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    HAßFURT

    Wie Fotokunst hilft, den Kopf frei zu bekommen

    Bilder zum Kunstprojekt „Schönheit im Wesen – Der Gott in Dir“ in der Heinrich-Thein-Berufsschule Haßfurt. Foto: Jessica Flemming

    Drei Tage lang fand an der Heinrich-Thein-Schule in Haßfurt ein interreligiöses Begegnungsprojekt mit der 11. Klasse der Berufsfachschule für Sozialpflege statt. Wie es in einer Pressemitteilung dazu heißt, handelte es sich dabei um ein Malerei-, Bodypaint- und Fotografieprojekt mit dem Künstler Marian Kretschmer aus Chemnitz im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Haßberge. Es sei initiiert worden von der Jugendsozialarbeit an Schulen in Trägerschaft des Bayerischen Roten Kreuzes. Der Schwerpunkt lag auf der Inklusion und Integration von Menschen aus unterschiedlichen Ethnien, Kulturen und Bildungshintergründen.

    Die Jugendlichen beschäftigten sich laut der Mitteilung zunächst mit verschiedenen literarischen Texten zu Lebenssituationen von Menschen und mit Bildbänden, in denen Fotografien aus verschiedenen Kunstepochen zu sehen waren. Im Anschluss sollten die Schüler über die entstandenen Gefühle sprechen und sie mit ihrer momentanen Befindlichkeit vergleichen. Danach durften die Teilnehmer eine Farbe wählen, die sinnbildlich ihren eigenen aktuellen Gemütszustand ausdrückte. Mit dieser Farbe bemalten sie ein Blatt Papier. Zudem sollten die „jungen Künstler“ einen Alltagsgegenstand finden, der ihre aktuelle emotionale Verfassung widerspiegelte.

    Am zweiten Tag fertigten die Schüler Handyfotos der ausgesuchten Symbole an und schrieben zehn Sätze, was ihr Foto ausdrücken soll. Wie es weiter in der Mitteilung heißt, wurden die Werke dann präsentiert und von den Mitschülern interpretiert.

    Die Sozialpädagogin Martina Meisch und Klassenlehrerin Gerti Schmalzl seien berührt gewesen von den wertschätzenden Haltungen, mit denen sich die Schüler begegneten. Die Empathie der Beteiligten für die jeweiligen Befindlichkeiten der Mitschüler wie Trauer, Wut, Schmerz, Angst, Schuld, Stärke, Stolz, Zufriedenheit, Liebe, Unsicherheit, Hoffnung und Verzweiflung und der gegenseitig gespendete Trost und Mut seien einzigartig gewesen. Im Anschluss seien die technischen Notwendigkeiten und Rahmenbedingungen für die Produktion der Fotografien besprochen und die Jugendlichen mit Übungen auf den nächsten Tag vorbereitet worden.

    Am nächsten Tag trafen sich die Schüler lange vor Unterrichtsbeginn für das Fotoshooting, wie es weiter in der Mitteilung heißt. Die Jugendlichen bemalten ihre Gesichter und Hände gegenseitig mit Bodypaintfarben. Mit einem farbigen Stofftuch wickelten sie sich ein und hielten ihr ausgewähltes Symbol in den Händen. Die Fotografin Jessica Flemming und Marian Kretschmer hielten diese Stimmung in Bildern fest.

    Das Künstlerteam, Gerti Schmalzl und Martina Meisch, seien begeistert gewesen von den Ergebnissen und den Prozessen, die die Teilnehmer angestoßen hatten. Haften geblieben sei die Begeisterung und die Erfahrung, dass man Gefühle über Kunst und ohne Sprache ausdrücken kann und darüber den „Kopf von den Problemen frei kriegen kann“, wie ein teilnehmender Asylbewerber erzählt habe. Man fühle sich gestärkt und ermutigt, in die Zukunft zu blicken, habe ein anderer geäußert. Andere Mitwirkende hätten sich gestärkt für ihr Leben gefühlt. Einige Teilnehmerinnen hätten für sich herausgefunden, dass man sich nicht verändern müsse, um schön zu sein oder gut auszusehen. (em)

    Die Ergebnisse des Projektes werden in einer Vernissage am 16. Januar in der Heinrich-Thein-Schule veröffentlicht und im Anschluss für die Öffentlichkeit im Mehrgenerationenhaus zugänglich sein. Abschließend werden die Bilder ihren Schöpfern zurückgegeben.

    Bearbeitet von Markus Erhard

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