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    Bamberg

    Ausstellung in Bamberg zeigt Lebensgeschichten von Geflüchteten

    Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler und Pfarrer Christof Henzler stehen in der Ausstellung hinter einem geschichtsträchtigen Handwagen aus dem Bauernmuseum Frensdorf.
    Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler und Pfarrer Christof Henzler stehen in der Ausstellung hinter einem geschichtsträchtigen Handwagen aus dem Bauernmuseum Frensdorf. Foto: Marion Krüger-Hundrup

    Am Weihetag der Auferstehungskirche, dem 17. Juni, läutete zehn Minuten lang die Greiffenberger Friedensglocke vom Turm. Die Glocke ist das größte Exponat einer bemerkenswerten Ausstellung in der Auferstehungskirche in Bamberg.

    Es sind fünf starke Worte, die starke Gefühle wecken: Sehnsucht, Heimat, Flucht, Vertreibung, Neuanfang. So aneinandergereiht zeichnen sie auch eine Zeitreise nach.

    Von wehmütiger Erinnerung an den biografischen Herkunftsort, den man unter Zwang oder aus Selbstschutz verlassen musste bis hin zur Hoffnung auf ein sicheres Zuhause und eine bessere Zukunft woanders. Und in diesem Woanders kann Heimweh schmerzhaft deutlich machen, wo die Heimat liegt. Selbst wenn man sich am neuen Wohnort wohl fühlt.

    Sammlung von großformatigen Fotos und biografischen Texten

    Von eben "Sehnsucht Heimat. Flucht-Vertreibung-Neuanfang" erzählt die bemerkenswerte Ausstellung in der Auferstehungskirche. Mit ihrer eigenen Geschichte als ein Stück Heimat in der Fremde und ihrer Nähe zum Ankerzentrum ist dieses Gotteshaus in der Bamberger Gartenstadt ein idealer Ort für diese Schau. "Wir machen nichts Revanchistisches, sondern wollen das kulturelle Gedächtnis nicht verlieren", begründet Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler, warum sie zusammen mit ihrem Ehemann, Pfarrer Christof Henzler, diese Sammlung von großformatigen Fotos und biografischen Texten nach Bamberg geholt hat.

    Menschen, die fliehen müssen vor Krieg, vor sexueller, religiöser, ethnischer Gewalt, vor Bedrängnis in totalitären Regimen, erleben dies sehr intensiv. Die Ausstellung gewährt einen Einblick in sehr konkrete Lebensgeschichten. Offen und verletzlich erzählen 20 Männer und Frauen unterschiedlichen Alters ihre Fluchtgeschichte anhand eines liebgewordenen Gegenstandes. Eine Puppe, ein Stoffteddy, ein Pullover, eine Kette oder eine Bibel werden dadurch zu einem Zeichen von Heimat als einzige Verbindung zum Verlorenen.

    Lebensläufe ermöglichen Identifikation, Mitgefühl und Respekt

    Freimütig berichtet etwa die 91-jährige Eleonore aus Breslau (Polen), wie sie ein goldenes, aufklappbares Herzchen seit ihrer Vertreibung begleitet. Ein Jugendfoto ihres Vaters befindet sich darin. Da ist Lalise, 25 Jahre, aus Nekamte (Äthiopien), die nach einer Odyssee über den Sudan und Libyeni im überfüllten Boot über das Mittelmeer nach Europa gelangte. "In dieser Nacht hatte ich Todesangst. Ich habe eine kleine Bibel angefasst, die ich unter meiner Kleidung an meiner Brust versteckt hatte", sagt Lalise. "Meine kleine Bibel ist eines der wenigen Dinge, die ich aus meiner Heimat mitnehmen konnte. Sie ist ein Stück Heimat für mich."

    Die Lebensläufe von Sofie (94 Jahre, aus Rumänien), Ali (19 Jahre, aus Afghanistan), Kamill (92 Jahre, aus Tschechien), Fahima (32 Jahre, aus Kurdistan/Irak) und von all den anderen ermöglichen Identifikation, Mitgefühl, aber auch Respekt gegenüber den emotionalen Herausforderungen Heimatverlust und Neuanfang. "Wo sind meine Wurzeln? Wo ist jemand daheim, der sich zuhause nicht wohlfühlt? Ist Heimat mehr als Landschaft, Geruch, Klang, Gefühl?" Das Pfarrerehepaar Schirmer-Henzler möchte zum Nachdenken anregen. Gerade auch in der Corona-Zeit, "in der Heimat, Zuhause, ein Thema ist".

    Friedensglocke hing in der evangelischen Kirche von Niederwiesa

    Die Pandemie hat verhindert, dass das Begleitprogramm zur Ausstellung stattfinden kann. Dafür hat Pfarrerin Schirmer-Henzler dafür gesorgt, dass die Foto- und Textpräsentation mit einigen greifbaren Objekten bereichert wird. So zum Beispiel durch einen hölzernen Handwagen – eine Leihgabe des Bauernmuseums Frensdorf –, der für eine Familie nach 1945 eine große Rolle spielte auf dem 165 Kilometer langen Fluchtweg zu Fuß von Stettin nach Rostock. Und den diese Familie, die 1954 nach Burgebrach kam, in die neue Heimat begleitete: als eine Art Heiligtum.

    Doch nicht dieser Handwagen ist das größte Exponat in der Auferstehungskirche, sondern die Greiffenberger Friedensglocke im Turm. Diese elf Zentner schwere Glocke mit der Hauptsignatur "Sende uns Frieden" ist eine wohltönende Erinnerung vieler Gemeindemitglieder an die einstige Heimat. Denn diese Glocke hing in der evangelischen Kirche von Niederwiesa bei Greiffenberg in Schlesien. Und etliche Greiffenberger – beispielsweise die Inhaber und Angestellten der heute noch existierenden Firma Greiff – gelangten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Bamberg – auf ebenso verschlungenen Pfaden wie die Friedensglocke. Sie läutete am 17. Juni 1956, dem Tag der Einweihung der neuen Auferstehungskirche, zum ersten Mal in der Gartenstadt.

    "Wir wünschen Frieden für alle! Für alle Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebensgeschichte!" betonen Pfarrerin Doris Schirmer-Henzler und Pfarrer Christof Henzler. So ließen sie am 17. Juni die Greiffenberger Friedensglocke morgens um 10 Uhr zehn Minuten lang läuten. Ein Signal, das weit in Bamberg hineinreichte.

    Sehnsucht Heimat. Flucht-Vertreibung-Heimat

    Die Ausstellung "Sehnsucht Heimat. Flucht-Vertreibung-Heimat" haben drei Nürnberger Pfarrerinnen erstellt. Sie ist als Wanderausstellung konzipiert. In der Auferstehungskirche ist sie bis zum 30. Juni täglich von 9 bis circa 18 Uhr zu sehen (Seitentür steht offen). Am Sonntag, 28. Juni, um 10 Uhr findet ein Gottesdienst zum Thema der Ausstellung statt. Eine Andacht am Montag, 30. Juni, um 19.30 Uhr beendet die Ausstellung.
    Quelle: mkh
    Die Greiffenberger Friedensglocke kündet von der alten Heimat.
    Die Greiffenberger Friedensglocke kündet von der alten Heimat. Foto: H. Henzler
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    Bearbeitet von Marion Krüger-Hundrup

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