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    HASSFURT

    Verurteilt: MFC-Kassier griff kräftig in die Vereinskasse

    31-mal soll der ehemalige Kassierer des Motorflugclubs (MFC) Haßfurt zwischen August 2009 und September 2012 Geld vom Vereinskonto auf private Konten überwiesen haben. Insgesamt entstand dem Verein laut Anklage der Staatsanwaltschaft ein Schaden von 85 512,66 Euro. Nach vier Verhandlungstagen hat das Schöffengericht den 58-Jährigen nun wegen Untreue in 28 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

    Als Auflage muss der Verurteilte 10 000 Euro in zwei Raten bis zum 31. Juni 2017 an den MFC zurückzahlen und auch danach sich um Schadensregulierung im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten bemühen. Diese dürften sich in Zukunft allerdings nicht rosig entwickeln, da dem Fluglehrer mit eigener Flugschule die Entziehung der Fluglizenz droht.

    Der Angeklagte hatte zuvor über seinen Verteidiger Peter Auffermann ein volles Geständnis abgelegt. Er habe sich selbst Flugstunden ausbezahlt, die er Anfang der 2000er Jahre gehalten habe. Dies sei ein Fehler gewesen, denn die Verjährungszeit von drei Jahren war bereits lange überschritten.

    Zahlungen verschleiert

    Der ermittelnde Kripobeamte berichtete im Zeugenstand von 28 Einzelbuchungen des Angeklagten vom Vereinskonto auf das Privatkonto, bei denen Belege fehlten. In der Summe seien dies rund 70 000 Euro gewesen. Zahlungen seien verschleiert worden und über mehrere Konten gewandert.

    Diesen Sachverhalt bestätigte auch der jetzige Kassier des Vereins. So sei unter anderem ein Betrag von 6427,05 Euro auf das Konto „Versicherungen“ gebucht worden, jedoch auf ein Privatkonto des Angeklagten überwiesen worden.

    Erstmals Verdacht schöpfte der jetzige erste Vorsitzende des Vereins, als der Angeklagte 15 000 Euro von seinem Privatkonto auf das Vereinskonto überwies. Diesen Betrag wollte der Ex-Kassier für den geplanten, aber dann doch nicht realisierten Kauf eines Flugzeugs angespart haben.

    Unstimmigkeiten gab es dann auch bei der Übergabe der Kasse an seinen Nachfolger. Die Daten auf dem vereinseigenen PC waren gelöscht. Andere Unterlagen seien laut Angeklagtem bei einem Hochwasser völlig verdreckt worden.

    Kassenprüfer überfordert

    Der Staatsanwalt forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten wegen gewerbsmäßiger Untreue in 28 Fällen. Drei Fälle ließ er wegfallen. Bauer ging davon aus, dass der Angeklagte tatsächlich Ansprüche an den Verein hatte. Negativ zu Buche schlage die kriminelle Energie, mit der der Angeklagte gehandelt habe. Allerdings seien ihm die Betrügereien leicht gemacht worden, da Kontrollmechanismen kaum vorhanden waren. Kassenprüfer seien teilweise überfordert gewesen und hätten beispielsweise nicht erkannt, dass der Angeklagte sich Rechnungen aus dem Jahr 2004 im Jahr 2011 ausgezahlt habe. Zugute hielt der Staatsanwalt dem Angeklagten, der bislang ein straffreies Leben führte, dass er Reue zeige und angeboten habe, 10 000 Euro zurückzuzahlen.

    Die beiden Verteidiger hielten zehn Monate auf Bewährung für ausreichend. Ihr Mandant sei Ersttäter und habe über lange Jahre die Kasse auch anstandslos geführt.

    Besonders hoher Schaden

    Richterin Ilona Conver sagte in der Urteilsbegründung, dass vom juristischen Standpunkt aus eine Schadenssumme von über 50 000 Euro als besonders hoher Schaden gelte. Daher sei eine Strafe von über einem Jahr zu verhängen. Wie hoch der Schaden tatsächlich ist, ließ sich nicht ermitteln.

    Ein sogenanntes „Adhäsionsverfahren“, das der Vereinsvorstand beantragte, um sich einen Zivilprozess zu ersparen, lehnte das Gericht ab. Der Verein muss daher in einem Zivilprozess versuchen, an sein Geld zu kommen. In dem beantragten Adhäsionsverfahren hatte der Verein von seinem Ex-Kassier 77 000 Euro zurückgefordert.

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