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    Haßfurt

    Wie ein Drogendealer vor Gericht eine letzte Chance erhält

    Unter anderem wegen zwei Drogendelikten musste sich ein junger Mann in Haßfurt vor Gericht verantworten. Er stand unter Bewährung. Warum er doch nicht ins Gefängnis musste.
    Ein 20-jähriger Drogendealer aus dem Maintal kam am Montag am Amtsgericht Haßfurt noch mal mit einer Bewährungsstrafe davon.
    Ein 20-jähriger Drogendealer aus dem Maintal kam am Montag am Amtsgericht Haßfurt noch mal mit einer Bewährungsstrafe davon. Foto: René Ruprecht

    Nur "mit Bedenken" hat das Jugendschöffengericht laut Richter Martin Kober am Montag einen 20-jährigen Drogendealer aus dem Maintal noch einmal laufen lassen. Wegen zweier Drogendelikte und weil er während des Sander Weinfests im vergangenen Jahr mit einem Promille Alkohol intus Polizeibeamte übelst beleidigte und sich der Festnahme widersetzte, verurteilte ihn das Amtsgericht zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Diese setzte das Gericht für drei Jahre zur Bewährung aus. Als Auflage muss der 20-jährige Arbeiter 1000 Euro an den Jugendhilfefonds Haßberge berappen.

    Kokain oder Traubenzucker

    Im Urteil inbegriffen ist eine Bewährungsstrafe aus dem Jahr 2018. Damals wurde er verurteilt, weil in einer Diskothek in Hofheim trotz Hausverbots Security-Mitarbeiter beleidigt und bedroht und sich bei der Festnahme mit Tritten und Schlägen widersetzt hatte. Vor Gericht widersprach der Angeklagte dem Vorwurf, er habe acht Gramm Kokain von einem bereits verurteilten Drogendealer gekauft. Er habe nur ein halbes Gramm davon gekauft und es selbst konsumiert. Auf seinem Handy, das später von der Kripo Schweinfurt konfisziert wurde, fand sich nach Angabe des ermittelnden Kripo-Beamten ein Video mit mehreren Linien eines weißen Pulvers auf einem Tisch, das der Angeklagte mit der Nase aufzog, um sich danach zu schütteln. "Das war kein Kokain, sondern Traubenzucker", ließ der 20-Jährige auf der Anklagebank das Gericht wissen.

    Mit Drogengeld ins Kino

    Außerdem fanden Kripo-Beamte größere Tüten mit Anhaftungen von Marihuana, was auf größere Rauschgiftgeschäfte hindeutete. Zu einer Verurteilung reichte dies dem Gericht freilich nicht. Dafür lastete es dem Angeklagten ein weiteres Delikt an, das er selbst zugab. Demnach hatte er einem 17-jährigen Konsumenten angeboten, er könne ihm für 150 Euro 16 Gramm "Gras" besorgen. Das Geld sah der 17-Jährige nie wieder, da es der Angeklagte lieber in einen Kinobesuch mit seiner Freundin investierte. Seinen Aussetzer beim Sander Weinfest gab der Angeklagte ebenfalls zum Großteil zu.

    Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich schilderte die schwierige Kindheit des Angeklagten. Seine Eltern trennten sich, als er zwei Jahre alt war. Die Beziehung der Mutter zu ihrem zweiten Mann sei ebenfalls schwierig gewesen. Die Staatsanwältin sah keinen Spielraum mehr für eine Bewährungsstrafe, vor allem aufgrund der fünf Vorstrafen des Angeklagten. Sie forderte eine Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Verteidiger Christian Merkel verwies darauf, dass sein Mandant mittlerweile drogenfrei lebe und bald einen Arbeitsvertrag in der Tasche habe. Den könne er nicht erfüllen, "wenn man ihn für eineinhalb Jahre nach Ebrach schickt", argumentierte der Anwalt und forderte eine nochmalige Bewährungsstrafe, die das Gericht gewährte.

    Nächstes Mal ruft der Knast

    "Luft für eine erneute Verurteilung auf Bewährung ist nicht mehr vorhanden", belehrte der Vorsitzende, Richter Martin Kober, den Verurteilten und empfahl ihm "beim nächsten Mal gleich den Kulturbeutel packen und sich vom Freundeskreis verabschieden", wenn eine Gerichtsverhandlung ansteht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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