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    Knetzgau

    Wie Koppitz bis Ende des Jahres der Wiederaufbau gelingt

    Jürgen Koppitz präsentiert ein Förderband seiner neuen Sortiermaschine. Bereits Ende dieses Jahres soll die Produktion wieder wie vor dem Brand anlaufen. Foto: Wolfgang Sandler

    Für alle möglichen Sachen gibt es Einträge ins Guinessbuch der Rekorde. Vielleicht hätte sich zum Jahresende auch der Knetzgauer Entsorgungsfachbetrieb Koppitz einen solchen verdient. Anfang Juli war in dem Unternehmen ein Feuer ausgebrochen. Eine Halle war den Flammen zum Opfer gefallen, eine weitere in Mitleidenschaft gezogen, dazu die dort werkelnden Maschinen. Der Schaden? "Rund zwölf Millionen Euro", sagt Jürgen Koppitz im Gespräch mit dieser Redaktion. Um Schäden in dieser Größenordnung zu beseitigen und den vorherigen Status quo wiederherzustellen, sei mindestens ein Zeitraum von einem Jahr erforderlich, urteilte die zuständige Versicherung. Bei der Firma Koppitz wird an diesem Montag mit dem Aufbau der neuen Sortieranlage begonnen, der Neubau der Halle soll noch in diesem Jahr fertiggestellt sein, der Betrieb noch vor dem Jahreswechsel wieder anlaufen.

    Wenn irgendwo eine Sirene zu hören ist, dann denkt man sofort, dass bei uns was los ist. Unser Medium brennt halt nun mal gut.
    Jürgen Koppitz

    Ein Entsorger, so Koppitz, lebe ständig mit der Angst, es könne irgendwo ein Brand ausbrechen. "Das ist bei uns schon seit zehn Jahren so. Wenn irgendwo eine Sirene zu hören ist, dann denkt man sofort, dass bei uns was los ist. Unser Medium brennt halt nun mal gut." Anfang Juli, als in seinem Betrieb das Feuer ausbrach, befand sich Jürgen Koppitz gerade auf der Fahrt in den Urlaub. Auf der Höhe von München meldete sich die Notfall-App auf seinem Smartphone. Damit stand fest, es ist etwas passiert im Unternehmen. Nach einem Anruf war alles klar, die Familie fuhr zurück Richtung brennender Betrieb. Das war's mit dem Urlaub. "Obwohl", so Koppitz, "selbst konnte ich gar nicht viel machen, denn wenn's brennt, übernimmt die Feuerwehr das Kommando."

    Niemand wurde verletzt

    Es gab zwei Umstände, die ihn auf dieser schweren Fahrt beruhigt haben, sagt Koppitz. Das sei zum einen der Umstand gewesen, dass niemand verletzt worden sei. "Die innerbetrieblichen Vorkehrungen hatten funktioniert, alle Leute waren rausgebracht worden, keiner ist wieder reingerannt. Es gab zwar ein paar leichte Rauchvergiftungen, aber vor größeren Personenschäden sind wir verschont geblieben, das ist das Wichtigste. Zum anderen wusste ich, dass wir eine Feuerwehr haben, auf die man sich verlassen kann." Es habe ja schon ab und an mal ein "Brändchen" im Betrieb gegeben, so Koppitz, und da habe die Feuerwehr stets ausgezeichnet gehandelt und den Zwischenfall immer schnell gelöscht.

    Koppitz nennt als Hauptursachen für Brände elektrische Störungen wie Kurzschlüsse in Leitungen, Brandstiftung, Blitzschlag und als immer größere Bedrohung Batterien und Akkus im Altpapier. Zum Beispiel seien in vielen Glückwunschkarten, die beim Öffnen eine Melodie dudeln, Batterien  eingebaut. "Wenn die beschädigt werden", erklärt Koppitz, "kann binnen Minuten ein Feuer ausbrechen." Als Beispiel erzählt der Unternehmer von einer E-Zigarette, die ein Fahrzeug auf dem Gelände verloren hatte und die von einem Lkw überrollt wurde. "Und schon stand sie lichterloh  in Flammen", so dass man die lodernde E-Zigarette erst nach mehreren Versuchen durch völliges Untertauchen habe löschen können.

    Wir haben rund 80 Beschäftigte - auch
    dafür ist ein Unternehmer verantwortlich
    Jürgen Koppitz

    Ihm sei schon zu diesem frühen Zeitpunkt der Katastrophe klar gewesen, dass er alles wiederaufbauen werde. "Ich bin zum einen zu jung, um zu sagen: Ich hör' auf. Und zudem haben wir rund 80 Leute beschäftigt, davon etwa 20 Alleinverdiener. Auch dafür ist man als Unternehmer verantwortlich." Zudem habe sein Hauptkunde, die Papierfabrik Palm in Eltmann, sofort signalisiert, dass man zusammen mit der Firma Koppitz weitermachen wolle. In der Zwischenzeit, bis der Betrieb Koppitz wieder mit der gewohnten Zuverlässigkeit und Qualität würde arbeiten können, musste Palm süddeutschlandweit versuchen, die Lieferungen aus Knetzgau zu kompensieren.

    Jürgen Koppitz (rechts) berät sich mit dem Arbeiter einer Fremdfirma, die am Wiederaufbau der abgebrannten Halle und der Maschinen beteiligt ist. Foto: Wolfgang Sandler

    Wer nun denkt, ein etwaiger Konkurrent habe die vorübergehende "Schwäche" von Koppitz ausnützen wollen, um dessen Marktposition einzunehmen, täuscht sich, so Jürgen Koppitz. Denn alle  Unternehmen, die derzeit in die Bresche gesprungen sind, würden ihre Anlagen bis über die Belastungsgrenze ausreizen, um die benötigten Kapazitäten sicherstellen zu können. Diese Firmen seien sehr daran interessiert, dass Koppitz möglichst schnell seine gewohnte Position wieder einnimmt. "Das ganze System in Deutschland  ist sehr eng miteinander verzahnt", so Jürgen Koppitz, "damit es reibungslos funktioniert."

    Da kommen zwei, drei Spezialisten,
    die nehmen den ganzen Laden auseinander
    Jürgen Koppitz

    Um den Wiederaufbau zu starten, sei zunächst die Klärung des Sachverhalts mit der Versicherung nötig gewesen. In dieser Phase werde von der Gesellschaft sehr sorgfältig geprüft - es geht schließlich um zwölf Millionen Euro -, ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten worden seien. "Da kommen zwei, drei Spezialisten", erläutert Koppitz, "die nehmen den ganzen Laden auseinander. Die haben sogar aus der Brandmeldeanlage den Datenträger ausgebaut - das ist wie eine Blackbox im Flugzeug -, um herauszufinden, wie der Brand und die Alarmierung verlaufen sind." Nach rund drei Wochen seien alle notwendigen Prüfungen abgeschlossen und Dokumente vorhanden gewesen, dann sei es etwas ruhiger geworden. "Aber erst einmal ist es heftig", blickt Jürgen Koppitz zurück.

    An der Sortiermaschine bauen zehn Hersteller

    Danach konnte endlich die Planung für den Neuaufbau beginnen. Ein Problem stellte die derzeit gute Auslastung der dafür benötigten Firmen dar. "Allein die Tatsache, dass wir über Jahrzehnte gute Beziehungen zu Geschäftspartnern, Baufirmen und Maschinenbauern aufgebaut haben, hat dabei geholfen." Die benötigten Aggregate kämen zum Teil sogar aus den USA. Für die Sortiermaschine würden etwa zehn unterschiedliche Hersteller benötigt. In Knetzgau werde ein Stahlbau vormontiert, "und darauf wird die Sortiermaschinen aus den verschiedenen Teilen zusammengesetzt wie aus einem Lego-Baukasten", verdeutlicht Jürgen Koppitz. Und damit wird am Montag begonnen. "Wenn alles optimal läuft", so Koppitz, "sind wir Ende des Jahres wieder einsatzfähig."

    Auch nach dem Brand wird Altpapier bei der Firma Koppitz angeliefert. Foto: Wolfgang Sandler

    "Es ist ja nicht so, dass alles abgebrannt war. Industrie- und Gewerbekunden konnten wir weiter entsorgen, darauf hatte der Brand keine Auswirkungen." Das übrige Papier habe man zum Teil in Ballen pressen und an andere Entsorger oder an einen anderen Palm-Standort mit anderen technischen Voraussetzungen liefern können.

    Die Halle wird drei bis vier Meter höher

    Der Betrieb werde im Große und Ganzen wieder so aufgebaut, wie er vorher war. "Natürlich mit den im Laufe der Jahre gewonnenen Erfahrungen, die mit berücksichtigt werden." Die neue Halle werde drei bis vier Meter höher. Die übrigen Dimensionen blieben unverändert. Wichtig sei auch gewesen, so Koppitz, dass das Landratsamt und die Gemeinde Knetzgau recht unbürokratisch geholfen hätten. So sei man nicht wie ein neuer Betrieb behandelt worden, sondern als Altanlage. Anderenfalls hätte man mindestens ein Jahr für das Genehmigungsverfahren gebraucht.

    Koppitz erwähnte in dem Zusammenhang auch den persönlichen Einsatz von Landrat Wilhelm Schneider und Bürgermeister Stefan Paulus, die sich dafür stark gemacht hätten. Koppitz lobte gleichzeitig die Arbeiter der am Aufbau beteiligten Firmen und ganz besonder seine eigenen Leute, ohne deren Engagement und Bereitschaft zu Zusatzschichten "das durchaus sportliche Ziel von einem halben Jahr bis zur Fertigstellung" niemals hätte erreicht werden können.

    Hier fiel die Halle den Flammen zum Opfer. Derzeit werden die Voraussetzungen für den Neubau einer entsprechenden Halle geschaffen. Foto: Wolfgang Sandler

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