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    HAßFURT

    Wort zum Sonntag: Lasst immer eine Brücke entstehen

    Wort zum Sonntag: Lasst immer eine Brücke entstehen
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    Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen, gib mir den Mut zum ersten Schritt“, so singen die Kinder einer meiner Religionsklassen der Grundschule zum Stundenbeginn. „Aus was sind diese Brücken – aus Holz oder aus Stein?“, meldet sich einer. Und der Nächste ruft dazwischen: „In Haßfurt wird gerade an der Main-Brücke gebaut! Die ist aus Stein.“ Ich muss innerlich lachen und frage nach: „Was für Brücken könnten das sein? Ich glaube nicht, dass die Brücken, von denen im Lied die Rede ist, aus Holz oder aus Stein gebaut sind!“ Und gemeinsam überlegen wir: Es gibt auch unsichtbare Brücken. Brücken von Mensch zu Mensch. Solche Brücken entstehen, wenn ich mit jemandem ins Gespräch komme und nachfrage, wie es gerade geht? Eine Brücke von Mensch zu Mensch entsteht auch, wenn ich nach einem Streit dem anderen die Hand reiche und um Verzeihung bitte. Oder wenn ich jemanden freundlich anlächle. Oder wenn ich jemandem helfe. Oder einen Besuch mache – so nach und nach fallen uns immer mehr „Brücken“ ein.

    Solche Brücken sind ein wichtiger Bestandteil unseres Zusammenlebens. Ohne diese zahlreichen zwischenmenschlichen Brücken wäre unser Leben arm und einsam. Doch manchmal werden aus Ärger und Enttäuschung auch Brücken abgebrochen. Jesus empfiehlt: „Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe“ (Joh 15,12). Die Liebe ist die tragfähigste Brücke, die wir zwischen Menschen kennen. So kann das Wort ,Liebe‘ auch eine Abkürzung sein für den Satz: Lass Immer Eine Brücke Entstehen. Manchmal kostet das tatsächlich Mut und braucht Zeit, aber Brücken, die aus Liebe errichtet wurden, sind sehr tragfähig.

    Zugleich verweist Jesus uns auf die Brücke, die er zwischen Gott und Mensch gebaut hat. Auch diese Brücke besteht aus Liebe. Doch der Brückenschlag hat ihn das Leben gekostet – den Tod am Kreuz. Daran erinnern wir uns in diesen Wochen der Passionszeit. Die Besonderheit der Brücke, die Jesus Christus zwischen Gott und Mensch errichtet hat, ist, dass sie für alle Ewigkeit hält und nicht zum Einsturz gebracht werden kann.

    Weil Gott ein Brückenbauer ist, sollen wir es auch sein. Jesus nachzufolgen bedeutet, immer wieder Brücken zu errichten und Verantwortung für ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft zu übernehmen. Unserer Fantasie ist hierbei keine Grenze gesetzt, wie die Brücke an dem Ort, an dem ich lebe, aussehen kann: aus Holz, aus Stein, aus Liebe oder aus… Foto: H. hOPPERDIETZEL

    Bearbeitet von Markus Erhard

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