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    Haßfurt

    Wer kandidiert für den Einzug ins Landratsamt?

    Gut ein Jahr vor der Kommunalwahl: Wer wird ab dem Jahr 2020 wohl als Behördenleiter im Landratsamt sitzen? Foto: Peter Schmieder

    Alle sechs Jahre stehen in Bayern Kommunalwahlen an. Im Frühjahr 2020 ist es dann wieder soweit, in vielen Kommunen werden Bürgermeister und Landräte gewählt. So werden sich die Parteien bald entscheiden müssen, wer für sie kandidieren soll; oder ob sie überhaupt jemanden aufstellen. Wenn es um den Posten des Landrates geht, steht bei den meisten Parteien allerdings noch ein großes Fragezeichen über der Frage nach möglichen Bewerbern.

    "Die Zeit war sehr spannend. Es war bisher kein langweiliger Tag dabei", beschreibt Landrat Wilhelm Schneider seine bisherige Amtszeit. 2014 kandidierte er erstmals für den Posten und konnte sich gegen fünf Mitbewerber durchsetzen. Neben der CSU, für die Schneider antrat, hatten auch die SPD, die Freien Wähler, die Grünen, die Linke und die ÖDP Landratskandidaten ins Rennen geschickt. Damals gab es allerdings die besondere Situation: Es gab keinen Amtsinhaber, der versuchte, seinen Posten zu verteidigen. Schneiders Vorgänger Rudolf Handwerker (CSU) war nach 24 Jahren im Amt aus Altersgründen nicht mehr angetreten. Erfahrungsgemäß gibt es bei solchen Wahlen oft eine größere Zahl an Kandidaten, die eine Chance wittern.

    Gibt es dagegen einen Amtsinhaber, der fest im Sattel sitzt, finden sich meist weniger Herausforderer, die bereit sind, den Hut in den Ring zu werfen. Wer will schon kämpfen, wenn er weiß, dass er nicht gewinnen kann? Auf die Frage, ob er 2020 noch einmal kandidieren will oder ob ihm eine Amtszeit als Kreisoberhaupt genügt, antwortet Wilhelm Schneider, er sei durchaus motiviert, weiterzumachen. "Ich gehe davon aus, dass einige laufende Projekte nicht bis 2020 abgeschlossen sein werden", meint er und betont, er würde diese Vorhaben gerne weiter begleiten.

    Gesundheit, Schulen, Tierheim und Flüchtlinge

    Als die großen Herausforderungen seiner bisherigen Amtszeit nennt der Landrat die umfangreichen Schulsanierungen, den Gesundheitsbereich, in dem es unter anderem um die Zukunft der Haßberg-Kliniken und die Sicherstellung der medizinischen Versorgung im Landkreis geht und um die Bewältigung einer großen Flüchtlingswelle. "Was wir vollenden konnten, ist das Tierheim", sagt Schneider.

    Ob seine Partei ihn ein weiteres Mal aufstellen möchte, oder ob sie lieber einen anderen Kandidaten ins Rennen schicken will, kommentiert der amtierende Landrat: "Intensiv hat man sich damit noch nicht auseinandergesetzt." Doch egal welche und wie viele Parteien einen Kandidaten aufstellen; Schneider betont, er hoffe vor allem, dass kein verfrühter Wahlkampf angestoßen wird, der dann die Sachdiskussionen überlagert.

    Und es sieht so aus, als würde dieser Wunsch des Landrats in Erfüllung gehen. Denn alle im Kreistag vertretenen Parteien stehen bei der Suche nach einem Kandidaten oder der Frage, ob sie überhaupt einen aufstellen sollen, noch ganz am Anfang.

    Keine chancenlosen Kandidaten

    "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Kurt Sieber. "Ich persönlich bin mit der Arbeit des Landrats weitgehend zufrieden", erklärt er, auch wenn er damit nicht in Anspruch nehmen will, auch für den Rest seiner Fraktion zu sprechen. Jedenfalls wolle seine Partei "nicht aus wahltaktischen Gründen einen Kandidaten aufstellen, der sowieso keine Chance hat".

    Bei vielen anderen Parteien war die Suche nach einem Kandidaten für den Posten des Landrats offenbar noch gar kein Thema. "Wir haben noch nicht darüber gesprochen. Da kann ich gar nichts dazu sagen", meint Sabine Schmidt die als einzige Vertreterin der Linken im Kreistag sitzt. Bei der letzten Kommunalwahl hatte sie selbst für das Amt des Kreischefs kandidiert. Bei den Grünen sieht es ähnlich aus. Fraktionsvorsitzende Rita Stäblein, die 2014 selbst angetreten war, antwortet auf die Frage nach einem möglichen Landratskandidaten: "Das ist noch offen, wir haben noch gar nicht darüber gesprochen. Wir klären das im Laufe der Zeit."

    Auch Klemens Albert von der ÖDP erklärt, seine Partei habe noch nicht darüber geredet, ob sie einen Gegenkandidaten aufstellen will. Seiner eigenen Einschätzung nach werde das aber wahrscheinlich nicht passieren. "Ich selbst bin zu alt dafür", sagt Albert, der bei den Kommunalwahlen 2008 und 2014 der ÖDP-Kandidat für den Posten des Landrats war. Birgit Bayer von der Wählergemeinschaft erklärt, sie könne noch nicht sagen, ob ihre Partei versuchen werde, den nächsten Landrat zu stellen. "Aber es kann durchaus sein", meint Bayer, die bei der Wahl 2014 ebenfalls kandidiert hatte. Nach Wilhelm Schneider und dem SPD-Kandidaten Bernhard Ruß, die in die Stichwahl kamen, war sie damals im ersten Wahlgang die drittstärkste Kandidatin.

    Diskussionen laufen bei der SPD

    Am weitesten scheinen die Überlegungen über einen Gegenkandidaten bei der SPD vorangeschritten zu sein. "Das ist im Moment in der Diskussion", sagt Fraktionsvorsitzender Jürgen Hennemann. Mehrere Sitzungen seien dafür in nächster Zeit geplant. Noch möchte er aber nichts über den Stand der Dinge bekanntgeben. Kreisvorsitzender Wolfgang Brühl sagt dazu: "Die Überlegungen sind noch nicht weit genug." Allerdings denke die Partei grundsätzlich immer darüber nach, Kandidaten aufzustellen: "Das gehört in einer demokratischen Partei dazu."

    Holger Baunacher von der Jungen Liste bezeichnet es als "eher unwahrscheinlich", dass seine Fraktion einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken wird – zumindest als Landrat. Bei den Kreisräten möchten er und seine Mitstreiter dagegen durchaus auf eine Verjüngung des Gremiums hinarbeiten. Dabei sieht Baunacher allerdings ein Problem: "Es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die sich engagieren wollen." Das sei bereits bei vielen Vereinen zu bemerken, die immer größere Schwierigkeiten haben, ihre Vorstandsposten zu besetzen. "Das wird auch vor der Kommunalpolitik nicht halt machen."

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