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    RÜGHEIM

    Wohlklang in perfekter Harmonie

    Umjubelt: Anna Sophie Dauenhauer und Lukas Maria Kuhn lieferten im Schüttbau in Rügheim Kammermusik in Vollendung. Foto: Elke Tober-Vogt

    Für das, was sich an diesem tief im Schnee versinkenden Sonntag im Rügheimer Schüttbau vollzog, ist es schwer, angemessene Worte zu finden: Im Rahmen der Meisterkonzerte durften die zahlreichen Besucher ein Konzert erleben, das an künstlerischer Qualität und Atmosphäre kaum zu überbieten ist. Mit der Geigerin Anna Sophie Dauenhauer und ihrem Kammermusikpartner, dem Pianisten Lukas Maria Kuen, gastierten zwei Künstler, die sowohl als Solisten wie auch als Kammermusiker international aktiv sind.

    Auf dem Programm standen nicht unbedingt die Standardwerke für diese Besetzung: Englische und französisch-belgische Werke spätromantischen, ja impressionistischen Charakters entführten in Sphären einer musikalischen Welt, die vielfältige Genüsse erlaubte. Vorbereitend hierzu war ein kleines Künstlerinterview geschaltet, mit dem der künstlerische Leiter der Meisterkonzerte, Andreas Weimer, Einblicke ins Leben von Berufsmusikern ermöglichte.

    So erfuhr man von der zufälligen Entdeckung der „Vier Skizzen“ von Philippe Gaubert durch Anna Sophie Dauenhauer in einem Antiquariat. Im Konzert schuf das Duo Dauenhauer-Kuen mit diesem Werk gleich zu Beginn eine traumverlorene Atmosphäre, in der man im von weichem Klavierton umschmeichelten, satten und warmen Geigenton baden konnte. Wasserglitzern, sanftes Wellenschaukeln, auch gewaltiges Stürmen oder ein lebhaftes Jagdgeschehen konnten vor dem inneren Auge entstehen, perfekt harmonierten die beiden Musiker, schufen reinsten Wohlklang und zwangen mit ihrer Intensität die Hörer in atemlos gespannte Stille.

    Fahle Schattierung gegen jubelnde Freude, lustvolle Üppigkeit, große Emotionen auch in den anderen Werken des Abends: Edward Elgars Sonate e-Moll op. 82 griff sich düster und zupackend Raum. Dauenhauer und Kuen erzählten hier eine beredte Geschichte, lieferten feinst abgestimmte kammermusikalische Ausgewogenheit, entwickelten schier unglaubliche dynamische Dimensionen, konnten sich aber auch kapriziös, kokett und verspielt präsentieren. Leidenschaft sprach aus der Interpretation, die einen weiten Bogen von ungeheurer Dichte und Spannung bis hin zu filigraner Durchsichtigkeit schlug.

    Schließlich César Francks Sonate A-Dur: Beide Interpreten konnten hier nochmals ihre ganze Klasse, Virtuosität und Souveränität ausspielen. Groß die Eröffnungsgeste, die den Eintritt in ein Werk ermöglichte, das hochdramatische und ergreifende Momente bietet. Ungeheurer Farbreichtum, perfekte Intonation, elegante Ton- und Anschlagskultur - auf den weiten Schwingen des Klangs ließen Dauenhauer-Kuen die faszinierten Besucher schweben, zelebrierten die Schlüsse, drückten ekstatische Wonne, aufwühlende Sehnsucht und strahlenden Triumph aus.

    Das war Kammermusik in Vollendung. Natürlich gab es Beifallsstürme, bevor eine sanfte Berceuse als Zugabe die Gemüter beruhigte und man in den Zauber einer Winternacht entlassen wurde. Elke Tober-Vogt

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