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    HAßFURT

    Wort zum Sonntag: „Ja aber...“

    Gotthart Preiser. Foto: Rainer Müller

    Wahrscheinlich neigen wir alle dazu, bei vielem ein „Ja aber“ hinzuzufügen. Ein sehr gutes Essen, ja aber man hat so lange warten müssen. Ein schöner Ausflug, ja aber auf der Rückfahrt 20 Minuten im Stau gestanden. Ein so günstiges Angebot, ja aber der Farbton doch anders als auf dem Prospekt. Wir werden vielleicht zehn Jahre älter als unsere Eltern. Ja aber vielleicht kriegen wir dann Alzheimer.

    „Ja, aber“ ist nicht unbegründet. Es gibt so vieles, was der Freude ein Bein stellen kann. Und immer gibt es auch Menschen, die es nicht so gut mit einem meinen. Was uns vielfach stört, ist nicht Einbildung, sondern Realität, das „Ja aber“ durchaus berechtigt.

    Ja aber dieser pessimistische Blick macht uns auch selber irgendwie unglücklich, wenn wir immer ein Haar in jeder Suppe finden. Wer sich am liebsten immerzu beschweren möchte, beschwert am meisten sein eigenes Gemüt.

    Geht es nicht auch einmal umgekehrt? Es kommt auf den Blickwinkel an. Es stimmt, der Ausflug ist verregnet, ja aber wir hatten trotzdem eine tolle Stimmung. Der gewünschte Artikel war schon ausverkauft, ja aber das Ersatzstück war fast noch hübscher. Ärgerlich ist die Schramme am Kotflügel schon, ja aber es hätte doch viel schlimmer ausgehen können. Ich habe eine Aufgabe total in den Sand gesetzt, ja aber ich habe eine Menge aus meinen Fehlern gelernt. Wir haben uns heftig gestritten, ja aber der gefundene Kompromiss ist echt gut.

    Seine Jünger sollten bei Jesus den positiven Blick lernen, der über den augenblicklichen Kummer oder die Enttäuschung hinweg schaut. Er sagt auch „Ja aber“, allerdings in umgekehrter Richtung, zum Beispiel: „Eine Frau, wenn sie ein Kind gebiert, hat viel Angst und Schmerzen. Aber wenn das Kind da ist, hat sie ganz viel Freude und die Angst ist vergessen.“ Er sagt es als Protest des Glaubens gegen alle miese Stimmung und Hoffnungslosigkeit. Er sagt es nicht oberflächlich so optimistisch dahin, sondern durchaus im Wissen, wie ernst die Lage ist.

    Das Leben ist nicht ohne Schmerzen und Angst zu haben. Darüber hinwegkommen, das gilt für den kleinen Ärger des Alltags wie für die großen Bedrohungen unseres Lebens. Als Jesus sein Ende kommen sieht, öffnet er einen weiten Horizont: Ihr habt nun Traurigkeit, aber ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Er setzt sein „Ja aber“ gegen alle Sorgen und Zukunftsängste. Jetzt ist es uns anvertraut. Mal ausprobieren?

    Bearbeitet von Markus Erhard

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