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    BURGPREPPACH

    Vom Adel verpflichtet

    Dass die Familie von Deuster im Rahmen des diesjährigen Mittelaltermarktes am letzten Septemberwochenende in Burgpreppach Bogner beruft, bedeutet natürlich nicht, dass sie sich waffentechnisch aufrüsten oder künftig mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen möchte; sondern das Handwerk des Bogenbauens hat eine sehr lange Tradition und soll nicht in Vergessenheit geraten.

    Menschen, die sich darauf spezialisierten, Pfeil und Bogen herzustellen, sogenannte Bogner, hat es offensichtlich schon in der ausgehenden Altsteinzeit gegeben, wie archäologische Funde bezeugen. Zunächst zur Jagd, dann auch als Waffe bei kriegerischen Auseinandersetzungen wurde der Bogen eingesetzt. Später wurden sie durch die Armbrust ergänzt. Aus dem Beruf des Bogners ergab sich eine Spezialisierung zum Armbruster. Mit der Entwicklung des Schwarzpulvers und des Luntenschlosses ging das Handwerk des Armbrusters in das des Büchsenmachers über. Ab dem Spätmittelalter wurde mit der Hakenbüchse eine tragbare Feuerwaffe konzipiert, die sowohl den Bogen als auch die Armbrust als Kriegswaffe bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts in großen Teilen Europas verdrängte. Im Schloss Burgpreppach befinden sich noch zwei Armbrüste. Sie wurden offensichtlich zur Jagd genutzt, wie durch die Intarsien und Verzierungen deutlich wird. Auch werden sie in einer Inventarliste aufgeführt, die anlässlich des Todes von Adam Valentin zu Burgpreppach Albersdorf, der mit Maria Amalia Fuchs von und zu Bimbach verheiratet war, im Jahr 1619 erstellt wurde. Monica von Deuster ist diese in die Hände gefallen, als sie nach einem Nachweis über die Berufung der Bogner suchte. „Das ist aber einfach zu lange her, so die Baronin. Da es der Familie aber im 13. und 14. Jahrhundert sehr gut ging, sei wohl davon auszugehen, dass man eigene Bogner berufen habe.“ Jedenfalls gefiel ihr die Idee, im Rahmen des Mittelaltermarktes am letzten Septemberwochenende mit Andreas Heusinger und Klaus Schellmann zwei Bogner zu berufen.

    Es gibt diverse Arten von Bögen. Grob unterteilt werden sie in Primitivbogen, Langbogen, Reflexbogen, Compoundbogen und Yumi. Schellmann und Heusinger haben sich aber auf Primitivbögen und Langbögen spezialisiert. Schellmann, der eigentlich den Beruf des Feinmechanikers erlernt hat, stellt nunmehr seit 24 Jahren Bögen her. „Mit 40 Jahren habe ich meinen ersten Bogen gekauft und erste Kurse belegt“, erinnert er sich. Daraus habe sich dann eine regelrechte Leidenschaft entwickelt. Im Mittelalter sei der Bogner einer der wichtigsten Handwerksberufe gewesen. Er stellte den klassischen Bogen zur Verteidigung her. Die Fertigung eines hochwertigen Bogens erforderte viel Zeit und Fachwissen, so Schellmann. In England entwickelte sich im Hoch- und Spätmittelalter der Langbogen, welcher besonders im „Hundertjährigen Krieg“ zu einer sehr gefürchteten Waffe wurde. Heute ist es allerdings nicht einmal mehr möglich, sich in der Handwerksrolle eintragen zu lassen, erzählt Schellmann und lacht. Es gebe nämlich keinen Meisterbrief für diesen Beruf. „Die Bogner wurden von den Adelshäusern berufen.“ Jedenfalls habe er sich schon vor einigen Jahren als Bogenbauer selbstständig gemacht und konnte sich bisher lediglich als Gewerbetreibender anmelden.

    Vor 15 Jahren hat Schellmann auf einem Mittelaltermarkt die Bekanntschaft von Andreas Heusinger gemacht. Auch der Mechenrieder hatte bereits Erfahrungen im Bogenbau und die Chemie zwischen ihnen stimmte einfach, erzählen die beiden. Heute dient der Bogen nur noch als Sportgerät und fällt auch nicht unter die Restriktionen des Waffengesetzes. Als Sportgerät kann er ohne spezielle Erlaubnis genutzt werden. Einzig die Bogenjagd und das Bogenfischen sind in Deutschland verboten. Darum wird auf dem Bogenschießparcours in Mechenried auch nur auf künstliche Tiere geschossen. Das ist übrigens eine weitere Leidenschaft von Heusinger. Er stellt dreidimensionale Tiere her, die dann als Zielobjekte dienen können. Über die Landkreisgrenzen bekannt und auf vielen Mittelaltermärkten zu sehen ist sein riesiger Drache, den er gebaut hat (wir berichteten).

    Was die Bögen betrifft, so haben die beiden über die Jahre ihr Wissen zusammengetragen und mit Hilfe anderer Bogner verfeinert. Ihre Bögen, die man auf Mittelaltermärkten auch käuflich erwerben kann, werden vorwiegend aus heimischen Hölzern, wie Ahorn, Esche, Eibe oder Ulme gebaut. Die Compositbögen (eine Form der Langbögen) werden laminiert. Also verschiedene Holzarten werden hier verleimt. Natürlich erstellen sie auch die entsprechenden Pfeile und Köcher. Außerdem unterweisen sie Neulinge im Bogenschießen. „Das gehörte auch früher schon dazu. Der Bogner hat die Bogenschützen unterwiesen und wer sich besonders geschickt angestellt hat, wurde dann in die Kunst des Bogenbaus eingeführt. Erst wenn er sich hier einen guten Namen gemacht hat, kam es zu einer Berufung durch einen Standesherren oder eine Stadt.“ Schellmann und Heusinger sind somit nicht ohne Grund stolz darauf, dass sie nun von der Familie von Deuster zu Bognern berufen werden sollen. Dies bescheinige schließlich die hohe Qualität ihrer Bögen.

    Dass es sich bei der Ernennung um ein Qualitätsmerkmal und eine Anerkennung dieser handelt, ist der Baronin von Deuster wohl bewusst. Sie kennt die Bögen der beiden von vorangegangenen Mittelaltermärkten und in Fachkreisen würden die hohe Qualität der Bögen und das große handwerkliche Wissen und Geschick von Schellmann und Heusinger gelobt. Somit freue sie sich die beiden am Samstag, 29. September, offiziell zu den Bognern der Familie von Deuster-Fuchs von Bimbach und Dornheim zu berufen.

    bra

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