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    Eltmann

    Wie es beim VC Eltmann weitergeht

    Peter Knieling, Vorsitzender des VC Eltmann, in der leeren Georg-Schäfer-Sporthalle. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga wird die "Erste" dort nicht mehr spielen. Allerdings wird es weiterhin Volleyball in der Wallburgstadt geben.  Foto: Jochen Reitwiesner

    Die Heitec Volleys, die Herrenmanschaft des VC Eltmann, sind in die Erste Bundesliga aufgestiegen. Und doch wird in der Wallburgstadt keine einzige Partie ausgetragen. Das sieht Peter Knieling, der vor kurzem wiedergewählte Vorsitzende des VCE, mit gemischten Gefühlen. Aber er ist sich sicher, dass Eltmann eine Volleyballstadt bleiben wird – auch ohne Bundesliga. Denn der Verein sieht sich für die Zukunft bestens gerüstet. Weil er auf den Nachwuchs setzt.

    "Es ist ein zweischneidiges Schwert", sagt der 58-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion. Dabei blickt er schon etwas wehmütig über die leerstehende Georg-Schäfer-Sporthalle. "Wir hatten hier immer eine tolle Atmosphäre", blickt er auf die letzten Jahre in der Zweiten Bundesliga zurück. „Ich verstehe die Fans", kann er den teilweise vorherrschenden Unmut über den Umzug nach Bamberg nachvollziehen. "Ich habe mir auch mit dem Gedanken schwergetan", gibt er frank und frei zu. Denn gerade die Anhänger aus Eltmann hätten es sehr geschätzt, dass sie zu Fuß in den "Hangar" (so wurde die Spielstätte genannt) pilgern konnten und ohne schlechtes Gewissen ein, zwei Bier während der Partie trinken konnten. "Aber letztlich", sagt Knieling, "war Bamberg alternativlos".

    Bamberg ist billiger

    Da wären auf der einen Seite die hohen Anforderungen, die die Deutsche Volleyball-Bundesliga (VBL) an die Spielstätte stellt. Die wären in Eltmann nur mit hohem Kostenaufwand zu erfüllen gewesen: "Letzten Endes ist es billiger, in Bamberg zu spielen." Das sei aber nicht der einzige ausschlaggebende Punkt gewesen. Beispielsweise wird für Spielstätten in der Ersten Bundesliga eine Kapazität von mindestens 1000 Sitzplätzen erwartet. Das, so Knieling, wäre noch zu bewerkstelligen gewesen, die fehlenden 400 Plätze hätte eine mobile Tribüne (die aber erst gekauft werden müsste) abfedern können. Die hätte aber eine Menge Geld gekostet, und vor und nach jedem Spieltag auf- beziehungsweise abgebaut werden müssen. In der oberfränkischen Arena stellt sich dieses Problem nicht. In die passen laut Knieling 6200 Zuschauer.

    Die mobile Tribüne ist aber nicht der einzige logistische Aufwand, der hauptsächlich von Ehrenamtlichen für einen Bundesliga-Spieltag betrieben werden müsste. Die VBL schreibt einen Taraflex-Boden, der – für die Live-Übertragung im Internet oder für das Fernsehen wichtig – keine Fremdlinien aus anderen Sportarten enthält, vor. Der müsste zwei Tage lang in der Eltmanner Dreifachhalle liegen, denn die gegnerischen Teams haben vor den Partien das Recht auf Trainingseinheiten. "Wir haben alleine fünf Mittwoch-Spiele", denkt Knieling an den Spielplan. "Da würde mindestens zwei Tage der komplette Schulsport ausfallen, das macht kein Rektor mit", hat er auch hier Verständnis. Nächster Knackpunkt: Logischerweise könnten auch die anderen Eltmanner Vereine die Anlage an diesen Tagen nicht nutzen.

    Profisport ist nur schwer möglich

    Dass wirtschaftliche Gründe eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für Bamberg gespielt haben, leugnet Knieling ebenfalls nicht. "Wir reden hier immerhin von Profisport", der eben auch finanziert werden müsse. Der Etat für die Erstliga-Truppe liegt bei rund 600 000 Euro. "In Bamberg ist der Sponsorenpool größer. Das meiste Geld kommt nicht aus Eltmann, das muss man auch realistisch sehen."  Das war vor etlichen Jahren anders, als die Wallburgstadt schon einmal in der Beletage des deutschen Volleyballs spielte. "Da kann ich heute noch meinen Hut ziehen, was Karl Wagner investiert hat", erinnert er sich – was diesen Punkt angeht – gerne an die Zeit der SG Eschenbacher Eltmann zurück. Weniger gerne an das Ende der ersten Erstliga-Ära. Denn die endete 2009 mit einer Insolvenz des Vereins. Aber das ist für Knieling passé, er blickt lieber in die Zukunft.

    Mit ins Boot, oder besser gesagt mit in den Bus, möchte der VC Eltmann seine Fans auch in Bamberg holen. Dafür, verspricht, Knieling, wird ein Shuttle-Service eingerichtet. Auf Kosten der GmbH, die hinter den als "Heitec Volleys" firmierenden Bundesliga-Volleyballern steht, wohlgemerkt. "Ich hoffe sehr, dass das Angebot angenommen wird", sagt Knieling. "Sonst wird es wieder eingestampft."

    Befürchtungen, dass in Bamberg Geisterstimmung in einer leeren Halle herrscht, teilt der VC-Vorsitzende nicht. Er erinnert sich da an den Testballon in der 2. Liga, das unterfränkische Derby gegen Hammelburg: "Da waren 2300 Leute drin." Die Rückmeldungen, die er erhalten hat, seien positiver Natur gewesen: "Ich gehe davon aus, dass unser Zuschauerschnitt deutlich höher sein wird." Letzen Endes "wollen die Leute guten Volleyball sehen, und dann ist das egal wo". Gegen die Spitzenteams wie Berlin oder Friedrichshafen wäre ohnehin in Bamberg gespielt worden.

    Die Mannschaft hat Klasse

    Aus sportlicher Sicht ist Peter Knieling ebenfalls nicht bange. "Ich denke, wir haben genug Qualität, die Klasse zu halten. Ich glaube nicht, dass wir uns zu einer Fahrstuhlmannschaft entwickeln, im Gegenteil. Ich halte den Kader für stark genug, dass es für die Play-Offs reicht". Das würde mindestens Platz 8 bedeuten. Das erste Spiel übrigens wird gleich zu einem echten Gradmesser. Das steht nämlich am Samstag, 12. Oktober, auswärts beim deutschen Rekordmeister VfB Friedrichshafen an. Augenzwinkernd meint Knlieling dazu: "Als Aufsteiger kannst du da nur gewinnen."

    In der Georg-Schäfer-Sporthalle wird es aber weiterhin Volleyball zu sehen geben. Nicht nur, weil die Heitec Volleys vor Ort trainieren. Mit dem VC Eltmann geht es logischerweise weiter, und Knieling hofft, dass es in eine Zukunft geht, in der der Nachwuchs die Hauptrolle einnimmt. Die Bundesliga-Mannschaft ist in eine GmbH ausgelagert, der Verein ist da nur mit einem geringen Teil beteiligt. Für den VC Eltmann ist künftig die "Zweite" das Aushängeschild. Die ist in der vergangenen Saison Meister in der Bayernliga geworden und gilt laut Knieling in der Regionalliga bereits als Aufstiegsanwärter. Er rechnet damit, dass der eine oder andere Akteur aus der letztjährigen Zweitliga-Meistermannschaft im Kader stehen wird, weil es aus persönlichen oder beruflichen Gründen nicht möglich ist, den Sport unter Profibedingungen auszuüben.  "Unser Ziel ist ganz klar, die Zweite Mannschaft in die Dritte Liga zu bringen", gibt der 58-Jährige das mittelfristige Ziel aus. Sozusagen als Unterbau für die Erste, wenngleich er zugibt, dass der Sprung zwei Klassen höher doch ein gewaltiger ist.

    Junge Spieler im Fokus

    Langfristig schwebt Peter Knieling eine Art Nachwuchs-Leistungszentrum in der Wallburgstadt vor. "Das geht natürlich nicht von heute auf morgen", sieht er das realistisch. Im Norden Bayerns klaffe da eine Lücke, die der VC Eltmann gerne schließen würde. "Wir werden verstärkt in die Schulen gehen, da sehen wir großes Potenzial." Drei Herren-Teams, eine Damenmannschaft und fünf Jugendteams seien einfach viel zu wenig für einen Erstligisten. Daher müsse die Nachwuchsarbeit intensiviert werden. Das werde sich der Verein ordentlich Geld kosten lassen, verspricht er. Als Vorbild stehen die Bamberger Basketballer Pate, die seit Jahren in diesem Bereich sehr aktiv sind.

    Es gehe dem Vorsitzenden persönlich nicht darum, auf "Biegen und Brechen Erfolg zu haben". Wichtig ist ihm, die Leute für den Sport, den er lebt und liebt, zu gewinnen. Und dann eben vielleicht auch dem einen oder anderen Talent aus der Region den Weg nach oben aufzuzeigen. Tabula rasa bei den Vereinen in der Region werde es unter ihm nicht geben, verspricht der VCE-Vorsitzende. Im Gegenteil: Mit den anderen Volleyballern habe Eltmann abseits der sportlichen Rivalität ein gutes Verhältnis. Rücksichtslos Spieler abwerben, "das gehört sich nicht, das mache ich nicht", betont er. Das Zusammenspiel unter den Volleyballern gerade im Nachwuchsbereich sei ein stetes Geben und Nehmen, bei dem er die Interessen der jungen Spieler in den Mittelpunkt rückt.

    Und vielleicht schafft es ja irgendwann eines der Talente, in die "Erste" aufzurücken. Das würde Knieling freuen. Künftig können die Fans des VCE und der Heitec Volleys den Werdegang der Spieler online besser verfolgen, verspricht der Vorsitzende. Denn auf der Vereins-Website geht es momentan ausschließlich um die "Erste". "Die anderen Mannschaften gehen da total unter." Auch da "müssen wir unbedingt etwas machen". Damit dann über Jahre hinaus der Aufstieg der Talente von unten nach oben auch im weltweiten Netz sichtbar wird.

    Mircea Peta (rechts) gehört zum Kader der Heitec Volleys. Er wird seine Angriffe künftig nur noch im Training in der Georg-Schäfer-Sporthalle präsentieren.   Foto: Franziska Prokein

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