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    Knetzgau

    Westheim: Gemeinderat brät Bauherrn eine dicke Extrawurst

    Nach Ja am Knetzgauer Ratstisch muss nun das Landratsamt entscheiden, ob Antragsteller sein Wohnhaus gegen die Bauvorschriften aufstocken darf.
    Wenn in einem Baugebiet nur zwei Vollgeschosse zulässig sind, darf es dann für einen Antragsteller eine Ausnahme geben, ein weiteres Geschoss aufzustocken? Ja, sagt der Gemeinderat Knetzgau. Das letzte Wort hat aber das Landratsamt. Foto: Thomas Obermeier

    Was macht Gemeinderatssitzungen aus? Wollte man diese Frage anhand typischer Tagesordnungspunkte beantworten, stünde dieser wohl ganz oben: Ein Bürger möchte, dass für den Bau oder die Umgestaltung seines Eigenheims geltende Bauvorschriften ausgehebelt werden und will dafür das Plazet der Kommunalpolitiker. Genau so ein Anliegen war Anlass der allerletzten Diskussionen bei den Knetzgauer Ratsitzungen 2019 - zumindest im öffentlichen Teil.

    In der Ortschaft Westheim möchte eine Privatperson ihr bestehendes Wohnhaus aufstocken. Das Gebäude besteht aus Erdgeschoss und Dachgeschoss, mehr erlaut der Bebauungsplan auch nicht. Die Verwaltung mit Bürgermeister Stefan Paulus (SPD, Christliche Wählergemeinschaft - CWG) an der Spitze plädierte mit Verweis auf die gültigen Spielregeln dafür, den Antrag auf ein drittes Vollgeschoss abzulehnen. "Wir sind der Meinung, dass das nicht genehmigungsfähig ist", sagte Paulus.

    Entscheidung nicht vorwegnehmen

    Damit setzte sich der Rathauschef aber nicht durch. Aus den Reihen seiner Räte musste sich Paulus anhören, dass die Aufstockung des Hauses niemandem die Sicht nehme oder sonstwie störe. Es ist zwar das Landratsamt, das in letzter Konsequenz über den Bauantrag befindet. Aber Michael Melber (CSU) wollte zumindest die Entscheidung der Behörde nicht vorwegnehmen: "Wenn wir das ablehnen, wird es das Landratsamt auch ablehnen", war sich Melber sicher. Auch von der jüngeren Generation war die Rede, die mit ins Elternhaus ziehen wolle und der die Lokalpolitik nicht die Möglichkeit verbauen dürfe, sich im Heimatort niederzulassen.

    Mit einer kritischen Stimme meldete sich hingegen Bernhard Jilke (FDP/Freie Bürger) zu Wort: "Wir dürfen nicht den Fehler machen, hier nach dem Nasenfaktor zu verfahren", sagte der Zweite Bürgermeister. Es handelt sich bei den Bauwilligen nämlich um eine bekannte und angesehene Familie. Jilke sprach sich dafür aus, statt Ausnahmen für Einzelne zu gestatten, den Bebauungsplan insgesamt auf den Prüfstand zu stellen. Dem pflichtete Robert Beetz (CWG) bei, der noch einmal darauf aufmerksam machte, dass es sich bei einer Aufstockung nicht um eine Kleinigkeit, sondern einen gravierenden Eingriff in den Bebauungsplan handelt. Das Ratsgremium indes überstimmte die Kritiker, so dass das Bauvorhaben nun mit gemeindlicher Befürwortung an das Landratsamt weitergeleitet wird.

    Künftig: Jeden zweiten Montag im Monat

    In der letzten öffentlichen Abstimmung des zu Ende gehenden Jahres einigten sich Räte, Bürgermeister und Verwaltung dann auf die Regel, dass die Ratssitzungen ab kommenden Jahr immer am zweiten Montag im Monat stattfinden und bei Feiertagen oder sonstigen dringenden Anlässen um eine Woche verschoben werden. Hier hatte es im Vorfeld Kritik an den Planungen von Bürgermeister Paulus gegeben, der zusicherte,  Terminänderungen in Zukunft zwei Wochen vorher bekannt zu geben.

    "Wir haben Ideen und Visionen"

    Mit Blick auf das kommende Jahr stellte das Gemeindeoberhaupt fest: "Die Finanzen unserer Gemeinde sind geordnet und wir haben Ideen und Visionen." Beides dürfte den an der Lokalpolitik Interessierten in Knetzgau aber sowieso bekannt sein: So will Knetzgau 2020 nicht nur den Skaterpark für die Landkreisjugend bauen, sondern in naher Zukunft auch neue Angebote in der Kurzzeit- und Tagespflege schaffen, nach der Verlagerung des Bauhofs dessen Areal samt dem leer stehenden Edeka-Markt städtebaulich neu in Wert setzen oder weitere große Schritte in Richtung des Main-Informationszentrums (MIZ) unternehmen, jenes Leuchtturmprojekts für ganz Nordbayern, das die Gemeinde initiiert hat und für das sie nun seit einigen Jahren kämpft.

    Filmische Reise in Knetzgaus Vergangenheit

    Ganz zum Schluss der allerletzten Ratssitzung des Jahres machte das Gremium aber keinen Ausflug in die Zukunft, sondern gut 50 Jahre zurück in Knetgaus Vergangenheit. Bürgermeister Paulus zeigte ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit gedachtes Filmmaterial, das sein Vater in den Jahren 1969 bis 1972 in der Gemeinde gedreht hat. Die Sequenzen von einst sind heute ein wichtiges historisches Dokument. Sie zeigen zum Beispiel die in Bau befindliche Schule, den längst beendeten Abbau von weißem Gold - sprich Gips - in Westheim oder auch nur das Schlittenfahren am Rennsteig während der Faschingstage. Bundesjugendspiele sind zu sehen, kurz taucht das Sägewerk Hohmann auf, das längst dem Coca-Cola-Werk gewichen ist,  auch das Hochwasser von 1970 zieht noch einmal am Betrachter vorüber.

    Der 20-Minuten-Film wird mittlerweile im Knetzgauer Archiv für die Nachwelt bewahrt. Bürgermeister Paulus zieht in Erwägung, ihn bei Bürgerversammlungen oder Seniorenkreisen vorzuführen.

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