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    KNETZGAU

    Warum in Knetzgau plötzlich Wohnungsnot auftritt

    Bürgermeister Stefan Paulus (links) spricht im gut besuchten Pfarrsaal zu seinen Bürgern. Foto: Martin Schweiger

    Einige Probleme, die Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus am Dienstagabend während der Bürgerversammlung im Pfarrsaal ansprach, wünscht sich wohl so manch ein Bürgermeister aus den Haßbergen oder dem Steigerwald: Wegen der vielen Zuzüge herrscht Wohnungsnot. Das Gewerbegebiet ist bereits gut gefüllt. Die Nachfrage übersteigt dort das Angebot. Die Kindergärten und Krippen sind voll.

    Paulus zeigte auf, wie die Gemeinde reagiert: so erfolgte am Dienstag der Spatenstich für ein Mehrfamilienwohnhaus mit zehn Sozialmietwohnungen am Dülbigweg. Die Bausumme beträgt 1,8 Millionen Euro. 30 Prozent Zuschuss gibt es vom Staat. 60 Prozent werden über ein Darlehen finanziert. Zehn Prozent sind Eigenmittel der Gemeinde. In den Ortsteilen wurden Bauplätze durch den Abriss alter Gebäude neu geschaffen. Insgesamt gebe es in der Gemeinde mehr als 100 Grundstücke in privater Hand. Das Problem sei, dass die Eigentümer diese Grundstücke nicht verkaufen wollten, derzeit werde darauf aber nicht gebaut.

    In neue Kindergarten- und Krippenplätze habe die Gemeinde ebenfalls investiert. Schwierig sei es jedoch, Personal zu finden. Die Dreibergschule sei für 14 Millionen Euro renoviert worden und im September 2018 zusammen mit den Sportanlagen eingeweiht worden.

    Die Sportanlage sei vor den Sommerferien für die Allgemeinheit geschlossen worden, weil dort Unbekannte unter anderem Feuer angezündet hatten. Die Gemeinde habe deshalb eine Videoanlage installiert, um Drogenkonsum, Wildpinkeln und andere Delikte zu dokumentieren. Seitdem seien die Verstöße deutlich weniger geworden, so dass die Sportanlage im kommenden Jahr wieder geöffnet werden soll.

    Wasserversorgung gesichert

    Zum Thema Wasserversorgung sagte Paulus, der Grundwasserspiegel sei gesunken. Knetzgau soll – wie auch Haßfurt – von Schweinfurt mit 250 000 Kubikmetern Wasser im Jahr versorgt werden. Der Bau einer Hauptwasserleitung von Schweinfurt nach Wohnau werde derzeit ausgeschrieben. Damit sei die Wasserversorgung langfristig gesichert.

    Das Schwimmbad muss saniert werden. Eventuell angedacht ist ein Allianzbad, unter anderem zusammen mit Eltmann. Auch der Bauhof sei sicherheitstechnisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Der alte Bauhof soll abgerissen und auf einem gemeindeeigenen Grundstück in der Nähe der Firma Maincor neu gebaut werden. Was mit der Fläche des bisherigen Bauhofs geschehen soll, sei derzeit noch völlig offen, sagte Paulus. In der Dr.-Weilersbacher-Straße sind die Ausschreibungen erfolgt. Die Bauarbeiten beginnen demnächst. Die Renovierung der Hainerter Straße soll Mitte Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein.

    Eine Biker- und Skateranlage soll im Gewerbegebiet entstehen. Die Kosten in Höhe von 400 000 Euro werden zur Hälfte über EU-Mittel gefördert. Rund 50 Jugendliche hätten sich bei der Planung mit eingebracht. Sie wollen einen Verein gründen, der sich um den Unterhalt der Anlage kümmert.

    Kirchen unter einem Dach

    Die Erneuerung des ehemaligen Gasthauses „Schwarzer Adler“ in Westheim ist mit 2,6 Millionen Bausumme das derzeit größte Bauprojekt der Gemeinde. Der Anteil der Gemeinde an den Kosten beträgt 600 000 Euro. Die evangelische und katholische Kirche wird dort unter einem Dach vereint sein. Paulus erinnert daran, dass Bauherren, die Altgebäude renovieren, mit 20 000 Euro plus 1500 Euro pro Kind unterstützt werden. Wer ein denkmalgeschütztes Gebäude renoviert, erhält von der Gemeinde 30 000 Euro plus 1500 Euro pro Kind. 252 Millionen Euro seien in den letzten 15 Jahren bewegt worden. Dennoch sei Knetzgau keine reiche Gemeinde, denn die Steuerkraft liege unter Landesdurchschnitt, so Paulus.

    Ein Bürger sagte, dass er mit der Mitfahrerbank zwar schnell nach Haßfurt komme. Das Problem sei, von Haßfurt wieder zurückzukommen, da eine Mitfahrerbank am Marktplatz oder in der Brückenstraße fehle.

    Eine Bürgerin beklagte den Verkehr in der Hauptstraße. Sie habe 300 Lkw innerhalb einer Stunde gezählt, die an ihrem Haus vorbeigefahren seien. Paulus erwiderte, dass es sich um eine Staatsstraße handle, für die die Gemeinde nicht zuständig sei. Er befürworte eine Verkehrsumleitung wie in Österreich. Eine Umgehungsstraße von der Haßfurter Straße bis zur Westheimer Straße sei nur dann im Bereich des Möglichen, wenn ein Verkehrsgutachten feststellt, dass der Verkehr ein festgesetztes Maß übersteigt.

    Platz für Vereine

    Das geplante Maininformationszentrum (MIZ) soll auch für Veranstaltungen von Vereinen offenstehen. Dies bezweifelte ein Bürger. Wenn dort Tagungen oder Veranstaltungen über mehrere Tage stattfänden, sei dort kein Platz mehr für Vereine, argumentierte er. Paulus erwiderte, dass die Franz-Hofmann-Halle marode sei und abgerissen werden müsse. Die Gemeinde sei nicht in der Lage, eine neue Halle für sechs bis sieben Millionen Euro zu bauen. Das Maininformationszentrum würde hingegen allein durch den Freistaat Bayern finanziert. Es sei daher eine „Riesen-Chance für Knetzgau“, betonte der Rathauschef. Mehr als 100 Kommunen von Bischofsgrün bis Aschaffenburg stünden hinter dem Projekt. Denn es gebe noch keine Einrichtung, die über den Main informiert. Andere Kommunen würden sofort zur Verfügung stehen. Zudem habe ihm ein Investor zugesichert, ein Hotel zu bauen, wenn das MIZ nach Knetzgau kommt.

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