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    GÄDHEIM

    Warum es nie zu spät ist, ein Musiker zu werden

    Seit fünf Jahren gibt es unter der Leitung von Armin Schuler aus Gädheim in Unterpleichfeld eine Erwachsenen-Bläserklasse (im Bild). Nun könnte bei genügendem Interesse auch am Musikbahnhof in Gädheim eine solche Bläserklasse entstehen. Foto: Ulrike Langer

    „Ich würde mir so sehr wünschen, ein Instrument zu lernen“, sagt Maria Schuler aus Gädheim. „Mein Mann, mein Sohn, meine Schwiegertochter und meine drei Enkel spielen alle ein Blasinstrument, nur ich hatte nie die Gelegenheit dazu.“ So wie Maria Schuler möchten auch Christa Müller aus Waldsachsen, ihre Schwägerin und Andrea Schamberger aus Hofheim ein Instrument lernen. Sie alle träumen dabei von einer Erwachsenen-Bläserklasse und hoffen, dass sich noch weitere Frauen und Männer diesem Wunsch anschließen. Denn dann könnte ihr Traum Wirklichkeit werden.

    Vorbild Unterpleichfeld

    Bläserklassen gibt es bereits an vielen Schulen im Landkreis. Allerdings ist ihr Hauptmerkmal, dass sie Schülern in der dritten und vierten Klasse, also Kindern, vorbehalten sind. Armin Schuler, Sohn von Maria Schuler und Leiter des Musikbahnhofs Gädheim, beispielsweise unterrichtet in drei Bläserklassen. Daneben ist er aber auch seit fünf Jahren Leiter einer Erwachsenen-Bläserklasse in Unterpleichfeld (Landkreis Würzburg). In dieser Bläserklasse lernen und spielen immerhin 29 Frauen und Männer zwischen Mitte 40 und Mitte 70 mit großer Freude. Es war der Vorsitzende des Musikvereins Unterpleichfeld, Andreas Kleinhenz, der die Anregung dazu gab und Armin Schuler als Lehrer und Leiter ins Boot holte.

    Krimhild Hornschuch aus Veitshöchheim zählt zu den Musikern, die mit großer Begeisterung dabei sind. „Mein Lebenstraum war schon immer, Querflöte zu spielen“, sagte die 67-Jährige, die bislang nur Blockflöte spielte. „Mit der Bläserklasse hat sich mein Traum erfüllt.“ Sie ist außerdem die gute Seele der Bläserklasse, die sich nach der zweijährigen Anfangsphase den Namen „ImTakt“ gegeben hat. Sie organisiert alles, motiviert die Mitglieder und genießt deren Wertschätzung. So gibt es keine Fluktuation in der Kapelle: vielmehr sind zu den 27 Musikern am Anfang noch zwei neue hinzugestoßen. „Das Spielen macht nicht nur Spaß, es bestätigt mich auch“, sagte sie. „Ich kann jedem nur sagen: man kann in jeder Lebensphase ein Instrument lernen!“

    Dem kann der 69 Jahre alte Albin Reichert aus Würzburg nur zustimmen, der das Euphonium spielt. „Ich wollte schon immer ein Instrument lernen, hatte aber nie die Gelegenheit dazu“, erklärte er. Wie alle anderen Mitglieder auch, nimmt er jede Woche sowohl an den Orchesterproben mit Armin Schuler als auch an den Registerproben im Kulturzentrum Unterpleichfeld teil. „Anfangs dachte ich: das begreifst Du doch nie, denn das Notenlesen ist nicht leicht und ich übe immer noch“, sagte er. „Doch Armin Schuler leistet hervorragende Arbeit und die Chemie zwischen ihm und uns stimmt.“

    „Ich war immer neidisch“

    Angesichts dieser hervorragenden Zusammenarbeit würde sich Christa Müller freuen, wenn auch eine Erwachsenen-Bläserklasse am Musikbahnhof in Gädheim zustande käme. „Als Mädchen durfte man früher kein Instrument lernen, außerdem hatte man auch gar kein Geld für ein Instrument“, schilderte die 65-Jährige. „Mein Bruder durfte Trompete spielen und so war ich auf ihn immer neidisch. Denn Musik ist etwas Herrliches.“ Von dem Wunsch zu musizieren getrieben, hatte sie sich vor fünf Jahren der neugegründeten Veeharfen-Gruppe von Pfarrer Marcus Döbert in Schonungen angeschlossen. „Denn da musste man keine Noten lesen können“, sagte sie. „Ich war begeistert und spielte mit Leidenschaft, aber dann wollte ich endlich Noten lesen können, um Stücke für die Veeharfe umschreiben zu können.“ Sie fragte Armin Schuler, ob er ihr dies und das Flötenspiel beibringen könnte, und so spielt sie seit zwei Jahren Blockflöte. „Doch das reicht mir jetzt auch nicht mehr und ich würde gerne ein neues Instrument – vielleicht Saxophon – in einer Erwachsenen-Bläsergruppe lernen.“ Ihr Traum ist es, wenigstens Kirchenmusik spielen zu können. Wie sie mitteilte, würde auch ihre Schwägerin gerne mit einsteigen.

    Andrea Schamberger wollte schon als Kind in einer Blaskapelle spielen, konnte sich ihren Wunsch aber bislang nicht erfüllen. „Mein Mann ist Schlagzeuger und meine beiden Kinder spielen im Jugendblasorchester Hofheim bei Armin Schuler, und jetzt möchte ich auch ein Blasinstrument, am liebsten Klarinette, lernen“, teilte die 42-Jährige mit, die bereits Klavier und Orgel spielt. „Aber diese Instrumente kann ich schlecht mitnehmen“, bedauerte sie. Sie möchte gerne in der Familie musizieren und das alljährliche evangelische Gemeindefest sowie Familiengottesdienste mitgestalten.

    In zwei Jahren ein Instrument

    Wie Armin Schuler erzählte, sei er bereit, eine Erwachsenen-Bläserklasse am Musikbahnhof in Gädheim zu leiten. Neben den wöchentlichen Proben seien auch kleinere Konzerte und Vorspielabende geplant. Allerdings benötige er dazu rund zehn Interessierte. Junggebliebene Erwachsene sollten sich bei ihm unter Tel. 01 72 / 8 33 34 17 melden. Die Klasse ist auf zwei Jahre angelegt und die Teilnehmer zahlen einen Unterrichtsbeitrag. Instrumente können sie über verschiedene Musikhäuser leasen. Der Registerunterricht wird von Musiklehrern des Musikbahnhofs übernommen. „Man braucht keine Vorkenntnisse“, sagte Armin Schuler. „Auch in Unterpleichfeld konnten 80 Prozent der heutigen Musiker kein Instrument und haben sich trotzdem sehr gut eingearbeitet. Alle machen das super“, betonte er. „Erwachsene können genauso gut wie Kinder in diesen zwei Jahren ein Instrument erlernen.“

    Maria Schuler aus Gädheim und Christa Müller (Bildmitte, von links) sind zwei von vier Interessenten an einer Erwachsenen-Bläserklasse im Landkreis Haßberge. Sie hörten sich bereits bei einer Probe der Erwachsenen-Bläserklasse in Unterpleichfeld unter der Leitung von Armin Schuler aus Gädheim (stehend) um und hielten schon einmal das von ihnen gewünschte Instrument in den Händen. Foto: Ulrike Langer

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