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    SAND

    Wikinger und Piraten erobern Korbmachergemeinde

    Prof. Dr. Boris Dreyer hielt einen Vortrag zum Bau des römischen Bootes und beantwortete die vielen Fragen der Gäste. Ferner nutzte er die Zeit für die eine oder andere kosmetische Reparatur. Foto: Mark Werner

    Anlässlich der 880-jährigen Ersterwähnung von Sand am Main hat der Keltenverein „Brennos Freunde“ am vergangenen Wochenende zu einem historischen Fest rund um die Schifffahrtsgeschichte in Sand eingeladen. Das geht aus einer von Mark Werner versandten Pressemitteilung hervor. Unter dem Motto „Die Geschichte der Seefahrt vom Main bis zum Meer“ habe der Veranstalter zahlreiche Attraktionen präsentiert, die von vielen Besuchern bestaunt worden seien.

    Wie der Schriftführer von „Brennos Freunde“ wissen lässt, hätten Wikinger am Altmain ein Lager aufgeschlagen und ein Boot zu Wasser gelassen, das einem Drachenschiff nachempfunden war. Weiter schreibt er: „Die Gäste konnten nicht nur alte Handwerkstechniken bestaunen und sich im Bogenschießen üben, sondern bekamen auch Römer zu sehen, wie man sie nicht typischerweise vor Augen hat. Es waren nämlich unter anderem ein römischer Steuereintreiber und ein Truppenarzt, die mit anschaulichen Geräten den hohen Stand antiken Finanzwesens und antiker Medizin vorstellten.“.

    Aufgrund archäologischer Funde wisse man beispielsweise, dass multifunktionale Taschenmesser schon lange in Gebrauch waren, bevor es die Schweiz überhaupt gegeben habe.

    Am Weingut A & E Rippstein konnten es sich die Gäste laut der Pressemitteilung an den edlen Tropfen aus der dortigen Kellerei, am Festbier der Brauerei Göller und an Hochprozentigem aus dem Weinhaus Schaffner laben. Neben den üblichen Speisen habe es auch zahlreiche Fischgerichte, die vor Ort aus einem Räucherofen zum Verzehr angeboten wurden, gegeben.

    Die Besucher waren laut Mark Werner meist überrascht, was es hier alles zu sehen gab. In der historischen Scheune seien rund 50 handgemachte Schiffsmodelle ausgestellt worden, die Elmar Rippstein seit Jahrzehnten in unzähligen Stunden erworben und renoviert habe. Kaum ein Sander habe bislang von seiner Leidenschaft gewusst, denn zumeist treffe man ihn in den Weinbergen an. Zu betrachten seien antike Galeeren, mittelalterliche Koggen und Karavellen bis hin zu den berühmten Schiffen der Entdecker und Seeräuber gewesen.

    Die Geschichte der Flößer

    Mark Werner teilt weiterhin mit: „Der Verein für Heimatfreunde Eltmann war mit Willi Lediger und Matthias Römmelt auch an beiden Tagen vertreten und hatte Modelle aus der heimischen Flößergeschichte dabei. Der Schiffer- und Fischerverein aus Knetzgau unter Reinhold Mergenthaler erinnerte daran, dass auch der Schiffbau für die Flussschifffahrt im Landkreis einst heimisch war. Dies war auch anhand von zwei original Schelchen unübersehbar. Der Historische Verein Landkreis Haßberge präsentierte die Flussgeschichte des vorgeschichtlichen Mains. Anhand von archäologischen Fundstücken und Infotafeln konnte man sehen, dass das Maintal noch im Mittelalter eine belebtere Siedlungslandschaft hatte, wie es in vielen Chroniken dargestellt wird“.

    Im Freigelände habe es neben „Piraten verhauen“, lebendiger Korbmacherei von Stefan Rippstein und einem halbernst gemeinten Modell der „Dicktanic“ von Jürgen Klauer eine weitere Hauptattraktion zu bestaunen gegeben. Durch Mithilfe des Historischen Vereins sei die Friedrich-Alexander Universität aus Erlangen mit einem originalgetreuen Nachbau eines römischen Patrouillenbootes angetreten. Unter der Leitung von Prof. Dr. Dreyer konnten sich die Besucher rund um die Geschichte und die Technik des Schiffes informieren, das mit seinen knapp 16 Metern Länge auf Basis archäologischer Funde rekonstruiert worden sei.

    Dass hierbei aber noch lange nicht alle Fragen geklärt sind, hätten die Besucher daran erkennen können, dass die Bemalung auf Wachsbasis in der sommerlichen Hitze teilweise Probleme bereitete. Die Römer hätten zwar die Zutaten ihrer Schiffsfarben überliefert, aber wenig zu Rezeptur und Verarbeitung verraten.

    An beiden Tagen habe Live-Musik bis in den späten Abend hinein für gute Laune bei mediterranen Temperaturen gesorgt. (jre)

    Über die Ausstellung zur Flussgeschichte freuen sich vom Historischen Verein Landkreis Haßberge (von links) Vorsitzender Wolfgang Jäger, Mark Werner und Dieter Reuther sowie Matthias Römmelt vom Verein für Heimatgeschichte Eltmann. Foto: Christa Jäger

    Bearbeitet von Jochen Reitwiesner

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