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    Limbach

    Wort zum Wochenende: „Weil es sich lohnt, zu bleiben“

    Isabella Friedrich, Gemeindereferentin aus Limbach. Foto: Isabella Friedrich

    Am vergangenen Sonntag feierten die christlichen Kirchen das „Fest der Taufe Jesu“. In meiner Heimatgemeinde waren die Erstkommunionkinder eingeladen, ihre Taufkerzen an der Osterkerze zu entzünden. Das war für sie ein ganz besonderer Augenblick.

    Unsere Kirche lädt zu vielen solcher Momente ein, welche die Menschen auch im Jahr 2020 sehr berühren. Die Gottesdienste an Weihnachten waren in unserem Landkreis nach wie vor sehr gut besucht. Feierliche Messfeiern, Taufen, Trauungen und andere kirchliche Angebote sind ein Grund, warum viele der Kirche nicht den Rücken kehren.

    Umso mehr stimmt es mich zuversichtlich, dass in der vergangenen Zeit in den Medien nicht nur Berichte über die Motive derer zu lesen sind, die aus der Kirche austreten. Immer öfters begegnen uns die Meinungen von Gläubigen, die klar in Worte fassen, warum sie in der Kirche bleiben.

    Zunächst erkennen viele das Engagement der Kirche für unsere Gesellschaft an. Die Kirchen sind Träger zahlreicher sozialer und caritativer Einrichtungen. Kindergärten, Schulen, Pflegeheime, Beratungsstellen, Trauerbegleitung, Seelsorge in der eigenen Pfarrgemeinde und vieles mehr. Diese wichtigen Dienste könnte unser Staat alleine nicht leisten.

    Andere wieder erleben Menschen im kirchlichen Umfeld, die ihnen die Nächstenliebe Jesu greifbar machen. In Deutschland engagieren sich 1,7 Millionen Menschen ehrenamtlich in kirchlichen Einrichtungen. Ihre Arbeit motiviert, der Kirche weiterhin anzugehören.

    Ein weiteres Argument für die Gläubigen ist die Tradition. In einer Zeit des Wandels sehnen sich Menschen nach Beständigkeit. Das kann Kirche bieten, in von Kindheitstagen vertrauten Ritualen. Auch wenn sie den Gottesdienst nicht regelmäßig besuchen, empfinden viele Menschen die Kirche als ein Stück Heimat. Die klare, oft unbequeme Botschaft des Christentums ist vielen Gläubigen lieber als der unbeständige Markt an esoterischen Sinnangeboten.

    In unserem Landkreis gibt es zahlreiche Pilgergemeinschaften. Es werden immer mehr. Der Kreuzberg, Vierzehnheiligen, Gößweinstein, Maria Limbach und das Zeiler Käppele sind beliebte Pilgerziele. Trotz der Probleme, welche auch die Gläubigen in unserer Kirche sehen, finden viele darin einen Platz, der ihnen gut tut.

    Wir müssen nichts schönreden: Die Zahl der Kirchenaustritte hat ein Rekordniveau erreicht. Missbrauchsfälle, Zölibat, das kirchliche Frauenbild, die Reihe der Anfragen und Anklagen ist lang. Gut, dass wir in einer Zeit leben, in der sie klar benannt werden. Gut, dass die Kirche sich auf den Weg machen muss und macht.

    Ich selbst fühle mich in dieser Kirche gut aufgehoben, weil ich weiß, wer mich in seiner Kirche hält: Gott, der alles Leben liebt, mit dem, was gelingt, und dem, was wir besser machen müssen. Ihnen und mir wünsche ich weiterhin viel Energie dafür! Weil es sich lohnt. 

    Isabella Friedrich, Gemeindereferentin aus Limbach

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