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    HAßFURT

    Wie die CSU das Haßfurter Rathaus zurückerobern will

    Volker Ortloff – hier mit Ehefrau Elke – wird als Bürgermeisterkandidat der CSU in Haßfurt bei der Kommunalwahl 2020 ins Rennen gehen.
    Volker Ortloff – hier mit Ehefrau Elke – wird als Bürgermeisterkandidat der CSU in Haßfurt bei der Kommunalwahl 2020 ins Rennen gehen. Foto: Laura Schraudner

    Sechs Jahre Haßfurter Rathaus ohne CSU-Bürgermeister sind genug, so die Meinung der Partei. Deshalb hat sie sich in einer Stadtversammlung der CSU-Ortsverbände am Dienstag vor einer Woche auf einen Kandidaten für die Kommunalwahl 2020 festgelegt. Die offizielle Nominierungsversammlung soll zwar erst im Herbst sein, es könnte also noch ein anderer Kandidat sein Interesse anmelden, aber die CSU-Granden aus Haßfurt und seinen Stadtteilen sind sich sicher. Volker Ortloff aus Sailershausen ist der richtige Mann, um Günther Werner im Rathaus abzulösen.

    Außer Volker Ortloff hatte sich noch Michael Spies aus Augsfeld zur Wahl gestellt, diese fiel jedoch deutlich zugunsten von Ortloff aus. Der neue Hoffnungsträger der Christsozialen ist 47 Jahre alt und in der Kreisstadt bislang noch nicht sehr in Erscheinung getreten, das heißt, er bekleidete noch kein politisches Amt. Dies sei ihm bisher nicht möglich gewesen, sagte Ortloff in der Stadtversammlung, in der er die Delegierten von sich überzeugte. Er ist von Beruf Oberstleutnant bei der Bundeswehr und dieser Beruf bringe es mit sich, dass der Soldat oft von zu Hause abwesend ist und sich deshalb in einen Stadtrat nicht so einbringen könnte, wie es seine Art ist, sagte Ortloff. „Wenn ich etwas mache, dann mit voller Leidenschaft und Einsatz, also richtig.“

    Vertrauen in Mitarbeiter

    Im Gespräch mit dieser Redaktion sieht Volker Ortloff dies aber nicht als Nachteil. Er war bis vergangenen Sommer Kommandeur eines Bataillons bei der Bundeswehr mit einer Stärke von rund 1400 Soldaten. „Die Komplexität der Stadtverwaltung ähnelt jedem Führungsstab der Bundeswehr. Je höher die Hierarchie, desto komplexer. Ich war unter anderem im Bundesministerium für Verteidigung eingesetzt, also auf ministerieller Ebene, genauso hatte ich selbst den Bataillonsstab ,unter mir'. Was hier wichtig ist, ist das Vertrauen in die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der jeweiligen Abteilungen. Das Fachwissen muss ich mir sicher aneignen, aber ich denke, das muss jeder in einer Führungsposition.“

    „Wenn ich eine Stadtverwaltung näher betrachte, dann ist diese im Grundsatz nicht anders gegliedert als ein Führungsstab bei der Bundeswehr. Es gibt unterschiedliche Abteilungen, Verantwortungsbereiche und Aufgabengebiete. So gibt es den Bereich Bauverwaltung, den Bereich Finanzverwaltung, die Hauptverwaltung mit Kultur- und Verkehrsamt, das Bürgerbüro. Dazu kommt bei uns in Haßfurt noch der wichtige Bereich der Energieversorgung mit der Städtische Betriebe GmbH und der Stadtwerk GmbH. Jeder Bereich hat einen Amtsleiter bzw. einen Geschäftsführer und dieser ist verantwortlich für seinen Bereich. Im Grunde eine hierarchische Organisation, ebenengerecht gegliedert, bei der der Bürgermeister am Ende die Verantwortung trägt. In vielen Stäben der Bundeswehr habe ich in solchen Strukturen in unterschiedlichen Verantwortlichkeiten gearbeitet. Entscheidungs- und auch Führungsfindungsprozesse kenne ich also sehr gut.“

    Ortloff stürzt sich nicht Hals über Kopf in ein Abenteuer. Er habe, so der Kandidat gegenüber dieser Redaktion, sich schon seit geraumer Zeit mit dem Gedanken einer Kandidatur befasst. „Das war eine länger andauernde Entscheidung. So etwas entscheide ich nicht ,von heute auf morgen'. Die Idee reifte in mir seit etwa eineinhalb Jahren, wo ich meine berufliche Energie gerne in der Heimat verwenden möchte. Meine gesammelte Kompetenz, verbunden mit meinem Alter – 47 Jahre – und der Motivation, etwas Neues zu wagen, lassen mich diesen Schritt tun.“

    Parallelen zwischen Bundeswehr und Stadtverwaltung

    Wobei er einige Parallelen in den Tätigkeiten als hoher Offizier und als Bürgermeister eines Mittelzentrums wie Haßfurt erkennt. Er kann aus seiner bisherigen Tätigkeit als Kommandeur und auch als Soldat, der im Ausland in Afghanistan im Einsatz war, nach eigener Auffassung einiges in die angestrebte neue Tätigkeit mitnehmen. „Es ist im Kern die ständige Präsenz und das ,Immer-Da-Sein' für seine Aufgabe, das heißt für den Bürgermeister seine Bürgerinnen und Bürger, für den Kommandeur seine Soldatinnen und Soldaten. Und es ist immer etwas los. Ich denke dass ich auch in lebhaften Zeiten bis hin zu Stress recht gut damit umgehen kann. Auch weniger populäre Entscheidungen müssen vernünftig erklärt und in der Umsetzung gelebt werden. Ich denke, ein Bürgermeister muss in gewisser Weise auch als Vorbild dienen können. Das kann man, denke ich, ganz gut vergleichen. Natürlich braucht jeder einen Ausgleich und glücklicherweise bin ich körperlich recht fit.“

    Optimistischer Herausforderer

    Körperlich fit und durchaus angriffslustig präsentiert sich der CSU-Kandidat, wenn er auf die Wahl zu sprechen kommt: „Ich denke, dass Günther Werner mit guten Argumenten und einem schlüssigen Konzept als Bürgermeister geschlagen werden kann! Das geht nur, wenn die CSU geschlossen gute Argumente findet und diese an der richtigen Stelle mit dem richtigen Ton und Gewicht anbringt. Ich habe zwar auch den Einzelkämpferlehrgang bei der Bundeswehr absolviert, aber ich möchte kein Einzelkämpfer während eines Wahlkampfes sein.“ Dieses Konzept entwickle er deshalb nicht alleine. „Dazu brauche ich die Wissensträger der CSU, die Stadträte, die Vorstände, die vielen hoch engagierten Ehrenamtlichen“, nimmt er die Partei aktiv mit ins Boot. „Das betrifft auch junge, wie lebensältere engagierte Mitglieder. Dazu braucht es zunächst einmal eine Wahlkampfstrategie, die entwickelt werden muss. Ich denke, dass die CSU viel Erfahrung in die Sachthemen und auch in das Ringen um die besseren Argumente einbringen kann.“

    Gegenspieler Günther Werner hatte Ende Februar seine Bereitschaft öffentlich gemacht, weitere sechs Jahre das Amt des Bürgermeisters auszuüben und „sein Werk zu vollenden“, wie diese Zeitung titelte. Wer den Zeitungsartikel gelesen habe, so Volker Ortloff vor der CSU-Stadtversammlung, „sieht aus meiner Sicht keine außergewöhnliche Bilanz. Vieles war schon geplant und eingeleitet und wurde nur fortgeführt – Beispiel: Umgehungsstraße, Kinderkrippen, Kultur.“

    Günther Werner hatte in seiner Erklärung eine Vielzahl von Aufgaben genannt, die zu bewältigen seien. „Die Aufgaben einer Stadt sind tatsächlich vielfältig“, so Ortloff dazu gegenüber dieser Redaktion. „Hier gilt es grundsätzlich einmal zu unterscheiden zwischen Pflichtaufgaben und freiwilligen Leistungen einer Stadt. Bei den freiwilligen Leistungen – zum Beispiel Schwimmbad etc. – besteht Gestaltungsspielraum im Rahmen von Finanzen und Dringlichkeit bzw. konzeptioneller Gestaltung. Wenn eine Stadt eine Idee hat, am besten im Einvernehmen mit den Bürgerinnen und Bürgern, dann ist es immer sinnvoll, ein abgestimmtes Konzept zu verfolgen. Ich denke, hier muss zunächst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht und dann in langen Zeiträumen eine Stadtentwicklung klug vorangebracht werden.“

    Allgemeinplätze wie „unsere Stadt muss familienfreundlich werden“ oder „es müssen ausreichend Parkplätze vorhanden sein“ würden für jede Kreisstadt in Bayern gelten und müssten nicht als persönliches Ziel eines Kandidaten genannt werden.

    "Gutes Führen"

    Stellvertretend für die vielen anderen nennt Ortloff drei Themenbereiche, die er gerne anpacken möchte. „Ich möchte die Entscheidungswege und Entscheidungsprozesse innerhalb der Stadtverwaltung anschauen, verstehen und – wo notwendig – steuernd eingreifen. Auch Synergien mit dem Landratsamt, geführt durch Wilhelm Schneider, lohnen sich, näher betrachtet zu werden.“ Bei vielen Themen, so Ortloff, könne das CSU-geführte Landratsamt mit der Stadt gemeinsam Entwicklungen und Ideen voranbringen. „Es geht auch darum, Leitbilder zu entwickeln, an denen sich die Arbeit innerhalb der Stadtverwaltung orientiert. ,Gutes Führen' ist hier das Stichwort. Das beinhaltet auch, dass – wo immer möglich – die richtigen Menschen am richtigen Platz sitzen und arbeiten.“

    Markenkern „Haßfurt“

    Ortloff möchte den Markenkern „Haßfurt“ weiterentwickeln. „Was ist Haßfurt überhaupt für eine Stadt im ländlichen Bereich, zwischen Schweinfurt und Bamberg gelegen, als Mittelzentrum mit 14 000 Einwohnern und seinen Stadtteilen? Haßfurt braucht nicht nur ein Markenzeichen im Schriftbild ,Haßfurt' mit dem ,schiefen ß', sondern einen überregionalen Markenkern, der sich am besten im Verbund mit Zeil, Königsberg, Hofheim und der Kreisstadt Haßfurt im Mittelpunkt gestalten lässt. Hier gilt es auch einen engen Schulterschluss mit dem Landratsamt herzustellen und zu halten.“

    Volker Ortloff möchte außerdem viele einzelne Probleme und Projekte, die den Stadtteilen auf den Nägeln brennen, thematisieren, angehen und vor allem erklären. Bauplätze und Baugebiete innerhalb der Stadtteile, Gestaltung des Mainufers, Bahnhofsgestaltung, Wohnungsleerstände in den Stadtteilen, Fahrradwegebau, allgemeine Infrastruktur wie zum Beispiel Bushaltestellen und vieles mehr. „Die Themen Ökologie und Umwelt als auch Energiegewinnung sowie Digitalisierung und Breitbandausbau sind Zukunftsthemen, bei denen Haßfurt als Kreisstadt mehr als nur eine Rolle spielen muss.“

    Regelmäßige Runde Tische

    Ortloff will „das Vereinsleben mindestens halten, wenn nicht noch stärken. Ohne die ehrenamtlichen Helfer liegt das Dorfleben lahm. Ich will regelmäßige Runde Tische als feste Bestandteile meiner Arbeit mit Firmenvertretern, Behördenleitern, Kirchen und sozialen Einrichtungen. Welche Bedingungen können geschaffen werden, damit Kurzzeitpflegeplätze entstehen können. Das ist keine primär kommunale Aufgabe, aber es ist ein Thema, das den Bürgerinnen und Bürgern wichtig ist“.

    Oder: „Stichwort Fachkräftesicherung. In welcher Branche ist Haßfurt stark und führend im Landkreis. Ich will meine Kenntnisse in der Erwachsenenbildung, was ich studiert habe, beim Fortschritt eines Technologie-Transferzentrums Kunststoff-Wellrohr in Haßfurt mit einbringen. Kurzum, Bedingungen schaffen, bei denen sich Firmen und Bildungseinrichtungen wohlfühlen.“

    Das Team ist gefordert

    Bei allem Optimismus und allen guten Ideen weiß der CSU-Kandidat aber genau, dass das Ziel der Partei nur erreicht werden kann, „wenn das Team CSU Haßfurt und Stadtteile hinter, neben und manchmal auch vor seinem Kandidaten steht“. In dem Zusammenhang lobt Ortloff die bislang „gute und hoffnungsvolle Zusammenarbeit“ mit der CSU-Ortsvorsitzenden von Haßfurt, Claudia Glückert. „Ich denke, dass durch die Koordination und Arbeit des CSU-Vorstands unter der Führung von Claudia Glückert ein hoch motivierter und schwungvoller Auftakt in das Wahlkampfjahr gelingt. Gerade weil ich ,von außen' komme, ich noch keinen Stallgeruch habe, kann ich mich mit all meiner Führungserfahrung kritisch und überzeugend auf alles und jeden einlassen und die richtigen Schlüsse ziehen.“

    Wenn die CSU nach sechs Jahren Pause wieder ins Rathaus einziehen und das Amt des Bürgermeisters zurückzuholen will, so Volker Ortloff selbstbewusst: „Das kann mit mir funktionieren.“

    Lesen Sie dazu auch unser Streiflicht: Ohne Stallgeruch für frischen Wind sorgen?

    Lebenslauf

    Alter 47 Jahre, Jahrgang 1971. Sohn von Wolfgang und Helene Ortloff: Vater ist Haßfurter (Elternhaus neben dem Herolds Beck), Lehrer von Beruf, Mutter ist Zeilerin, Arzthelferin. Zwei Geschwister;

    Aufgewachsen in der Zeiler Altstadt, später in Krum. Abitur 1992 in Haßfurt.

    Hobbys: Jagdschein seit 1992, Blasmusik (Klarinette) seit dem 10. Lebensjahr, unter anderem in Prappach, Kreuzbergkapelle, heute Musikkapelle Buch. Verheiratet mit Elke Ortloff. 2 + 2 Kinder (24, 23, 22, 15 Jahre). Seit 2001 wohnhaft in Sailershausen, alte Dorfschule hergerichtet.

    Dort eingebettet im Dorfleben als 1. Vorsitzender der KAB, 2. Vorsitzender des OGV, Mitglied im CSU-Ortsverband, Musiker, Jagd. Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München, Schwerpunkt Erwachsenenbildung und Betriebspädagogik.

    Stationiert bei der Bundeswehr in: Mellrichstadt, Munster, München (Studium), Hammelburg, Bonn (Ministerium), Koblenz (Schule), Bad Salzungen, Veitshöchheim.

    Auslandsaufenthalt Bundeswehr: Ein halbes Jahr in Kundus (Afghanistan).

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