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    HAßFURT

    Warum die Bilanz des Krankenhauses plötzlich besser aussieht

    Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten
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    Die Haßberg-Kliniken machen seit dem Jahr 2012 durchgehend Verluste. Gleichzeitig wurden und werden im Krankenhaus Investitionen getätigt. Da es sich bei den Haßberg-Kliniken um ein Kommunalunternehmen des Landkreises handelt, hat dieser die entstandenen Jahresfehlbeträge ausgeglichen und für Unterhaltsmaßnahmen an den Bauten Zuweisungen vorgenommen. Dennoch ist das Eigenkapital des Unternehmens inzwischen aufgebraucht und die Verschuldung gewachsen. Die Eigenkapitalquote hatte also zum Jahresabschluss 2017 den Punkt Null erreicht.

    Dies ist nicht unproblematisch. Kämmerer Marcus Fröhlich wies deshalb den Kreisausschuss diese Woche darauf hin, dass für ein Unternehmen, sei es nun privatwirtschaftlich oder kommunal, eine Eigenkapitalquote von 30 Prozent in der Fachliteratur als Wunschziel beschrieben wird. Bereits ab einer Eigenkapitalquote von 20 Prozent und darunter gilt ein solches Unternehmen für mögliche Investoren als kritisch. Die Eigenkapitalquote ist die wichtigste betriebswirtschaftliche Kennzahl für Gläubiger zur Ermittlung der Bonität. Und diese Zahl steht derzeit bei den Haßberg-Kliniken auf null und schlechter.

    Nach der Verordnung über Kommunalunternehmen kann nach fünf Jahren ein Verlustvortrag, das ist die Summe der noch nicht mit Gewinnen verrechneten Verluste der Vorjahre, durch die Heranziehung der Gewinnrücklagen ausgeglichen werden. Fünf Jahre: Das heißt, der Kreisausschuss musste sich am Mittwoch mit der Auszahlung der Rücklagen aus den Jahren 2014 (950 000 Euro) und 2015 (1,6 Mio. Euro) befassen. Das sind 2,5 Millionen Euro und kommt dem Wunsch des Kämmerers auf rund drei Millionen Euro Eigenkapital sehr nahe.

    Eine befriedigende Eigenkapitaldecke ermögliche zum einen Investitionen der Kliniken und zum anderen würde der Fremdkapitalanteil sinken. Ohne Eigenkapital könnte es soweit kommen, dass Gläubiger direkt beim Landkreis vorstellig werden und die Begleichung ihrer Verbindlichkeiten verlangen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass ein Kommunalunternehmen nicht insolvenzfähig ist. Das heißt, hier müsste jedesmal im Fall der Fälle der Kreis einspringen.

    Damit dies nicht soweit kommt, wurde die Auszahlung der Rückstellungen an die Haßberg-Kliniken in Höhe von 2 550 000 Euro in drei gleiche Raten im laufenden Jahr beschlossen. Was den Nebeneffekt haben wird, dass dieses Geld – zwar gesondert ausgewiesen, aber – zunächst in der Bilanz der Haßberg-Kliniken auftauchen wird, ehe es ins Eigenkapital geschoben wird.

    Es könnte also sein, dass die Bilanz der Haßberg-Kliniken heuer deutlich besser ausfällt als in den Vorjahren. Das könnte zum einen daran liegen, dass in diesem Jahr „nur“ noch mit einem Minus von rund drei Millionen gegenüber zwischenzeitlich befürchteten 4,3 Millionen gerechnet werden kann, da die inzwischen eingeleiteten Maßnahmen langsam greifen. Und eine sogenannte „Schwarze Null“ ist bei einem Kommunalunternehmen wie den Haßberg-Kliniken, so nannte es auch Kreisrätin Birgit Bayer beim Namen, schlicht utopisch. Zum anderen wird natürlich diese Auszahlung der Rückstellung auf dem Weg ins Eigenkapital die Bilanz besser aussehen lassen, als sie sich in der Realität darstellt. Dennoch befinden sich, so die beherrschende Meinung im Kreisausschuss, die Haßberg-Kliniken auf einem guten Weg.

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