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    Bamberg

    Ein Juwel in der Judenstraße - Das "Sams-Haus" in neuem Glanz

    Der Schlussstein im Torbogen kündet vom Namen des "Haus zum Einhorn".
    Der Schlussstein im Torbogen kündet vom Namen des "Haus zum Einhorn". Foto: Marion Krüger-Hundrup

    Dieses Haus in der Judenstraße 16 gehört zu den bekanntesten Gebäuden des Weltkulturerbes: Offiziell heißt es "Haus zum Einhorn". Doch der Volksmund nennt es liebevoll "Sams-Haus". Schließlich diente es im Jahr 2000 als markante Filmkulisse für die Abenteuer des Herrn Taschenbier und der Frau Rotkohl, mit denen "Das Sams" von Paul Maar seinen Schabernack trieb. Und zwar so überzeugend, dass der Film im Juni 2002 mit dem deutschen Filmpreis in Gold für den besten Kinder- und Jugendfilm ausgezeichnet wurde.

    Preiswürdig ist jetzt auch das Ergebnis einer Verschönerungsaktion für dieses denkmalgeschützte Haus aus dem Jahr 1747: Die bislang recht marode Fassade erstrahlt nach einer gründlichen Sanierung für einen sechsstelligen Betrag in frischem Glanz, die Fenstergewände sind erneuert, derzeit wird noch die korbbogige Haustür gestrichen. Das Sams-Haus präsentiert sich nun als ein Juwel in der Judenstraße.

    "Jetzt muss noch das Treppenhaus saniert werden", sagt Eigentümer Heinrich Tröster, der das Gebäude 1991 nach Ausschreibung einer Regensburger Bauträgergesellschaft gekauft hat. Seit dem sorgte Tröster für eine neue Dacheindeckung und die sukzessive Sanierung der fünf Wohnungen inklusive Einbau von Bädern. Außen erfolgte die letzte Restaurierung vermutlich im Jahr 1926.

    In "guter, einvernehmlicher Zusammenarbeit mit den Behörden", so Tröster, sei die Fassadensanierung vonstatten gegangen. "Wir haben den Denkmaleigentümer beraten", erklärt denn auch Referatsleiter Martin Brandl vom Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Bamberg im Schloss Seehof. Ein Fachgutachten ging an die Untere Denkmalschutzbehörde im Bamberger Bauordnungsamt, die die Maßnahme begleitete. "Ein Architekt wurde dafür nicht gebraucht", sagt Teamleiter Michael Krüger, zumal Heinrich Tröster die erforderlichen Handwerker selbst organisiert habe.

    Eine gewisse Unbekannte in der aktuellen Sanierungsgeschichte ist die steinerne Hausfigur – eine Krönung Mariens -, die wegen starker Beschädigungen abgenommen werden musste. Die Figur ist bei einem Steinmetzt eingelagert und soll noch gründlich untersucht werden, wie Michael Krüger sagt. Es sei "wünschenswert, die Hausfigur wieder anzubringen, wenn es möglich ist". Falls nicht, könnte eine Kopie zum Tragen kommen.

    Schon auf 1377 datiert die erste Erwähnung dieses Hauses. 1508 trägt es die Bezeichnung "zum Einhorn". Dieses Fabeltier bildet noch heute den Schlussstein im Torbogen. Außerdem ist darin die Jahreszahl 1747 eingemeißelt: Damals wurde das Haus zu einer dreiflügeligen Anlage um- oder neugebaut. 1833 kam es darin zur Einrichtung einer Essigfabrik.

    Und noch ein gruseliges Detail aus der Historie: Im 17. Jahrhundert war das "Haus zum Einhorn" eine Gaststätte. Dessen Wirt Simon Krautblatt wurde wegen Hexerei hingerichtet.

    Damit schließt sich auf zugegebener makabrer Weise der Kreis zum Sams, das mit seinen Wunschpunkten allerlei Zaubereien fertig bringt. Hauseigentümer Tröster hat natürlich die Filmaufnahmen in bester Erinnerung. Allerdings kennt er Kinderbuchautor Paul Maar nicht persönlich: "Wir haben noch nie zusammen ein Bier getrunken", lächelt Heinrich Tröster.

    Und er erzählt, dass sein Haus gleich zwei Mal in Filmen auftaucht: Auch die Krimiserie "Der König" mit Günther Strack in der Hauptrolle fand im "Haus zum Einhorn" das passende Objekt in Bamberg. Sogar ein Zimmer im Haus diente als Kommissariat, während die Innenszenen für "Das Sams" in einer stillgelegten Fensterfabrik in Unterhaid und in der Papierfabrik Eltmann gedreht wurden.

    Das "Sams-Haus" ist jetzt zu einem Schmuckstück in der Judenstraße geworden.
    Das "Sams-Haus" ist jetzt zu einem Schmuckstück in der Judenstraße geworden. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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