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    EBELSBACH

    „Wir halsen unseren Ebelsbachern Kosten und Ärger auf“

    Wohnraum und Bauplätze werden in Ebelsbach rar und gegenwärtig wird noch der Ahornweg erschlossen, an dem die meisten Bauplätze schon verkauft sind. Foto: Günther Geiling

    Die Aufstellung des neuen Bebauungsplanes „Am Herrenwald“ in Ebelsbach trifft anscheinend nicht uneingeschränkt auf Zustimmung. Diesen Eindruck gewann man bei der Vorstellung verschiedener Varianten durch das Planungsbüro Strunz im Gemeinderat. Zahlreiche Zuhörer verfolgten die Diskussionen, die insbesondere auf die Verschärfung der Verkehrssituation und Probleme mit der Abführung des Oberflächen- und Abwassers hinwiesen. Bei drei Gegenstimmen wurde dann doch der Beschluss gefasst, auf Grundlage der Variante IV einen Vorentwurf zu erarbeiten und dem Gemeinderat vorzulegen.

    Dipl.-Ing. Frank Schönfelder erinnerte die Räte eingangs an die Sitzung im Oktober 2018, als zwei Varianten vorgestellt wurden. Die Planung werde beeinflusst von der Örtlichkeit und hier sei es der Wunsch gewesen, noch einmal die komplette Erschließung mit beiden Verkehrsverbindungen aufzuzeigen. Die bereits vorhandene Länge des Baugebietes in seiner Ost-West-Ausrichtung würde aber über die Größe hinausreichen, die für ein Verfahren auf der Grundlage des Baugesetzbuches maßgeblich sei. Hier betrage die Obergrenze der aufzuplanenden Grundfläche 10 000 Quadratmeter. Daraus ergebe sich mit der höchstzulässigen Grundflächenzahl von 0,4 eine bebaubare Wohnbaufläche von rund 2,5 Hektar zuzüglich der Erschließungs- und Grünflächen.

    Außerdem komme man in eine Heckenstruktur als Biotop, die einen erhöhten Ausgleich bedinge, und man habe auch noch das Problem der Hochspannungsleitung, die zu rechtlichen Problemen führe und kein attraktives Bauen ermögliche. Ebenso komme man zu einer relativ bandartigen Anordnung des Baugebietes. Deshalb musste man rund 3000 qm Bauland wegnehmen, um unter die 10 000 qm Grundfläche zu kommen.

    Die Verkehrserschließung sei bei dieser 4. Variante die Hauptaufgabe gewesen. Dazu kamen ein Spielplatz, ein Aussichtspunkt mit Blick ins Maintal, Fußwege und Rückhaltungen, über die das anfallende Oberflächenwasser in das bestehende System eingeleitet werden könne. Auf diese Weise entstünden 36 Baurechte mit Grundstücksgrößen zwischen 500 und 800 qm. Diese könne man auch noch kleiner machen.

    Helmut Schöpplein (CSU) äußerte dazu seine Bedenken und sah Probleme im Verkehrsaufkommen in Gleisenau und der Schönbergstraße. Die Abwasserbeseitigung sei nicht gesichert, die Regenrückhaltung für das Oberflächenwasser zu gering und auch die Versorgung mit Trinkwasser werfe Fragen oder höhere Kosten auf. „Außerdem schaffen wir ein Neubaugebiet vorrangig für Zuzügler und halsen unseren Ebelsbachern Kosten und Ärger auf. Deswegen kann ich keiner Variante zustimmen.“ So könne man die Planung nicht sehen und wenn man in der Verantwortung stehe, könne man das so nicht stehen lassen, wandte Bürgermeister Walter Ziegler (BNL) ein. „Wir sind mit unseren Bauplätzen am Ende, obwohl wir noch private haben, aber die Eigentümer darauf sitzen. Für junge Familien müssen wir ein Angebot schaffen und wir sind in der Mainachse eine attraktive Wohnstätte, auch von Bamberg aus.“ Das Baugebiet sei schon im Flächennutzungsplan ausgewiesen und nun wolle man vernünftiges Bauland schaffen. Tobias Ziegler (BNL) ergänzte, dass schon jetzt der Wohnraum in Ebelsbach sehr knapp sei und es sich in der „Schwarzdornstraße“ doch bei zwei Dritteln der Bauherren um Ebelsbacher handele.

    Helmut Schöpplein wandte ein, er sei nicht gegen das Schaffen von Bauplätzen, dies sollte man aber nicht auf „Biegen und Brechen“ verwirklichen. Er hätte sich auch ein abgespecktes Konzept vorstellen können. So eine große Fläche auszuweisen (das gesamte Baugebiet „am Herrenwald“ könnte für rund 100 Bauplätze ausgelegt werden, die Red.), bedeute ein hohes Verkehrsaufkommen und auch der Klimawandel trage noch dazu bei, dass man so eine Dimension nicht einfach versiegeln und ableiten könne.

    Dipl.-Ing. Frank Schönfelder verwies auf die Machbarkeitsstudie, auch für die Entwässerung. Das Schmutzwasser aus den Häusern könne man vernachlässigen und das Regenwasser werde zurückgehalten und gepuffert. Damit werde die Menge des Regenwassers zeitlich verzögert und dann erst der Vorflut zugeführt. Hierzu gebe es gesetzliche Vorschriften und zu berechnende Abflussbeiwerte dürften nicht erhöht werden. Bei der jetzigen Planung habe man im Osten Regenrückhaltungen mit 256 Kubikmeter und 400 cbm und im Westen mit 360 cbm vorgesehen. Damit sorge man für eine ordnungsgemäße Entwässerung.

    Helmut Schöpplein sprach noch einmal die versiegelte Fläche von rund 15 000 qm an: „Ich kann es nicht glauben, dass diese Rückhaltungen ausreichend sind.“ Hedi Kraft (CSU) hatte Fragen zur Stromtrasse und ob es sinnvoll sei, dass hier einige Bauplätze durch eine Überquerung betroffen seien. Als Helmut Schöpplein noch einmal die Trinkwasserversorgung ansprach, ob die ausreichend sei oder man nachrüsten müsste, erklärte 2. Bürgermeister und Bauhofleiter Martin Horn (SPD), dass dies ausreichend sei. Im Moment müssten täglich für das betroffene Siedlungsgebiet von der Schule an der „Oberen Heuernte“, Langer Rain und Weingartenstraße 100 bis 120 cbm Wasser hochgepumpt werden.

    Der Gemeinderat beschloss dann zur Aufplanung eines Wohngebietes im Anschluss an den Bestand in der Schwarzdornstraße, Rotbuchenstraße und Haselnussstraße (Bebauungsplan Oberer Schönberg) die Aufstellung des Bebauungsplanes „am Herrenwald“ mit integriertem Grünplan. Damit werde der Bebauungsplan „Oberer Schönberg“ in Teilen geändert und die Variante IV in einen Vorentwurf übergeleitet. Dies wurde bei drei Gegenstimmen (aus der CSU-Fraktion) so beschlossen. Mit Christian Zehendner (CSU) und Martin Horn (SPD) waren zwei Mitglieder wegen persönlicher Beteiligung von der Beschlussfassung ausgeschlossen. Im Nachhinein kam dennoch Kritik aus den Reihen der CSU-Fraktion, dass man zu den neuen Varianten keine Tischvorlage hatte und auch Anregungen aus der letzten Sitzung nicht umgesetzt worden seien.

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