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    Kreis Haßberge

    Was bedeuten die grünen Kreuze für Bauern im Haßbergkreis?

    Bauern aus der Region erklären, warum sie sich an der Protestaktion beteiligen. Sie fordern ein Umdenken in Politik und Gesellschaft.
    Lächeln wollen sie auf dem Foto nicht, denn dafür ist ihnen die Sache zu ernst. Die Bauern Michael Höhn-Schüssler, Klaus Merkel, Johannes Saam, Hans Dünninger, Burkard Mantel und Bernhard Müller stehen hinter dem stillen Protest mit grünen Kreuzen.
    Lächeln wollen sie auf dem Foto nicht, denn dafür ist ihnen die Sache zu ernst. Die Bauern Michael Höhn-Schüssler, Klaus Merkel, Johannes Saam, Hans Dünninger, Burkard Mantel und Bernhard Müller stehen hinter dem stillen Protest mit grünen Kreuzen. Foto: Peter Schmieder

    Seit einigen Wochen stehen auf den Feldern zahlreicher Bauern grüne Kreuze. Mittlerweile wird die Zahl deutschlandweit auf 10 000 geschätzt. Dazu kam eine große Demo in Berlin am 26. November. "Was wollen die eigentlich?", ist eine Frage, die häufig zu hören ist. Am besten können die Landwirte diese Frage selbst beantworten, und so ist auch ein Ziel der Aktion, Aufmerksamkeit zu bekommen.

    "Es kommt schon vor, dass Leute nachfragen", sagt Klaus Merkel, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes. "Das ist wohl jedem hier schon passiert", meint er bei einem Pressegespräch, bei dem mehrere Landwirte aus dem ganzen Landkreis mit unserem Reporter zusammensitzen.

    Der Bauernverband hat im Internet auch eine Druckvorlage für einen Infozettel veröffentlicht, den die Landwirte ausdrucken und an ein Kreuz hängen können. Merkel ist allerdings froh, dass nicht an jedem Kreuz ein solcher Zettel hängt. "Das zwingt die Leute auch mal zum Nachdenken", meint er, außerdem würden dadurch mehr Menschen den Dialog mit den Bauern selbst suchen.

    Als Symbol nicht unumstritten

    Begonnen hatte die Aktion Anfang September. Der Landwirt und Blogger Willi Kremer-Schillings aus Nordrhein-Westfalen, besser bekannt als "Bauer Willi", hatte auf seinen Feldern Kreuze aufgestellt, um gegen die Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung und für mehr Wertschätzung den Bauern gegenüber zu demonstrieren. Dem schlossen sich viele seiner Berufskollegen an, auch die Bauernverbände einiger Bundesländer unterstützen die Aktion.

    Dabei ist das Kreuz als Symbol nicht ganz unumstritten. Die Goßmannsdorfer Landwirte Bernhard Müller und Hans Dünninger stehen zwar hinter dem "Bauernaufstand", ob es aber unbedingt das Kreuz als christliches Symbol sein muss, das da auf die Felder gestellt wird, finden die beiden etwas fragwürdig. Besonders makaber finden sie, dass es wohl sogar Bauern gebe, die statt eines aus zwei Brettern selbst zusammengezimmerten Kreuzes echte Grabkreuze von einem Friedhof verwendet haben sollen.

    "Das Kreuz ist ja auch ein Symbol für Hilfesuchende."
    Klaus Schneider aus Bischofsheim

    Anderen gefällt jedoch gerade der christliche Bezug: "Das Kreuz ist ja auch ein Symbol für Hilfesuchende", meint beispielsweise Klaus Schneider aus Bischofsheim. "Bauer Willi" als Initiator der Aktion hatte das Kreuz gewählt, um auf das Höfesterben hinzuweisen. Die Politik zwinge so manchen Landwirt zum Aufhören und die nächste Generation habe in vielen Fällen kein Interesse mehr, einen Hof weiterzuführen.

    Bauern wollen sich nach der Natur richten

    "Jeder interpretiert es für sich anders", sagt Klaus Merkel. Es ist ein bunter Haufen von Landwirten, die zu manchen Themen durchaus verschiedene Ansichten haben. Klar ist aber für sie allerdings: So wie es läuft, kann es nicht weitergehen.

    "Wir haben als Landwirte alle eine gute Ausbildung. Aber Wissen und Können spielen in der Politik keine Rolle", zeigt sich Klaus Schneider frustriert. Ein Punkt, über den sich viele ärgern, ist die Düngeverordnung, die den Bauern vorschreibt, wann sie ihre Äcker düngen dürfen und wann nicht. Entschieden wird dabei nach Datum und nicht nach Wetterlage – aus Sicht der Bauern ein schwerer Fehler. "Das nimmt den Bauern die Möglichkeit, sich nach der Natur zu richten", beklagt Hans Dünninger. Dabei trage die zeitliche Einschränkung nicht dazu bei, dass weniger Dünger auf die Äcker gelangt. "Der Druck wird größer, weniger in kurzer Zeit auszubringen."

    Dünninger widerspricht auch dem Klischee, dass es sich bei den protestierenden Landwirten vor allem um Konservative handelt, die auf Kosten der Natur möglichst viel Gewinn machen wollen. Er selbst ist Bio-Bauer und Kommunalpolitiker der Grünen.

    "Das zwingt Leute zum Aufhören"

    "Es ist ein Problem, wenn Fakten nicht mehr zählen", sagt Bauernverbands-Kreisobmann Merkel aus Mariaburghausen. Gerade in Zeiten des Klimawandels wäre der Humusaufbau für die Landwirtschaft wichtig, "und dann gibt es eine Düngeverordnung, die uns zum Humusabbau zwingt". Auch die Nitratwerte, mit denen oft argumentiert wird, dass sich in der Landwirtschaft etwas ändern müsse, sieht er kritisch. Dass es in der Region Karstböden gibt, durch die das Wasser sehr schnell nach unten hin verschwindet, sei ebenso wenig die Schuld der Landwirte wie die Trockenheit in Unterfranken. "Das ist eben die Geologie, das haben wir nicht zu verantworten."

    Auch sonst beklagen die Bauern diverse politische Entscheidungen auf Kosten der Landwirtschaft; darunter auch, dass der Beruf mit immer mehr Bürokratie verbunden sei. "Das zwingt die Leute zum Aufhören", sind viele überzeugt.

    Dazu komme ein Mangel an Planungssicherheit, weil sich Auflagen viel zu schnell ändern. Gerade für Tierhalter sei das ein Problem, weil es beim Bau eines neuen Stalls, der allen Vorgaben entspricht, sehr leicht passieren könne, dass man ihn nach kurzer Zeit wieder für viel Geld umbauen muss.

    Bio muss sich auch verkaufen

    "Wir fühlen uns wie die Deppen der Nation", sagt Hans Dünninger und Klaus Merkel ergänzt: "Wir werden für alles verantwortlich gemacht." Dabei richtet sich die Kritik nicht nur gegen die Politik, sondern auch gegen die Verbraucher, die aus Sicht der Landwirte oft unrealistische Vorstellungen haben. "Der Verbraucher entscheidet", sagt Burkard Mantel aus Goßmannsdorf. Mit anderen Worten: Was von den Bauern produziert wird, hängt auch davon ab, was die Kunden haben wollen und wofür sie bereit sind, etwas auszugeben. "Die Leute können nicht sagen: Wir wollen Bio, aber keiner kauft's", betont Mantel. Klaus Merkel berichtet, die Bio-Landwirtschaft mache in Bayern gerade einmal zehn Prozent der Landwirtschaft aus, trotzdem bestehe schon jetzt ein Problem, die Produkte loszubringen.

    "Wir produzieren unter Druck qualitativ hochwertige Lebensmittel", sagt Klaus Schneider. Konkurrenz komme dann aber aus dem Ausland in Form von billigen Produkten, die unter Bedingungen erzeugt wurden, die in Deutschland längst verboten sind. So betont Klaus Merkel, es passe nicht zusammen, wenn einerseits Regionalität beworben und gefordert werde, während gleichzeitig Handelsabkommen abgeschlossen würden, die solche billigen Lebensmittelimporte ermöglichen.

    Blinde reden über Farbe

    Insgesamt beklagen die Bauern auch, dass viele politische Entscheidungen vor allem die kleinen Höfe treffen. Das führe letztlich immer mehr dazu, dass sich nur die Großbetriebe halten können, von denen es doch eigentlich heiße, dass sie politisch nicht gewollt seien.

    Derweil gehe in der Bevölkerung der Bezug zur Landwirtschaft immer mehr verloren. Wer nicht selbst in dem Bereich arbeitet, habe selten Ahnung und Interesse daran, wie eigentlich Lebensmittel hergestellt werden. Gleichzeitig würden die Menschen aber unerfüllbare Ansprüche stellen. "Da reden Blinde über Farbe", sagt Klaus Schneider.

    Ein grünes Kreuz steht als Mahnmal der Landwirte auf einem Feld. Viele Bauern sehen unter anderem durch Vorgaben beim Einsatz von Düngemitteln, beim Pflanzenschutz und bei der Tierhaltung ihre Betriebe in Gefahr.
    Ein grünes Kreuz steht als Mahnmal der Landwirte auf einem Feld. Viele Bauern sehen unter anderem durch Vorgaben beim Einsatz von Düngemitteln, beim Pflanzenschutz und bei der Tierhaltung ihre Betriebe in Gefahr. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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