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    Sand am Main

    Wie ein Labor die Autoteile der Zukunft auf die Probe stellt

    Prototypen, die in den Labors und auf den Prüfständen von PID getestet werden, gehen Jahre später in Serie. Foto: PID

    Was hier genau getestet wird, ist geheim. In Sand am Main gibt es ein Unternehmen, das man als Frühwarnsystem für die Automobilindustrie bezeichnen kann. Das Firma "PID" testet Bauteile vor allem für Automobilzulieferer. In den Labors und auf den Prüfständen werden die Autoteile hohem Druck, salzigen Lösungen und wechselnden Temperaturen ausgesetzt. Auf die Probe gestellt werden Prototypen, die zwei bis drei Jahre später in Serie gehen sollen. In letzter Zeit hat sich etwas geändert: Immer weniger Benzinpumpen und immer mehr elektrische Antriebsmotoren finden sich unter den Prototypen auf den Prüfständen.

    Die Geschäftsführer (von links) Karl Huber, Bernhard Mahr und Rainer Mahr leiten PID. Foto: Jonas Keck

    Im Jahr 2000 gründeten Karl Huber und Rainer Mahr die Firma in einer Garage. Kurz darauf kam Bernhard Mahr hinzu. Alle drei kommen aus der technischen Richtung, begeistern sich für Maschinenbau. In der Anfangszeit boten sie vor allem Prüfdienstleistungen für Einspritztechnik von Verbrennungsmotoren an, weil sie darin eine Marktlücke entdeckten. "Mittlerweile spielen Antriebstechniken für Elektromobilität die Hauptrolle", sagt Geschäftsführer Rainer Mahr. In den letzten zwei Jahren stieg die Zahl der Mitarbeiter sprunghaft von zwölf auf 50 Mitarbeiter an, weshalb das Unternehmen mehr Fläche braucht. Hinzu kommt, dass die Testanlagen für elektrische Antriebe mehr Platz benötigen. Daher wurde das Werk nun vergrößert. 

    Zentrale Lage in Deutschland

    Ihrem Standort in Sand bleiben die Unternehmer treu und haben 15 Millionen Euro in die Erweiterung investiert. Die Brüder Rainer und Bernhard Mahr kommen aus der Gemeinde mit rund 3000 Einwohnern. "Wir sind heimatverbunden, spielen Blasmusik im Verein und sind im Gemeinderat tätig", sagt Rainer Mahr. Zudem liege der Ort ziemlich zentral in Deutschland. Die meisten Kunden können in zwei Stunden mit dem Auto erreicht werden. Darunter sind Bosch, Schaeffler, ZF Friedrichshafen, Brose und Continental die bekanntesten.

    In Sand am Main errichtete die Firma einen Neubau und steigerte die Zahl der Mitarbeiter deutlich. Foto: PID

    Doch genau diese ländliche Struktur kann auch ein Nachteil sein – wenn es um die Internetanbindung geht. "Wir verschicken Datenpakete abends um acht, damit morgens um acht die Leitungen wieder frei sind", schildert Karl Huber. Es seien auch schon Kunden mit dem USB-Stick vor der Tür gestanden, um Daten abzuholen. "Ob da in der Gemeinde jemand weiß, was das für uns zu bedeuten hat, ist fraglich", so Huber. Die Geschäftsführer bemängeln die fehlende Erfahrung in der Kommune beim Umgang mit den Unternehmen.

    Den Fachkräftemangel bekam das Unternehmen bislang nicht zu spüren. Firmen in Schweinfurt und Bamberg machen PID zwar Konkurrenz. Viele der heutigen Mitarbeiter seien vorher aber bei Konzernen in Großstädten gewesen, ehe sie sich nach der vertauten, ländlichen Struktur gesehnt hätten. Mit dem Wandel der Mobilität verändern sich auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Qualifizierte Berufsbilder im Bereich Elektrik und Software sind Bernhard Mahr zufolge in der Branche inzwischen gefragter als der klassische Maschinenbau.

    Rückrufaktionen sollen verhindert werden

    Feuchte, Staub, Steinschlag, Minustemperaturen und Salz vom Winterdienst – diesen Umwelteinflüssen müssen Bauteile im Auto standhalten. "In Österreich wird anderes Salz ausgefahren als in Deutschland", sagt Rainer Mahr. Dort sei das Salz wesentlich aggressiver. Solche scheinbaren Kleinigkeiten müssen sie in den Tests berücksichtigen, damit es für Autobauer nicht zu teuren Rückrufaktionen kommt.

    In speziellen Schränken werden Bauteile den extremen Bedingungen ausgesetzt. Foto: PID

    Auch bei den Kraftstoffen sind die Standards von Kontinent zu Kontinent sehr unterschiedlich. Während in Europa nur Ethanol beigemischt wird, findet man in China auch Methanol. "In Brasilien kann auch mal Zuckerrohrschnaps beigemischt sein", sagt Bernhard Mahr. "Überall ist es ein bisschen anders". 

    E-Mobilität baut Umsatzanteil aus

    Doch langfristig werden diese Kraftstoffe ohnehin an Bedeutung verlieren. "Der Verbrenner ist auf dem absteigenden Ast", sagt Rainer Mahr. "Das merkt man deutlich, weil wir immer zwei, drei Jahre vor der Markteinführung liegen."Das Pendel schlage ganz deutlich in Richtung E-Mobilität aus. Hätte sich PID nicht darauf eingelassen, hätte man spätesten jetzt ein Problem: Einst war das Continental-Werk in Rodung der Hauptauftraggeber. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Standort im Jahr 2024 geschlossen wird. 

    In diesem Geschäftsjahr wird die Elektromobilität bei PID der umsatzstärkste Bereich werden. Dennoch: "Benzin ist noch nicht tot", sagt Rainer Mahr. Autozulieferer entwickeln auch heute noch Einspirtzsysteme, wie zum Beispiel Benzinpumpen, die erst in ein paar Jahren in Serie gehen. Es gebe noch weitere Verbesserungspotential, um Verbrauch und Abgaswerte zu reduzieren. Rainer Mahr testet sie gerade und sagt: "Es ist vielleicht auch ein letztes Aufbäumen, um der elektrischen Fortbewegungsart Konkurrenz bieten zu können."

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