzte Baumreihe bestehend aus 10 historischen Birnensorten ihren ökologischen Platz einnehmen kann.

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    Bearbeitet von Michaela Stumpf

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