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    Wie Schüler noch schnell den Wald und die Welt retten

    Mit Feuereifer und vollem Körpereinsatz pflanzten die Schüler der sechsten Klassen der Jacob-Curio-Realschule Hofheim unter Anleitung von Forstanwärterin Sarah Steinbrück im Hofheimer Stadtwald heimische Laubbäume. Foto: Gudrun Klopf

    Mit beiden Füßen hüpft Amelie auf den Spaten. Ganz schön anstrengend, so ein Pflanzloch auszuheben. Leonie und Aline knien am Waldboden und räumen mit den Händen die Erde beiseite. Vorsichtig setzen sie eine junge Rotbuche ein. Die Wurzeln sorgfältig mit Erde bedecken, festtreten. Noch kurz vorsichtig am Bäumchen ziehen, ob es auch gut in der Erde sitzt – fertig. Mit dem Spatenstiel messen die Mädchen den richtigen Abstand zum nächsten Pflanzloch ab – und weiter geht's.

    Mit vollem Körpereinsatz

    Mit vollem Körpereinsatz machen die Schüler der beiden sechsten Klassen der Jacob-Curio-Realschule Hofheim den Wald fit für den Klimawandel. Der Nieselregen und die kühle Temperatur mindern den Feuereifer nicht, mit dem sich die Schüler in die Arbeit stürzen. Sarah Steinbrück ist an diesem Vormittag überall gefragt. Sie gibt Tipps, nimmt selbst den Spaten in die Hand, wenn das Blatt partout nicht in die harte Erde will. Rückt immer wieder die Linien gerade, in denen die jungen Bäume gepflanzt werden sollen. „Für das Kinderauge ist es offensichtlich schwer, in einer geraden Linie zu bleiben“, stellt sie fest, dass die Markierungsstäbe nicht ausreichen. „Beim nächsten Mal spanne ich eine Schnur.“

    Sarah Steinbrück ist Forstanwärterin beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Nach dem Studium der Forstwirtschaft absolviert sie gerade ihre Vorbereitungszeit auf den Staatsdienst bei Förster Bernhard Streck im Forstrevier Hofheim. Sie hat das Waldumbauprojekt geplant. „2018 war ein Extremjahr für den Wald – Stürme im Winter, lang anhaltende Trockenheit mit heißen Temperaturen im Sommer, zu wenig Niederschläge“, erläutert Steinbrück die Hintergründe des Projektes.

    Folgen für den Wald

    Welche Folgen das für den Wald hat, wissen die Schüler genau. „Die Borkenkäfer mögen die Wärme und haben sich extrem vermehrt“, sagt Aline. „Die Käfer bohren sich in den Baum und fressen Rillen rein. Dadurch können die Nährstoffe und das Wasser im Baum nicht mehr fließen“, steuert Leonie ihr Wissen bei. „Und weil die Bäume wegen der Trockenheit sowieso schon zu wenig Wasser hatten, konnten sie sich nicht mehr wehren und starben“, fügt Amelie hinzu.

    Die Elfjährige kann sogar mit Detailwissen aufwarten: „Der Kupferstecher geht in die Krone, der Buchdrucker in den Stamm. Die fressen sich gegenseitig nichts weg, aber für die Bäume ist es doppelt schlimm.“ Die heimischen Laubbäume, die sie heute pflanzen, werden das veränderte Klima hoffentlich besser vertragen, wünschen sich die Schüler. Denn: „Wir wollen später auch noch Wälder haben und nicht nur Teerstraßen.“ Es freut Sarah Steinbrück, dass die Schüler offensichtlich viel aus dem Unterricht mitgenommen haben.

    „Die Schüler sind sehr motiviert und wollen sich für ihre Heimat engagieren.“
    Johannes Leber, Biologielehrer

    Bevor es in den Wald ging, bereitete die Forstanwärterin die Schüler gründlich auf die Aktion vor. Wie sehen die Übeltäter und ihre Spuren aus? Mit dem Lupenglas wurden Käfer und Fraßspuren in Borkenstücken verglichen, bestimmt und Steckbriefe erstellt. Was Massenvermehrung bedeutet, führte Steinbrück den staunenden Schülern im Experiment mit Schokostreuseln vor. Wie man einen Baum pflanzt, wurde im Schulgarten geübt. Ihr Ziel sei es gewesen, die Kinder näher an den Wald zu bringen. Leider würden viele nicht mal mehr draußen spielen, bedauert Steinbrück. „Aber Kinder müssen die Natur anfassen können. Heute machen sie die Erfahrung, 'Wir haben aus eigener Kraft etwas bewirkt'.“

    Im Unterricht sei das Ökosystem Wald gerade Thema, da habe die Aktion sehr gut gepasst, sagt Biologielehrer Johannes Leber. „Das Projekt war pädagogisch sehr gut aufgearbeitet“, lobt er. „Die Schüler sind sehr motiviert und wollen sich für ihre Heimat engagieren.“

    Hofheims Bürgermeister Wolfgang Borst ist zusammen mit Andreas Linder, Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, an den Einsatzort im Hofheimer Stadtwald am Rennweg gekommen. Das Kreditinstitut wolle nachhaltige Projekte in der Region unterstützen und habe die Kosten für die Setzlinge und das Material in Höhe von 2500 Euro übernommen.

    „Wir haben massive Schädigungen im städtischen Wald“, sagt Borst. „Das Käferholz muss raus und wir müssen zügig klimaresistente Bäume nachsetzen.“ Der komplette Wald sei im Umbruch.

    Lernen fürs Leben

    Der Bürgermeister dankte Sarah Steinbrück und den Schülern für ihren Einsatz. Es seien die Kinder, die zukünftig mit den Klimaveränderungen klarkommen müssten. „Deshalb müssen sie jetzt schon lernen, auf die Natur aufzupassen und sich einzusetzen.“ Ideen dazu haben die Schüler parat: „Strom sparen, Plastik vermeiden, Fahrrad fahren“, sprudelt es aus ihnen heraus. Das Waldumbauprojekt scheint nicht nur für den Wald, sondern auch bei den Schülern nachhaltig zu wirken. So geht Lernen fürs Leben.

    Forstanwärterin Sarah Steinbrück verstand es, die Schüler der sechsten Klassen gut vorzubereiten und zu motivieren für das Waldumbauprojekt mit der Jacob-Curio-Realschule Hofheim. Foto: Gudrun Klopf

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