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    RÜGHEIM

    Wort zum Sonntag: Die Sünden werden durch den Glauben vergeben

    Jürgen Blechschmidt. Foto: Fertinger

    An vielen Orten wurde am vergangenen Montag wieder mit Laternenumzügen und Andachten der Sankt Martins-Tag gefeiert.

    Auch vor 536 Jahren war der 11. November schon Gedenktag des Heiligen Martin. In Eisleben, einer kleinen Stadt in Thüringen, ging an diesem Tag die Familie Luther in die dortige Petri-Kirche, um ihren kleinen Sohn taufen zu lassen, der am Tag vorher, am 10. November 1483 zur Welt gekommen war. Zur Ehre des Heiligen, an dessen Gedenktag die Taufe stattfand, gaben sie dem Buben den Namen Martin.

    Die Eltern waren stolz auf ihren Sohn, als er im Jahr 1501 sein Studium in Erfurt begann, um Jurist zu werden. Und dann enttäuscht, als er vier Jahre später ins Erfurter Augustiner-Kloster eintrat und Mönch wurde. Später, als er Pfarrer und Theologieprofessor an der Uni in Wittenberg war, verfolgten sie seinen Werdegang mit einer Mischung aus Freude und Sorge: Er war berühmt geworden, wurde aber vom Staat und von der Kirche wie ein Verbrecher behandelt.

    Der Grund dafür war, dass er eine der Grundwahrheiten der Bibel wiederentdeckt hatte, die in der Lehre der Kirche damals kaum mehr beachtet wurde: Die Erkenntnis, dass Gott sich uns Menschen gegenüber nicht wie ein gnadenloser Richter verhält, vor dem man Angst haben muss, sondern uns Menschen durch seinen Sohn Jesus Christus gnädig und barmherzig zugewandt ist, und uns liebt.

    Wir bekommen die Vergebung unserer Sünden von Gott „aus Gnade um Christi willen durch den Glauben“ geschenkt, stellten er und die anderen Reformatoren fest.

    Oder, wie der Apostel Paulus es in seinem Brief an die Gemeinde in Rom (Kapitel 3, Vers 24) ausdrückt: „Sie (= die Menschen, die an Jesus Christus glauben) werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“

    Diese Wiederentdeckung Martin Luthers und die Tradition, die daraus entstanden ist, haben zur Entstehung der evangelischen Kirche geführt.

    Die Kirche in Eisleben, in der Luther getauft wurde, ist heutzutage als Taufkirche mit einem großen Taufbecken ausgestaltet und auf alle Fälle einen Besuch wert.

    Von Jürgen Blechschmidt, evangelischer Dekan in Rügheim

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