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    ZEIL

    Warum nicht unbedingt Zeil der Standort sein muss

    Der letzte Kinder-Schwimmkurs der Wasserwacht Sand/Zeil findet zur Zeit im Zeiler Hallenbad statt. Foto: Christian Licha

    Der vorläufig letzte Kinderschwimmkurs der Wasserwacht Ortsgruppe Sand/Zeil war am Samstag für das Bayerische Rote Kreuz Anlass, nochmals auf die brisante Situation aufmerksam zu machen. Eingeladen waren in das Zeiler Hallenbad Lokalpolitiker, die sich vom stellvertretenden Vorsitzenden der Wasserwacht Sand/Zeil, Johannes Rennert, informieren ließen.

    „Das Besondere an unseren Schwimmkursen ist, dass wir die Kinder im Verhältnis von fast eins zu eins betreuen können“, betonte Rennert und resümierte, dass in den letzten Jahrzehnten über 2000 Kinder in Zeil bei der Wasserwacht das Schwimmen gelernt hätten. Jedes Jahr fand im Frühjahr und Herbst ein Kurs mit etwa 20 bis 25 Teilnehmern im Alter von fünf bis neun Jahren statt, die von jeweils 16 bis 18 Ehrenamtlichen der Wasserwacht das Schwimmen erlernten. „In anderen Schwimmkursen kommt vielleicht ein Betreuer auf sieben Kinder“, sagte Rennert, der auch auf die Erfolgsquote stolz ist. Über 80 Prozent der Kinder hätten stets zum Ende des Kurses erfolgreich das Schwimmabzeichen „Seepferdchen“ abgelegt. Auch Julian Müller, der Vorsitzende des Schwimmclubs Haßberge, bestätigte: „Was die Wasserwacht macht, hat eine unheimlich gute Qualität.“

    Bürgermeister Thomas Stadelmann, der zusammen mit einigen Stadträten gekommen war, erläuterte den aktuellen Sachstand. So hätten sich Ende Januar die ILE-Bürgermeister zusammen mit Landrat Wilhelm Schneider und Staatssekretär Gerhard Eck getroffen, um Möglichkeiten eines Allianz-Bades auszuloten. Es sei eine Standortanalyse in Auftrag gegeben worden, um den optimalen Platz für einen Neubau zu ermitteln. Bürgermeister Stadelmann würde das neue Hallenbad zwar gerne in Zeil sehen, sei aber auch für andere Möglichkeiten offen, wenn es Argumente für einen bestimmten Standort gebe. Als Allianz erhoffe man sich, dass in München ein zusätzlicher Fördertopf geschaffen werde.

    Stadelmann verwehrte sich ausdrücklich dagegen, zusammen mit den Stadträten als Buhmann hingestellt zu werden. „Wir haben alles getan, um das Bad möglichst lange am Leben zu erhalten“, sagte der Bürgermeister mit dem Hinweis darauf, dass ohne die Kreativität seiner Mitarbeiter schon lange das Bad hätte schließen müssen. Dabei zeigte das Stadtoberhaupt bei einem Rundgang durch die Katakomben so manche provisorische Arbeit wie zum Beispiel die Reparatur eines Filterflansches, der durchgerostet war. Aber auch Betonabplatzungen und Feuchtigkeitsschäden seien extrem, Zu- und Abwasserleitungen marode und die komplette Elektroverteilung müsste erneuert werden.

    Bei einer Sanierung würde nur noch die Hülle des Bades übrig bleiben, so Stadelmann, alles andere müsste entkernt werden. Das sei ein Fass ohne Boden und könne von Zeil alleine nicht gestemmt werden. Außerdem verbiete der Bezug von Stabilisierungshilfe ausdrücklich, Gelder für die Sanierung des Hallenbades zu verwenden. „45 Jahre haben wir Zeiler alleine das Hallenbad finanziert“, blickte Stadelmann zurück in die Vergangenheit, als es zu Zeiten des Hallenbadbaues der Fachwerkstadt mit hohen Gewerbesteuereinnahmen in den 1970-er Jahren noch sehr gut ging. „Aber jetzt müssen wir alle an einem Strang ziehen“, appellierte der Bürgermeister, für den es sehr wichtig ist, eine neue Schwimmmöglichkeit für Kinder, Senioren, Vereine und die Öffentlichkeit zu schaffen.

    Auch Landrat Wilhelm Schneider befürwortete die Allianz als Grundlage für ein neues Hallenbad im Maintal. Er erhofft sich durch den Zusammenschluss einiger Gemeinden eine bessere Fördermöglichkeit. Auch der Landkreis werde sich entsprechend der Anzahl der Realschüler daran beteiligen, versicherte Schneider. Aber nicht nur die Investition in einen Neubau, sondern auch der jährliche Unterhalt spielten bei den angelaufenen Planungen eine große Rolle. Hier müsse man abwägen, welche Alternative tragbar sei, so der Landrat. Auf jeden Fall werde es Jahre dauern, bis ein neues Bad steht. Deshalb müsse man sich auch Gedanken um eine Übergangslösung machen.

    „Wir lassen Zeil nicht alleine“, sicherte Landtagsabgeordneter Steffen Vogel zu. Ein Zusammenschluss vieler Gemeinden und des Landkreises sei eine sehr gute Lösung für den finanziellen Kraftakt, den ein Hallenbad-Neubau erfordere. Vogel werde sich für eine Verbesserung der Fördermöglichkeiten für ganz Bayern einsetzen, von der dann auch das Maintal profitieren könnte.

    In den Katakomben des Hallenbades informierte Bürgermeister Thomas Stadelmann (links) über den technischen Zustand des Hallenbades. Foto: Christian Licha
    Es wurde viel provisorisch repariert, um das Hallenbad wenigstens bis zur geplanten Schließung am 31. Juli am Leben erhalten zu können. Foto: Christian Licha
    Ebenfalls eine Kompletterneuerung der Elektrotechnik wäre bei einer Sanierung von Nöten gewesen, die aber nicht wirtschaftlich ist. Foto: Christian Licha
    Auch Feuchtigkeitsschäden machen dem Bau aus den 1970-er Jahren zu schaffen. Foto: Christian Licha

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