• aktualisiert:

    HASSFURT

    Warum ein Anwalt als Angeklagter vor Gericht stand

    Weil er sich im Schriftverkehr mit dem Landgericht in Coburg als Rechtsanwalt ausgab, obwohl ihm zuvor die Zulassung als Anwalt widerrufen worden war, erhielt ein 57-jähriger Jurist aus dem Landkreis wegen des „Missbrauchs von Titeln“ einen Strafbefehl über 30 Tagessätze zu 60 Euro, also 1800 Euro.

    Er legte Einspruch ein, sodass er sich am Mittwoch am Amtsgericht verantworten musste. Dort teilte er über seinen Anwalt Bernhard Langer dem Gericht mit, dass er aufgrund finanzieller Probleme mit dem Gerichtsvollzieher zu tun hatte und ihm in der Folge die Zulassung als Rechtsanwalt entzogen worden sei. Er habe jedoch beim Anwaltsgerichtshof eine einstweilige Anordnung beantragt und angenommen, dass dieser Antrag aufschiebende Wirkung gehabt habe – sprich: er habe angenommen, dass er weiter als Anwalt arbeiten dürfe, bis er etwas Gegenteiliges von höherer Stelle mitgeteilt bekommt.

    Außerdem habe es sich um einen einzigen Briefwechsel gehandelt, woraufhin der Kollege sofort Anzeige erstattet habe, was unüblich und „unter der Gürtellinie“ sei, da der Kollege zuvor nicht das Gespräch mit seinem Mandanten gesucht habe, sagte der Verteidiger. Sein Mandant habe nur so gehandelt, weil er seinen eigenen Mandanten weiter unterstützen wollte und ihn nicht habe fallen lassen wollen. Langer schlug eine Einstellung des Verfahrens vor. Als Auflage wäre sein Mandant bereit die im Strafbefehl festgesetzten 1800 Euro an eine gemeinnützige Organisation zu zahlen und sogar noch 200 Euro draufzulegen. Es gehe nicht um die Höhe des Strafbefehls, sondern um ein mögliches Berufsverbot als Rechtsanwalt, falls eine Verurteilung erfolgt.

    Doch der Staatsanwalt wollte dies nicht mitmachen, da der Tatbestand verwirklicht worden sei. Es liege ein „vermeidbarer Verbotsirrtum“ vor. Langer argumentierte, dass durch den Widerspruch seines Mandanten gegen die Entziehung der Zulassung das Verfahren in einem Schwebezustand sei. Zudem sei kein Schaden entstanden. Die Vorsitzende Richterin Ilona Conver setzte die Hauptverhandlung aus. Sie will zunächst die Akte des Anwaltsgerichtshof anfordern, um mehr Einsicht in den Sachverhalt zu erlangen. (msch)

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!