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    Haßfurt

    Wie sich die politische Landschaft im Haßbergkreis verändert

    Die Landratskandidaten sprechen über Quereinsteiger mit großen Ambitionen, einen Mangel an Kandidaten und eine neue Partei mit radikalen Positionen.
    Politische Quereinsteiger auf der einen Seite, mangelnde Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, auf der anderen: Bei der Kommunalwahl am 15. März (Symbolbild) wird sich auch im Landkreis Haßberge einiges ändern. 
    Politische Quereinsteiger auf der einen Seite, mangelnde Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, auf der anderen: Bei der Kommunalwahl am 15. März (Symbolbild) wird sich auch im Landkreis Haßberge einiges ändern.  Foto: Lino Mirgeler, dpa

    Eine klassische Politikerkarriere beginnt relativ klein und bescheiden. Die meisten Politiker in Führungspositionen haben irgendwann mal für den Stadt- oder Gemeinderat kandidiert, bevor sie sich an einer Führungsposition versuchen. Vom Bürgermeister über den Landrat bis zur Bundeskanzlerin: Sie alle haben sich erst einmal hochgearbeitet, bis sie da waren, wo sie jetzt sind. Doch mittlerweile kommt es immer häufiger vor, dass politische Quereinsteiger sich nicht lange damit aufhalten, als einfaches Ratsmitglied Erfahrungen zu sammeln.

    So beispielsweise in Breitbrunn. Nachdem sich lange kein Nachfolger für Bürgermeisterin Gertrud Bühl fand, die nicht mehr kandidiert, hat nun Ruth Frank angekündigt, die Verantwortung zu übernehmen – ohne dass sie bisher politisch in Erscheinung getreten wäre. In Knetzgau gibt es mit Benjamin Schraven, der für die Grünen antritt, einen Anwärter auf das Bürgermeisteramt, dem bisher die politische Erfahrung fehlt, auch der Königsberger Bürgermeisterkandidat Gerhard Hölzer von der OHL war noch nie Stadtratsmitglied. Und die Haßfurter CSU setzt ihre Hoffnung in Volker Ortloff, der ebenfalls noch kein politisches Amt innehatte. Aber ist es klug, wenn jemand ohne Vorkenntnisse gleich für den Chefposten kandidiert?

    Beide haben Erfahrung gesammelt

    "Das muss jeder für sich selbst entscheiden", sagt SPD-Landratskandidat Wolfgang Brühl. Allerdings sieht er die Gefahr, dass mancher Neuling gar nicht weiß, was mit einem solchen Amt auf ihn zukommt. Dabei verweist er auf einen weiteren Quereinsteiger: Oliver Kunkel, der ursprünglich angekündigt hatte, für die Grünen als Landrat zu kandidieren, seine Bewerbung aber wieder zurückzog. Wolfgang Brühl sieht darin auch einen Hinweis darauf, dass Kunkel gemerkt haben könnte, dass vieles nicht so einfach ist, wie er es sich ursprünglich vorgestellt hatte.

    Brühl selbst ist schon lange Mitglied im Stadtrat seiner Heimatstadt Eltmann sowie im Kreistag. Damit hat er ebenso den "klassischen Weg" genommen wie CSU-Amtsinhaber Wilhelm Schneider. Der war zuletzt Bürgermeister von Maroldsweisach, bevor er ins Landratsamt wechselte."Ich habe meine Erfahrung gesammelt", sagt er. "Ich war vorher Bürgermeister und Kreisrat. Es dauert schon eine gewisse Zeit, sich in die Materie einzuarbeiten."

    "Am Ende entscheidet der Wähler"

    Wilhelm Schneider (CSU) hat als Politiker viel Erfahrung gesammelt.
    Wilhelm Schneider (CSU) hat als Politiker viel Erfahrung gesammelt. Foto: Jochen Reitwiesner

    Dennoch betonen beide, dass sie keinen Kandidaten von vorneherein ausschließen wollen. Wolfgang Brühl meint auch, dass ein politischer Neuling zur Pluralität beitrage. Wilhelm Schneider warnt allerdings: "Wenn ein Quereinsteiger kommt, tut er sich möglicherweise am Anfang schwerer." Die Wähler müssten also bereit sein, einem solchen Kandidaten eine längere Einarbeitungszeit zu lassen als einem erfahrenen Politiker. Doch Schneider und Brühl sind sich trotzdem einig: "Am Ende entscheidet der Wähler."

    Wolfgang Brühl spricht in diesem Zusammenhang noch einen weiteren Punkt an, in dem sich die Kommunalpolitik im Wandel befindet: Für viele Parteien wird es immer schwieriger, Kandidaten zu finden. Schon allein deshalb sei es sinnvoll, auch einmal das Experiment mit Quereinsteigern zu wagen.

    Ein AfD-freier Landkreis?

    In einem anderen Punkt kann sich der Landkreis Haßberge nach der Einschätzung beider Landratskandidaten durchaus glücklich schätzen: Weder auf Kreisebene noch in einer der Kommunen gibt es eine AfD-Liste. Zwar betonen Schneider und Brühl, sie beide hätten keine Angst vor der politischen Auseinandersetzung mit Vertretern der neuen Rechten. "Aber so eine Partei kann das Klima im Gremium vergiften", sagt Schneider. Bisher sei er es gewohnt, mit Demokraten zusammenzuarbeiten, die, auch wenn sie sich in der Sache nicht immer einig sind, doch sachlich diskutieren. "Die AfD verfolgt eine andere Strategie", sagt er. "Die gehen anders mit Menschen und Kollegen um, deswegen bin ich dankbar, dass wir AfD-frei sind, was diese Wahl betrifft."

    Dennoch betont er mit Blick auf die Ergebnisse, die die Rechtspopulisten in Bundestags-, Landtags- und Europawahlen im Haßbergkreis erzielt haben: "Das Wählerpotenzial wäre ja vorhanden. Das darf man auch nicht kleinreden." Auch rechtsradikale Straftaten würden manchmal im Polizeibericht auftauchen, doch es gebe keinen Schwerpunkt im Landkreis. Der Landrat betont in diesem Zusammenhang, wie wichtig es sei, die Demokratie zu stärken. "Das ist kein Selbstläufer", sagt er und hebt die Teilnahme des Landkreises am Bundesprogramms "Demokratie leben!" hervor.

    Diskussionen mit den Rechten

    Wolfgang Brühl (SPD) hat keine Angst vor Debatten mit der AfD.
    Wolfgang Brühl (SPD) hat keine Angst vor Debatten mit der AfD. Foto: Jochen Reitwiesner

    Herausforderer Wolfgang Brühl wirft der AfD auch vor, sich der Auseinandersetzung mit anderen Parteien nicht zu stellen. "Ich würde mich mit denen auseinandersetzen. Das Problem ist nur: Es ist ja keiner da. Mit wem soll ich denn diskutieren?" Auch er sei froh, dass dem Kreistag "diese Kultur, wie man sie aus manchen Parlamenten kennt", erspart bleibe. "Auch bei noch so großer Zurückhaltung und Disziplin, die man sich dann auferlegt, würde das wahrscheinlich öfter mal eskalieren."

    An anderen Stellen habe er sich der Diskussion schon gestellt, nicht mit Vertretern der Partei, aber mit "vermeintlichen Sympathisanten und Wählern, die ja oft die gleichen plumpen Aussagen treffen". Auch wenn das anstrengend sei, sagt er, dass er in solchen Fällen schon sehr lange diskutiert habe. "Bei den Leuten selber weiß ich nicht, was es bringt", sagt Brühl, doch es gehe ja auch um die Außenwirkung.

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