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    HAßFURT

    Warum „Liebeskummer“ keine Trunkenheitsfahrt rechtfertigt

    Weit kam er nicht auf seiner Maschine. Als der 24-jährige Arbeiter in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober letzten Jahres kurz nach Mitternacht auf sein heißgeliebtes Krad stieg, hatte er schon gehörig „aufgetankt“. Nach etwa 300 Metern lag der junge Fahrer mitten auf der Straße. Vor dem Haßfurter Amtsgericht folgte nun das zweigeteilte Urteil wegen Trunkenheit im Verkehr: 5000 Euro Geldstrafe und Führerschein-Sperre von zwölf Monaten.

    Die Tatzeit lag in der Nacht zwischen Sonntag und Montag. Zum Glück gab es damals auf der aus dem Maintal führenden Straße so gut wie keinen Verkehr. Ein Hundebesitzer, der seinen Vierbeiner nochmal Gassi führte, bemerkte als Erster den Motorradfahrer. Ohne Helm sei dieser in Schlangenlinien auf der Straße gerollt, erinnerte er sich im Zeugenstand. Er hatte sogar gesehen, dass der Kradfahrer umkippte, dann mit Mühe sein Gefährt wieder aufhob, sich draufsetzte, Gas gab und kurz darauf auf die andere Seite kippte.

    Fahne erschnuppert

    Daraufhin lief er zu dem Verunglückten und fragte, ob etwas passiert sei und ob er helfen könne. Kurz angebunden verneinte der Angesprochene. Dann hielt schon ein Auto mit eingeschalteter Warnblinkanlage. Dessen 27-jähriger Fahrer kam ebenfalls dazu und roch sofort die Alkoholfahne des Angeklagten. Um ihn am Weiterfahren zu hindern, alarmierten die Zeugen die Polizei und hielten das umgefallene Motorrad fest.

    Der Betrunkene beschimpfte daraufhin die anderen und machte sich vom Acker, bevor die Polizeistreife eintraf. Als dann die Beamten kamen, war der Angeschuldigte verschwunden. Doch die Polizisten machten sich auf die Suche und konnten ihn tatsächlich am Waldrand liegend finden. „Jenseits von Gut und Böse“, wie der damals diensthabende Polizist drastisch formulierte.

    Die um 1.16 Uhr entnommene Blutprobe enthielt 2,29 Promille Alkohol und zusätzlich weitere Spuren von Rauschgift. Da der Betroffene Suizidabsichten äußerte, landete er erst mal in der Psychiatrie in Werneck. Dort blieb er für eineinhalb Monate auf der Krisenstation und wurde medikamentös mit Antidepressiva behandelt.

    Der Justiz nicht unbekannt

    Soweit zum Tatablauf. Bei der Verhandlung offenbarte der Angeklagte sein Motiv für die Entgleisung: Liebeskummer. Er hatte sich seinerzeit völlig zugedröhnt, weil seine Freundin ihm den Laufpass gegeben hatte.

    Für die deutsche Justiz ist der junge Mann kein Unbekannter. Im September 2017 wurde er wegen einer Disco-Schlägerei vom Amtsgericht in Kitzingen zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Auch bei dieser Körperverletzung war mit 1,75 Promille gehörig Alkohol im Spiel. Der Staatsanwalt hielt dem jungen Mann vor, „kopflos drauflosgefahren“ zu sein, und forderte eine Geldstrafe von 9000 Euro. Für den Verteidiger Alexander Wessel resultierte das Verhalten seines Mandanten aus einer „Lebenskrise.“ Er hielt 4800 Euro für ausreichend. Das Urteil lag mit 100 Tagessätzen zu je 50 Euro sowie der einjährigen Führerscheinsperre weitgehend auf dieser Linie. Da alle Beteiligten noch im Gerichtssaal darauf verzichteten, Rechtsmittel gegen den Richterspruch einzulegen, wurde dieser sofort rechtskräftig und der Verurteilte gab seinen Führerschein bei der Vorsitzenden ab. (mwa)

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