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    Kreis Haßberge

    Wie sich Gartenfreunde auf den Klimawandel einstellen

    Durch saisonale Blütenmischungen finden Bienen auch im Spätsommer noch genügend Nahrung. Foto: Johanna Heim

    Mittlerweile sind immer häufiger Blumen zu sehen, die die Köpfe hängen lassen – nicht nur bei Blumensträußen, die ausgedient haben, sondern auch im heimischen Garten. Die aktuelle Hitze sowie die Trockenheit machen nicht nur dem Menschen sondern auch der unterfränkischen Flora und Fauna zu schaffen. Wie schlägt sich also der Garten in Zeiten des Klimawandels?

    "Die Sonne verbrennt die Pflanzen, sie bekommen Sonnenbrand – da reagieren sie genauso wie wir", erklärt Guntram Ulsamer, Geschäftsführer des Kreisverbandes für Gartenbau und Landschaftspflege Haßberge. Probleme durch die trockene, heiße Witterung bekommen aber nicht nur altbewährte Ziergewächse im heimischen Garten, wie der Rittersporn oder die Hortensie. Auch bestimmte Baumsorten in den Wäldern und in den Grünflächen des Landkreises sind betroffen. Vor allem junge Bäume, die vereinzelt an Straßenrändern gepflanzt werden, haben es schwer.

    Eine Kettenreaktion tritt in Gang

    "Die Stämme reißen auf, die Krone trocknet ein, denn der Asphalt strahlt zu viel Hitze ab.  Das ist tödlich für die Bäume", erklärt Ulsamer. Auch einige Gemüsesorten und Obstbäume haben zu kämpfen. Vor allem eine Obstsorte hat aktuell Probleme: "Gerade bei den Apfelbäumen sind die Früchte sehr klein, das Obst reift nicht richtig aus, fällt aber trotzdem ab. Da ist die Frucht geschmacklich auch nicht gut." Generell geht es Pflanzen, die flach wurzeln, schlechter als denen, die tief im Erdreich verwurzelt sind. Diese erreichen das Grundwasser besser. Ulsamer mahnt, dass es eben nicht nur auf die Hitze, sondern auch auf den Regen ankomme. "Auch ein Baum, der 100 Jahre steht und tief verwurzelt ist, kann plötzlich absterben, wenn das Grundwasser fehlt."

    Wer zukünftig also einen schön blühenden Garten mit Pflanzen möchte, die ein mediterranes Klima besser verkraften, dem empfiehlt Ulsamer Staudengewächse: "Diese Pflanzen haben kleine Blättchen und vertragen dementsprechend Trockenheit und Wärme besser." Trotzdem sind auch Pflanzen aus mediterranen Gefilden nicht ganz sicher vor dem fränkischen Klima. Der Grund: Einige davon vertragen den Frost im Winter nicht. Ist der Winter jedoch so mild, dass es mehr regnet als dass es schneit, treten noch ganz andere Probleme auf. Bestimmte Pflanzen, wie Zwiebelgewächse, benötigen eine Kälteperiode. Fällt diese weg, weiß die Pflanzenknolle nicht, wann sie im Frühjahr austreiben muss, und es kann sein, dass sie abstirbt. Und Pilzkrankheiten, die einen harten Winter nicht überlebt hätten, überdauern, wenn die kalte Jahreszeit zu warm ist. 

    Sie heißen Blütenzauber oder Schattengeflüster

    Eine Hilfestellung bei der Pflanzenauswahl bietet deswegen die Bayerische Landesanstalt für Garten und Weinbau in Veitshöchheim an. Dort wird ausprobiert, welche Pflanzen mit dem sich ändernden Klima gut zurechtkommen. Die Tests dafür finden in der Region statt. Daraufhin werden Versuchsmischungen mit unterschiedlichen Samen produziert, welche über regionale Gärtnereien vertrieben werden. Die Mischungen tragen den Namen "Blütenzauber" oder "Schattengeflüster". Sie verraten dadurch beispielsweise den empfohlenen Ort für die Aussaat und helfen auch Hobbygärtnern bei der Orientierung, die durch die hilfreiche Betitelung der Samenmixtur nicht jede Pflanze der Saatgutmischung kennen müssen.

    Die bunte Blütenmischung, unter anderem mit Petunien und Geranien, ist gut für Flora und Fauna des heimischen Gartens. Foto: Johanna Heim

    Auch die Gärtnerei Roth in Haßfurt bietet ähnliche, saisonale Pflanzenmischungen an. Zugute kommen die daraus entstehenden Pflanzen nicht nur der heimischen Flora, sondern auch der Fauna. Juniorchef Christian Roth erklärt: "Der Klimawandel betrifft auch die Bienen, denn wenn die Pflanzen schon im Februar austreiben, haben es die Bienen schwer, im Juni noch genügend Nahrung zu finden."

    Generell hat Roth einige Tipps für Gartenbesitzer: "Durch die richtige Gewächsauswahl und einen ordentlichen Pflanzenbestand aus Bäumen, Sträuchern und Bodendeckern wie Glockenblumen wird ein frisches Gartenklima geschaffen. Wer eine grüne Oase hat, hat das Klimaproblem im Garten eigentlich nicht." Das allein reiche aber nicht. Sorgen bereiten dem Juniorchef der Gärtnerei vor allem Steingärten, da dadurch eine besondere Hitze entstehe. "Das wirkt sich auf das gesamte Stadtklima aus, die kühlende Verdunstung von Bäumen und Hecken fehlt, es gibt dort keine Bäume die CO2 aufnehmen." Auch in der Gärtnerei macht sich der Klimaunterschied der letzten Jahre bemerkbar - und zwar bei den Kundenwünschen. Neben dem Verkaufsschlager Rose landen im Einkaufswagen immer öfter klimaresistentere Pflanzen.

    Juniorchef Christian Roth steht neben einem Judasbaum. Ein Baum, der im Gegensatz zu früher mittlerweile besser in Unterfranken wächst – dank mildem Winter. Foto: Johanna Heim

    Grundsätzlich gilt laut Roth noch die Regel: Je mehr Pflanzenvielfalt im Garten vorhanden ist, desto mehr Nützlinge sind da. Eben diese Nützlinge sind wichtig für die grüne Oase im Eigenheim. Ein Grund: Sie bekämpfen Schädlinge.

    Neue Schädlingsarten verursachen Probleme

    Denn nicht nur Pflanzen aus anderen Klimazonen etablieren sich in der Region - auch neue Schädlingsarten lassen sich nieder. So richten beispielsweise der Buchsbaumzünsler und die Kirschessigfliege, welche ursprünglich aus Südostasien stammen, auch in Unterfranken Schaden an. "Die Fliege sticht besonders gerne dunkle Früchte an. Diese kippen daraufhin um, werden also so sauer wie Essig", erläutert Ulsamer. Betroffen sind Brombeeren, Himbeeren, schwarze Johannisbeeren aber auch Trauben. Die einzige Lösung ist es, das Obst zu entsorgen.

    Auch die Gartenbauingenieurin Nadine Kirchner von Gartenbau Melchior aus Steinsfeld vertritt Ulsamers und Roths Meinung. Zusätzlich hoffe sie darauf, dass sich die Gartentrends der kommenden Jahre wieder mehr am Nutzen als am Aussehen der Pflanzen orientieren. Ihrer Ansicht nach müssen auch die Gemeinden der Region etwas gegen den Klimawandel im Garten unternehmen: "Die Gemeinden müssen strenger sein in Neubaugebieten hinsichtlich der Flächenversiegelung."

    Versiegelte Flächen heizen sich schnell auf

    Eine andere Meinung, wie der Klimawandel den regionalen Zier- und Nutzpflanzenbestand betrifft, vertritt Viktor Herzen, der zweite Vorsitzende der Kleingartensiedlung am Sterzelbach in Haßfurt. Eingerahmt von dichten, grünen Hecken und bunt bepflanzten Beeten befindet sich sein Reich, welches er seit 19 Jahren gepachtet hat. Bei Herzen im Garten wachsen Äpfel, Trauben und Gurken. "Heimische Gewächse wachsen immer noch gut. Wenn es trocken ist, brauchen die Pflanzen mehr Wasser. Aber wenn man die Pflanzen gießt, dann wachsen sie auch." Während in seinem Garten feuerrote Tomaten um die Wette strahlen, zieren prall gewachsene, dunkle Wassermelonen die Böden in manch angrenzendem Gartenabteil. "Da muss man aber schon wissen, wie man sich um die Pflanze kümmern muss. Die werden bei mir nichts", gibt der zweite Vorsitzende zu.

    Die Tomaten im Garten von Viktor Herzen gedeihen prächtig. Foto: Johanna Heim

    Genau wie Ulsamer hat aber auch Herzen ein Problemkind dieses Jahr: den Apfelbaum. Das rote Obst wachse in dieser Saison besonders schlecht, allerdings hinge das nicht mit der Hitze und der Trockenheit zusammen. "Der Ertrag wechselt einfach von Jahr zu Jahr," ist sich Herzen sicher.

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