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    NEUSCHLEICHACH

    Zünftiger Skispaß vor der Haustür

    Bei Familien mit Kindern ist der Röthenhang in Neuschleichach sehr beliebt. Gerhard Vogel (rechts) half schon Generationen von Kindern bei den ersten Schwüngen. Foto: Sabine Weinbeer

    Andauernder Schneefall verwandelt Teile Bayerns in eine Winterlandschaft. Am Münchner Flughafen hat der Schnee schon zu Chaos geführt. Und auch die Bahn meldet Probleme. Im Landkreis Haßberge ist dagegen noch kein ordentlicher Schneefall in Sicht. Aber in Neuschleichach ist alles gerüstet für den Fall der Fälle. „Wir sind vorbereitet, auf das Wetter haben wir keinen Einfluss“, erklärt Skiclub-Vorsitzender Jürgen Karg ganz gelassen. Diese Woche kommt der TÜV, aber das macht ihm keine Sorgen, der Lift ist gut in Schuss, auf sein Technik-Team kann er sich verlassen.

    Der Einkehrschwung gehört dazu

    42 Höhenmeter überbrückt der Schlepplift. Foto: Sabine Weinbeer

    Liebevoll warten Alfons Neeb, Rene Koller und ihr Trupp den 60 PS-Dieselmotor, der den Schlepplift in Gang setzt. Spätestens zum November ist jedes Jahr die Technik vorbereitet – und auch das Wirtschaftsteam für die Skihütte steht „Gewehr bei Fuß“. Minimum vier Leute braucht Jürgen Karg, um den Liftbetrieb zu starten: Zwei Helfer jeweils am Einstieg und am Ausstieg des Lifts und zwei Personen Hütten-Besetzung, die Liftkarten, Kaffee, Punsch und heiße Würstchen verkaufen, denn auch an einer relativ kurzen Piste wie in Neuschleichach gehört ein Einkehrschwung zum Skivergnügen einfach dazu.

    1984 gründeten 16 Neuschleichacher den Skiclub, schon im Januar 1985 wurde der Schlepplift am Röthenhang errichtet. Jürgen Karg ist der Vorsitzende, begleitet von einem starken Team, das genau weiß, was zu tun ist, wenn es schneit.

    Im Idealfall gibt es erst einmal eine Unterlage aus feuchtem Schnee, dann Frost und dann Neuschnee. Die Piste wird dann noch mit Schnee aus der Umgebung verstärkt und mit der Pistenraupe verdichtet – viel Arbeit, die scheinbar automatisch stattfindet, weil viele ehrenamtlich Verantwortung übernehmen - und dann auch selbst das Skivergnügen genießen.

    42 Meter Höhenunterschied

    Und so sieht es im Sommer aus. Foto: Sabine Weinbeer

    Dank der Nordlage des Hanges mit nur kurzer Sonneneinstrahlung in den Wintermonaten, hält die Schneeauflage hier besonders lang. 360 Meter lang ist die Abfahrt – mit stolzen 42 Metern Höhenunterschied. Das ist natürlich nichts im Vergleich zu einem alpinen Skigebiet, aber es liegt vor der Haustür, man verliert keine Zeit beim Anstehen - und die 20er-Liftkarte kostet sechs Euro für Kinder und acht Euro für Erwachsene.

    Viele der Skifahrer am Röthenhang kommen seit vielen Jahren, die Kinder haben hier das Skifahren gelernt, inzwischen auch Enkel. Für Neuschleichacher Kinder ist der Ski am Fuß quasi eine Selbstverständlichkeit. Ganzen Generationen von Kindern hat beispielsweise Gerhard Vogel das Fahren mit dem Lift und die ersten Schwünge beigebracht.

    Auf solche Arbeitseinsätze können die Aktiven des Skiclubs gerne verzichten: 2015 richteten Wildschweine massive Schäden an. Foto: Sabine Weinbeer

    Eine wichtige Stütze für den Skibetrieb ist auch Marianne Kreinsberger mit ihrer Familie. Nicht nur, dass sie das Gelände für die Skihütte zur Verfügung stellte, sie ist eine feste Größe im Wirtschaftsteam. Und viele der Beschäftigten in der Firma Kreinsberger gehören ebenso zum harten Kern – im Garten- und Landschaftsbau ruht die Arbeit im Winter und ohne die Helfer aus Bauberufen mit Winterruhe und Rentnern wäre der Liftbetrieb nicht zu gewährleisten. Zumal es immer seltener noch in den Weihnachtsferien ausreichend schneit. Meist wird es erst im Januar und Februar richtig Winter – manchmal dauert die „Saison“ auch nur wenige Tage. Aber wenn, dann sind sie da, die Helfer, immer in Bereitschaft, wie die Feuerwehr.

    Manchmal gibt es auch unnötige Arbeit für die Aktiven vom Skiclub. Wie im Dezember 2015, als eine Rotte von Wildschweinen den halben Hang umgegraben hatte.

    Schneekanone ist kein Thema

    Sogar eine Schneekanone war einmal im Einsatz. Foto: Sabine Weinbeer

    Ein besonderes „Highlight“ gönnte sich der Skiclub zum 25-jährigen Bestehen des Lifts: 2010 stand eine Schneekanone oben am Hang – und dann wurde es tagelang nicht kalt genug für die künstliche Beschneiung, bis es dann doch klappte. Diese Aktion zeigte aber auch, dass eine Schneekanone für Neuschleichach kein Thema sein kann. Die Kosten sind hoch, der Stromverbrauch ebenso und man würde ein riesiges Wasser-Reservoir oben auf dem Berg benötigen. „Das ist nur was für richtige Skigebiete, wo der ganze Tourismus dran hängt“, so Jürgen Karg.

    Blick auf den Röthenhang, oben die „Bergstation”. Foto: Sabine Weinbeer

    Auch wenn kein Schnee liegt, ist der Skiclub aktiv. Er gehört in Neuschleichach fest zum Ortsgeschehen, organisiert den Martinszug und ist beim Faschingszug dabei. Natürlich organisiert der Club für seine Mitglieder auch Skiurlaube in großen Skigebieten, sogar in Kanada waren sie einmal. Das ist für einen Skifahrer etwas Besonders, aber am schönsten ist es für die Skiclub-Mitglieder in Neuschleichach, wenn Schnee liegt und die Sonne scheint - und wenn es dunkel wird ein bisschen Apres-Ski in der Skihütte. Momentan ist noch kein Skiwetter in Aussicht, aber „das Gute an einem späten Winter ist, dass man die ganze Zeit hoffen kann“, sagt Jürgen Karg im Gespräch mit dieser Redaktion.

    Wenn der Lift anläuft, steht es umgehend in der Zeitung und im Netz unter www.skiclub-neuschleichach.de.

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