• aktualisiert:

    HOFHEIM

    Was „Rosalie“ aus ihrem Leben erzählt

    „Redselige Rosalie”: ein Citroen-Pritschenwagen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Foto: Martin Schweiger

    Rund 350 Besitzer von Oldtimerfahrzeugen kamen am Sonntag nach Hofheim, um bei der zehnten Auflage der „HOH-Classics“ ihre Schätzchen einem breiten Publikum zu zeigen. Wohl für sie alle bedeutet ihr Gefährt mehr als nur ein Vehikel, das sie von A nach B bringt. Es ist für sie ein Statussymbol und eine Wertanlage. Für manche ist es sogar fast schon ein Familienmitglied.

    So geht es zumindest Eberhard Schmitt aus Schonungen. Er lässt seinen Klein-Lkw mittels eines hinter der Frontscheibe platzierten Infoblatts für sich selbst sprechen. „Grüß Gott, ich heiße Rosalie“, begrüßt das Gefährt den Betrachter. „Ich wurde am 21. September 1994 nach einjähriger, intensiver und liebevoller Restauration wieder zum Leben erweckt und vom TÜV abgesegnet“, lässt es wissen. An sein genaues Geburtsjahr kann es sich nicht erinnern. „Vermutlich wurde ich zwischen 1939 und 1941 während des Krieges geboren. Meine erste Zulassung war 1949 in Frankreich. Ich gehöre zur Citroen Familie Typ R 23 U“, weiß der Laster und informiert den Leser, dass er sich „über jeden Schluck Super verbleit freut“. Früher habe er ein zulässiges Gesamtgewicht von 4200 Kilogramm gehabt. Damit er nicht so viel tragen muss, sei es auf 2800 Kilogramm herabgesetzt worden, verrät er, um dann – für einen Lkw – sehr gefühlsbetont zu werden: „Ich fühle mich sehr wohl in der Familie meines Lebensretters“, gibt er einen Einblick in sein Seelenleben und lädt zu einer Hochzeitsfahrt oder einem sonstigen Ausflug ein.

    Weniger auskunftsfreudig ist der BMW 501 von Gerd Rappat aus Bad Kissingen, der passend zu seinem antiken Polizeiauto am Sonntag in einer grünen Polizeiuniform gekleidet in Hofheim auftrat. Er verriet, dass sein Fahrzeug der Nachbau eines Modells ist, das in der Krimiserie „Funkstreife Isar 12“ in den Sechzigerjahren im deutschen Fernsehen zu sehen war. Die Karosserie wurde bei Bauer in Stuttgart gebaut, kam dann zurück nach München, wo das Auto fertig gebaut wurde und auf dem Lenkrad das Emblem des Münchner Kindls bekam. Weil es aussah wie ein Engel, wurde das Fahrzeug „Barockengel“ getauft. Als Originalmodelle habe es drei Filmautos gegeben. Außerdem waren zwölf „Barockengel“ bei der Polizeiinspektion in München im Einsatz.

    Ein ebenfalls sehr seltenes Gefährt präsentierte sich in der Landgerichtsstraße, nämlich eine amerikanische Corvette C 3, ein limitiertes Pace Car Sondermodell, das nur im Jahr 1978 gebaut wurde und als offizielles Pace Car für das Indianapolis-500-Rennen herausgebracht wurde. 6502 Fahrzeuge dieser „Limited Edition“ wurden gebaut. Diese wurden mit einer unverwechselbaren schwarz-silberfarbigen Lackierung, geteilt von einem roten Zierstreifen, ausgeliefert. Jeder Chevrolet-Händler erhielt damals nur ein Fahrzeug der Reihe.

    Eine Million Euro auf vier Rädern

    Das teuerste Fahrzeug, das am Sonntag den Weg nach Hofheim gefunden hatte, war der Einschätzung von Mitorganisator Marinus Leicht nach ein Nachkriegs-Mercedes mit einem Sammlerwert von rund einer Million Euro. Insgesamt präsentierten sich am Sonntag Fahrzeuge im Gesamtwert von rund neun Millionen Euro in Hofheim, schätzt Leicht. Neben ihm riefen vor zehn Jahren Gerald Höchner, Martin Hofmann und Klaus Bertram die „HOH-Classics“ ins Leben. HOH steht für das alte Hofheimer Landkreiskennzeichen, das im Zuge der Gebietsreform in den 1970er Jahren verschwunden war. Da die Fahrzeuge der Gründer aus diesen Zeiten stammen oder gar noch älter waren, verknüpft das Logo alte mobile Tradition mit der Stadt Hofheim und der Landkreisgeschichte. Prämiert wurden auch wieder die Oldtimer-Besitzer mit der weitesten Anreise: Jürgen Koch hatte 175 Kilometer aus Wolfring im Kreis Schwandorf zurückgelegt. Rene Hefner reiste mit seiner Frau 142 Kilometer im Oldtimer aus Eichenbühl an und bekam den zweiten Preis. Dritte wurde Mirjam Langmesser aus Unterwellenborn mit 132 Kilometern einfache Fahrstrecke. Die Sieger erhielten einen goldenen, silbernen und bronzenen Motorkolben, den Marinus Leicht angefertigt hatte.

    Als Sprecher fungierte während der Oldtimerpräsentation Manfred Hauck. Für die Verpflegung sorgten der Hofheimer Kindergarten und die Feuerwehr. Die zehnten HOH-Classics werden am ersten Sonntag im Juni 2020 stattfinden.

    Gerd Rappat war mit einem aus der TV-Serie „Funkstreife Isar 12“ bekannten BMW-„Barockengel” aus Bad Kissingen angereist. Foto: Martin Schweiger
    Die VIP (von links): Martin Hofmann, Hofheims Zweiter Bürgermeister Reinhold Giebfried, Marinus Leicht, Jürgen Koch aus Wolfring, das Ehepaar Hefner aus Eichenbühl und Manfred Hauck. Foto: Martin Schweiger

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!