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    ZEIL / KREIS HASSBERGE

    Weinlese: Der 2018er kommt mit voller Frucht

    In der gemütlichen Runde vor dem Weinhaus in Ziegelanger herrscht beste Stimmung. „Schönes Wetter, schöne Trauben“, sagen die Männer und Frauen unisono, da hat die Arbeit Spaß gemacht. Sie sitzen bei der wohlverdienten Brotzeit. Ihr Tagwerk steht noch draußen in großen Containern in den Weinbergen. In schönstem Dunkelrot glänzen dort die Domina-Trauben in der prallen Sonne. „Wunderbar“ wird dieser neue rote Jahrgang, schwärmt Wolfgang Zimmermann. Und nicht nur die Farbe sorgt für Freude: „Es wird auch ein Jahrgang voller Aromen“, fügt Zimmermanns Sohn Manuel hinzu. Am Ende eines Sommers voller Extreme hat es die Natur dann doch gut gemeint mit den Winzern, sagt auch in einer ersten Bilanz zur laufenden Weinlese der Vorsitzende des Weinbauvereins Haßberge, Roger Nüßlein.

    Früheste Weinlese aller Zeiten

    Und diese Weinlese hat ein Attribut: die früheste Weinlese aller Zeiten. Mit seinen 69 Jahren erinnert sich Wolfgang Zimmermann, wie es früher war: Da ging es oftmals nach der Kirchweih in Ziegelanger los. Die ist am dritten Wochenende im September. Meist wurde im Oktober gelesen, mitunter gar erst Anfang November.

    Dennoch hat dies den Früchten, die in den Weinbergen herangereift sind, nicht geschadet. „Die Trauben sind gesund, durch die Trockenheit hat es keine Fäulnis gegeben, wir erwarten qualitativ eine gute Ernte“, sagt Roger Nüßlein. Der Ertrag werde wohl höchstens im durchschnittlichen Bereich liegen, aber besonders bei den späten Sorten, wie etwa dem Riesling, gehen die Erwartungen bei der Qualität sehr hoch. Was markant sein wird für den 2018er Jahrgang: Es werden sehr fruchtbetonte Weine.

    Leichtere „Trinkweine“ bieten

    Was Winzer in diesem Jahr im Blick haben sollten und warum da auch Fingerspitzengefühl gefordert ist, so Nüsslein: „Wir müssen aufpassen, dass wir am Ende nicht mit zu alkohollastigen Weinen dastehen“, denn das Zeug dazu ist durchaus gegeben, bei den Früchten, die in diesem Sommer herangewachsen sind. Der Kundschaft müsse man allerdings auch leichtere „Trinkweine“ bieten können. Ein möglichst hohes Mostgewicht und Weine mit viel Alkohol sollten so nicht das Ziel sein.

    Darum haben auch die Zimmermanns bereits mit der Weinlese begonnen, obwohl man durchaus noch auf ein paar Öchsle mehr Mostgewicht hätte warten können. Aber einen zu Alkohol-intensiven Wein wollte man nun mal nicht, so der Ökowinzer Wolfgang Zimmermann. Der extreme Sommer habe so zwar keinen Jahrhundertjahrgang hervorgebracht, „aber allemal einen guten Schoppen, voller Frucht und Harmonie, aber mit wenig Säure“. Einen Wein, „der getrunken werden sollte, wenn er da ist“.

    An Wasserreserven gekommen

    Verwundert hat es nicht wenige Menschen, dass überhaupt ein solcher Jahrgang trotz der Trockenheit in den Weinbergen herangewachsen ist. Die Winzer gehören nach der Einschätzung von Nüßlein zu den „Gewinnern“ angesichts des extremen Witterungsverlaufs, im Gegensatz zum „Bild des Schreckens, das sich in der Landwirtschaft biete“. Grund dafür: die alten Weinstöcke mit ihren tiefen Wurzeln seien doch noch an Wasserreserven gekommen. Die jungen Weinstöcke habe man entlastet, indem sie ausgeschnitten wurden, der Ertrag wurde so reduziert, die Weinstöcke geschont.

    Im biologischen Landbau lege man zudem auch besonderen Wert auf die Beschaffenheit des Bodens, „wir machen viel über den Humusgehalt des Bodens“, so Wolfgang Zimmermann. Der Boden ist so beschaffen, dass er im Winter gut Wasser aufnehmen konnte. Dieses gespeicherte Wasser konnte er dann in der Trockenheit den Weinstöcken weitergeben. Und auch Zimmermann berichtet, dass die jungen Weinstöcke durch Rückschnitt entlastet wurden.

    Hatten die Winzer in der Region in vergangenen Jahren mit unliebsamen Besuchern zu kämpfen, schlug sich dieses Problem in diesem Jahr weder bei Qualität noch Quantität nieder: der Wespenfraß. Übereinstimmend berichten Nüßlein und Zimmermann, dass der Hunger der Wespen nach Süßem für sie in diesem Jahr unter der Kategorie „Unbedeutend“ einzustufen ist.

    Wespen waren kein Problem

    Der Grund zum einen, so der Weinbauvereinvorsitzende Nüßlein: Es war andauernd trocken. Auch wenn die Wespen an Trauben fraßen, begannen diese dann nicht anschließend in großem Umfang in Fäulnis überzugehen. Wegen der Trockenheit bestand keine Infektionsgefahr für andere Trauben, der Hunger der Wespen war in diesem Jahr „unproblematisch“, so Nüßlein.

    Und einen weiteren Grund dafür, dass weder Wespen noch andere Insekten in diesem Extremsommer eine Gefahr bedeuteten, so Wolfgang Zimmerman: „ Es gab überall so viel Obst draußen, dass sich die Wespen verteilt haben “. Zudem setzte man im biologischen Weinbau Pflanzen-stärkende Mittel wie etwa Molke oder Backpulver ein, die dafür sorgten, dass die Haut der Beeren weniger leicht von Wespen oder anderen Insekten angestochen werden könne.

    Gute Aussichten auf einen guten Jahrgang – so ist derzeit der Stand der Weinlese, so der Weinbauvereinsvorsitzende. Wie immer allerdings rät er, mit dem Urteil abzuwarten, denn: „Erst wenn die Jungweine probiert sind, gibt es ein profundes Bild“.

    Domina: tiefes, dunkles Kirschrot

    Was die Sensorik bringen wird, das muss sich noch zeigen, was die Optik zu bieten hat, da ist sich allerdings Wolfgang Zimmermann bei seiner Domina jetzt schon sicher: Sie wird ein „wunderbares, tiefes, dunkles Kirschrot haben“. Das zeigt der stark ausgeprägte Farbstoff in der Haut der Beeren. Und auch dafür hat der extreme Sommer gesorgt.

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