• aktualisiert:

    Ebelsbach

    Wer wird neuer Bürgermeister von Ebelsbach?

    Mit Roland Metzner (CSU), Martin Horn (SPD) und Andreas Hoch (BNL) bewirbt sich ein Trio um das Amt des Bürgermeisters. Amtsinhaber Walter Ziegler geht in den Ruhestand.
    Alles andere als schön ist die Ruine des Schlosses mitten im Herzen Ebelsbachs. Dem seit vielen Jahren vor sich hin gammelnden Gebäude neues Leben einzuhauchen, wird in den kommenden Jahren eine Herkulesaufgabe für Bürgermeister und Gemeinderat.
    Alles andere als schön ist die Ruine des Schlosses mitten im Herzen Ebelsbachs. Dem seit vielen Jahren vor sich hin gammelnden Gebäude neues Leben einzuhauchen, wird in den kommenden Jahren eine Herkulesaufgabe für Bürgermeister und Gemeinderat. Foto: Jochen Reitwiesner

    Eines steht fest: In Schloss Gleisenau, dem Verwaltungssitz der Gemeinde Ebelsbach, wird ab Mai frischer Wind wehen. Die 3800-Seelen-Gemeinde  bekommt einen neuen Bürgermeister, da Walter Ziegler von der Bürgernahen Liste (BNL) den Ruhestand antritt. 18 Jahre lang durfte der aktuelle Amtsinhaber vom wohl malerischsten Arbeitsplatz eines Bürgermeisters im Landkreis Haßberge aus regieren. In den Abendstunden des 15. März weiß er, wem er die Amtsgeschäfte bald übergeben wird. 

    Die CSU schickt Roland Metzner ins Rennen, für die SPD wirft Martin Horn seinen Hut in den Ring und die Bürgernahe Liste (BNL) hat Andreas Hoch nominiert. Alle drei sind keine Neulinge in der Kommunalpolitik, sie gehören dem Ebelsbacher Gemeinderat mindestens seit sechs Jahren an - Hoch, mit 32 Jahren der jüngste Kandidat, sogar schon zwei Jahre länger. Sie alle sind also durchaus erfahren, Horn und Hoch fungierten zudem als Stellvertreter von Walter Ziegler. Aus diesem Trio dürfen die Menschen aus Ebelsbach, Gleisenau, Rudendorf, Schönbach, Schönbachsmühle, Schönbrunn und Steinbach nun einen hauptamtlichen Bürgermeister wählen. Und der dürfte in den kommenden Jahren eine Menge Arbeit haben. 

    Was passiert mit der Schlossruine?

    Eine der herausragendsten Baustellen ist die Schlossruine, die ein Großbrand im Jahr 2009 in Schutt und Asche legte und die seither mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben ist. Da sind sich alle drei einig: Es gelte, ein nachhaltiges Konzept zu entwickeln. Nur in Nuancen unterschieden sich da die Ansichten des Trios, zusammengefasst geht es ihnen darum, einen attraktiven Ortsmittelpunkt zu schaffen, auf dem Angebote für alle Generationen zur Verfügung stehen.  Allerdings: Eine schnelle Lösung konnte keiner aus dem Ärmel schütteln - angesichts der nötigen Investitionen, die weit in den zweistelligen Millionen-Bereich gehen, kein Wunder. Mit in die Überlegungen hinein spielt bei allen auch das Schloss Gleisenau, in dem ebenfalls noch gehörig Potenzial schlummert.  

    Wer darf für die nächsten sechs Jahre in das wohl malerischste Regierungsgebäude im Landkreis Haßberge einziehen? Drei Männer bewerben sich um das Bürgermeisteramt in Ebelsbach - der Amtssitz ist die Schlossanlage in Gleisenau. 
    Wer darf für die nächsten sechs Jahre in das wohl malerischste Regierungsgebäude im Landkreis Haßberge einziehen? Drei Männer bewerben sich um das Bürgermeisteramt in Ebelsbach - der Amtssitz ist die Schlossanlage in Gleisenau.  Foto: Jochen Reitwiesner

    Roland Metzner: Ebelsbach und seine Ortsteile "stetig weiterentwickeln und gestalten"

    Roland Metzners wichtigstes Thema im Wahlkampf hat er mit den Schlagworten "Leben - bewahren, entwickeln, gestalten! Mit uns - für euch" überschrieben. In den letzten Jahren sei vieles liegengeblieben und versäumt worden. "Unvollendete Projekte müssen fortgeführt werden", fordert er und kündigt gleichzeitig an, dass er und seine Parteikollegen von der CSU  für "Klarheit und Transparenz" sorgen wollen. Es sei an der Zeit, "innovative und nachhaltige Investitionen zu tätigen", um Ebelsbach und seine Ortsteile "stetig weiterzuentwickeln und zu gestalten". Er denkt da beispielsweise an neue Bauplätze sowie die Kanäle, er möchte neuralgische Punkte entschärfen, den Verkehr beruhigen und für eingeschränkte Menschen erleichtern, langfristige Konzepte für Kindergärten sowie Betreuungseinrichtungen entwickeln oder Möglichkeiten für Wohnen im Alter schaffen. Er denkt zudem über eine Umgehung für Ebelsbach nach und spricht sich dafür aus, die bereits im Gespräch befindlichen Maßnahmen an der Ortsdurchfahrt in Rudendorf anzupacken. "Mein Ziel ist es, unsere Gemeinde in jeglichen Belangen voranzutreiben und diese einem stetigen Weiterentwicklungsprozess zu unterziehen, um somit für die Anforderungen der Zukunft bestmöglich gerüstet zu sein. Das ist mein Ansporn, dafür brenne ich", macht er gegenüber dieser Redaktion deutlich. 

    Martin Horn: Mit der Ebelsbach-App direkt ins Rathaus

    Martin Horn möchte Bürgermeister werden, weil er "ein klares Ziel" habe. Ihm liege Ebelsbach am Herzen. "Ich möchte gemeinsam mit dem Gemeinderat - über Parteigrenzen hinweg- weitere Entscheidungen treffen und auf den Weg bringen." Durch seine 23 Jahre währende Tätigkeit im Ebelsbacher Bauhof kenne er die Gemeinde mit allen Ortsteilen wie seine eigene Westentasche. "Durch mein Amt als Gemeinderat und 2. Bürgermeister habe ich ausreichende kommunalpolitische Erfahrungen gesammelt und konnte bereits mit vielen Fachbehörden und Sachbearbeitern in Kontakt treten." Der SPD-Kandidat möchte die Einwohnerschaft, beispielsweise durch Bürgerbeteiligungen, mit ins Boot nehmen. Ihm seien klare Worte wichtig, er wünscht sich ein Plus an Kommunikation mit seinen Mitbürgern - aus allen Ortsteilen, die er definitiv als "gleichberechtigt" ansieht. Er wolle zudem den "Jugendlichen und jungen Menschen mehr Gehör geben", beispielsweise durch einen Jugendgemeinderat, und mit den Gewerbetreibenden einen regelmäßigen Austausch anstreben. Um Abwanderungswilligen die Möglichkeit zu geben, in ihrer Heimat zu leben, stehen Baugebiete in allen Ortsteilen auf seiner Agenda. Verstärkt wolle er den Fokus zudem auf Nachhaltigkeit und Energiebewusstsein bei gemeindlichen Gebäuden legen.  Ins Gespräch bringt Martin Horn im Zusammenhang mit der "fachlich und sachlich starken Verwaltung" eine "Ebelsbach-App", mit der die Bürger einen direkten Draht ins Rathaus hätten. 

    Andreas Hoch: "Ich liebe Ebelsbach"

    "Ich liebe Ebelsbach, weil ich es jeden Tag schätze, hier leben zu dürfen" , sagt Andreas Hoch. "Ich stehe für Kontinuität und Aufbruch gleichermaßen: Kontinuität, wenn es darum geht, auf die erfolgreichen 18 Jahre von Walter Ziegler aufzubauen und diese politische Arbeit nachhaltig fortzuführen. Eine Politik, die losgelöst von übergeordneten Parteiinteressen das Wohl der Gemeinde ernst nimmt und alle Ortsteile gleichermaßen bei Investitionen berücksichtigt. Ich nehme Anteil an den Dingen meiner Gemeinde und ich traue es mir zu, meiner Gemeinde, ihren Bürgerinnen und Bürgern, auch ein guter Bürgermeister zu sein." Der Kandidat der Bürgernahen Liste setzt auf Nähe, Transparenz und Kompromissbereitschaft und möchte dazu nicht nur den direkten Kontakt, sondern auch die sozialen Netzwerke nutzen. Neben den beherrschenden Themen wie Schlösser, Umgehung Ebelsbach, sukzessive Erneuerung der Infrastruktur und der Kinder- und Jugendbetreuung bringt er eine neue Stelle für einen Sozialpädagogen ins Gespräch. Er denkt über einen Bürgerbus, der die Ortsteile mit Ebelsbach besser vernetzt, nach. Sein Fokus liegt zudem auf den Baugebiet "Am Herrenwald" in Ebelsbach, da es durch das Bürgerbegehren "derzeit die größte Aufmerksamkeit erfährt".  

    Wie stehen die Kandidaten zu einer "Großgemeinde"?

    Ebelsbach gehört mit seinen rund 3800 Einwohnern durchaus zu den größeren Gemeinden im Landkreis Haßberge. Gemeinsam mit Breitbrunn (1000 Einwohner), Kirchlauter (gut 1300) und Stettfeld (knapp 1200) werden die Amtsgeschäfte unter dem Dach der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach abgewickelt. Wie stehen die drei Kandidaten einem Zusammenschluss der vier Gemeinden zusammen? 

    Roland Metzner ist "zurzeit nicht für einen Zusammenschluss", auch wenn es organisatorisch "mit Sicherheit Sinn machen würde". Es gebe viele Vor- aber auch Nachteile. Sollte das zum Thema werden, "müsste man mit den neuen Protagonisten Gespräche führen". Martin Horn bewertet derlei Gedankenspiele "positiv, ich denke, es wäre für alle ein Gewinn". Die Bedenken einiger Bürger, bei einem Zusammenschluss zu kurz zu kommen, sieht er als "unbegründet" an.  Ein nicht zu verachtender Punkt für ihn ist: "Eine Gemeinde dieser Größe hätte mehr Gewicht im Kreis." Ähnlich sieht es Andreas Hoch, wenn er die Synergieeffekte bei Verwaltung und Bauhof betrachtet.  Er führt auch das Beispiel Ebelsbach ins Feld. Hier hätten alle Ortsteile auch nach der Gemeindegebietsreform ihren eigenen Charme behalten beziehungsweise weiterentwickelt. "Bei einem möglichen Zusammenschluss habe ich keine Bedenken, dass die neu hinzukommenden Gemeinden ihre Individualität verlieren könnten. Im Gegenteil: Jedem Ort bietet sich bei einem solchen Prozess die Chance, sich seiner Alleinstellungsmerkmale bewusst zu werden und das eigene Profil zu schärfen."

    So sieht es aktuell im Gemeinderat aus 

     Und wie sieht es im Gemeinderat aus? Vor sechs Jahren holten sowohl die CSU als auch die Bürgernahe Liste (BNL) jeweils sechs Sitze. Die SPD hat aktuell drei Mandate, für die Freie Wählerliste ist am Ratstisch ein Platz reserviert. Die Wahlbeteiligung vor sechs Jahren lag bei durchschnittlichen 68,13 Prozent. Einig sind sich die drei Männer, dass am Ratstisch trotz unterschiedlicher Meinungen und manchmal emotional geführter Debatten ein gutes Klima herrsche.  

    Der CSU-Kandidat
    Roland Metzner 
    Roland Metzner  Foto: Holger Kelle
    Roland Metzner (CSU) ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Der gelernte Industriemechaniker ist Berufssoldat und derzeit als Studien- und Berufsberater im Karrierecenter der Bundeswehr tätig. Er gehört dem CSU-Ortsverband Ebelsbach seit 2007 an, seit fünf Jahren ist er dessen Ortsvorsitzender sowie Kreisvorsitzender des Außen- und Sicherheitspolitischen Arbeitskreises der CSU. Im Gemeinderat sitzt Roland Metzner seit 2014. Er engagiert sich ehrenamtlich unter anderem in der Leichtathletik-Abteilung des SV Rapid, in der Pfarrei St. Maria Magdalena und bei der Lebenshilfe in Bamberg. Roland Metzner kandidiert zudem für den Kreistag, bei der CSU steht er auf Listenplatz 17.
    Der SPD-Kandidat
    Martin Horn
    Martin Horn Foto: Sarah Riedl
    Martin Horn (SPD) ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat vier Kinder. Der gelernte Maschinenschlosser ist seit 1997 im Ebelsbacher Bauhof tätig, mittlerweile ist er dessen Leiter. Er sitzt seit 2014 für die SDP, deren Ortsvereinsvorsitzender er ist, im Gemeinderat. Sofort übertrugen ihm seine Ratskollegen das Amt des Zweiten Bürgermeisters. Sein ehrenamtliches Engagement in seinem Geburtsort begann im Alter von 16 Jahren mit dem Eintritt in die Feuerwehr. Zehn Jahre war er Kommandant, seit 2004 hat er das Amt des Kreisbrandmeisters für die Gemeinden der VG Ebelsbach und der Stadt Zeil übernommen. Er ist Vorstandsmitglied im Stiftungsrat der Schlosskapellenstiftung Ebelsbach und in einigen weiteren Ortsvereinen Mitglied. Martin Horn kandidiert zudem für den Kreistag, bei der SPD steht er auf Listenplatz 16.
    Der BNL-Kandidat
    Andreas Hoch
    Andreas Hoch Foto: BNL
    Andreas Hoch (Bürgernahe Liste/BNL) ist 32 Jahre alt, ledig und hat einen Sohn. Das Studium des Wirtschaftsingenieurwesens mit dem Schwerpunkt Maschinenbau schloss er als Diplom-Ingenieur ab, er arbeitet nun für einen Technischen Prüfdienst. In die BNL, deren Vorsitzender er ist, trat er mit 16 Jahren ein, in den Gemeinderat rückte er im Jahre 2012 nach. Zwei Jahre später wurde er wiedergewählt, er trägt seitdem als Dritter Bürgermeister Verantwortung. Andreas Hoch engagierte sich zudem früh in der kirchlichen Jugendarbeit, als Erwachsener wählten ihn die Katholiken in den Pfarrgemeinderat. Ebenfalls seit seiner Jugend ist er bei der Feuerwehr aktiv und Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Neben seinen Mitgliedschaften in mehreren Ortsvereinen ist er im Vorstand des Trägervereins des katholischen Kindergartens. Andreas Hoch kandidiert zudem für den Kreistag, bei den Freien Wählern steht er auf Listenplatz 9.
    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Haßberge-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!