• aktualisiert:

    Zeil

    Fassbier-Drama: Was passiert mit dem mutmaßlichen Betrüger?

    Weil sich ein Unbekannter im Namen der Bundeswehr Fassbier der Brauerei Göller aus Zeil erschwindeln wollte, steht nun der Verdacht der Amtsanmaßung im Raum.
    Was für ein Wirbel: Die etwa 400 Bierfässer der Brauerei Göller aus Zeil am Main haben für mächtig Furore gesorgt.
    Was für ein Wirbel: Die etwa 400 Bierfässer der Brauerei Göller aus Zeil am Main haben für mächtig Furore gesorgt. Foto: René Ruprecht

    Langsam hat sich der Staub gelegt. Es ist etwa eine Woche her, als die Köpenickiade vom Fassbier der Brauerei Göller aus dem Landkreis Haßberge viel davon aufgewirbelt hat. Mehr, als allen Beteiligten recht gewesen war. Der Brauerei, weil die nur ihrem Geschäft unter erschwerten Bedingungen während der Corona-Krise nachgehen will. Der Bundeswehr, weil die wohl ihren Ruf beschädigt sieht. Dem mutmaßlichen Betrüger, weil der schlicht aufgeflogen war, aber durch den Staub verschwunden ist - vorerst.

    Knapp zusammengefasst geht die Geschichte folgendermaßen: Nach einem Bericht der Main-Post wird öffentlich, dass die Zeiler Brauerei keine andere Wahl hat, als bereits vor Wochen abgefülltes Fassbier in die Kanalisation zu leiten. Daraufhin entspinnt sich ein Medientrubel, der den Betrieb kaum noch normal arbeiten lässt, unzählige spöttische Kommentare inklusive. Aus dem Nichts, quasi als Rettung in der Not, der Anruf eines vermeintlichen Bundeswehroffiziers: Hier, unsere Soldaten schuften hart, gerade jetzt, Corona natürlich, wir würden das Bier gerne abnehmen. 15 000 Liter, na klar, kein Problem, wir haben viele Kasernen und noch mehr durstige Soldaten.

    Die Anfrage war absolut schlüssig und schien alle Probleme zu lösen. Das Bier muss nicht in den Gully, schwer arbeitende Streitkräfte erfahren Anerkennung für ihren Dienst in diesen Zeiten. Bis ein Anruf der Pressestelle des Landeskommandos Bayern die Brauerei erreichte und schnell feststand: Die Anfrage kommt nicht aus den Reihen der Bundeswehr, und die würde selbige auch niemals stellen. Kommando zurück, kein Freibier für Soldaten. Übrig blieben eine völlig bediente Brauerei, eine verärgerte Bundeswehr und ein übler Witzbold ohne Bier.

    Welche Konsequenzen könnten folgen?

    Welche Konsequenzen hat die Aktion für den vermeintlichen Hochstapler? Offizielle Informationen zu diesem Punkt sind nicht zu bekommen. Weil es sich um laufende Ermittlungen handelt, äußert sich die Pressestelle des Landeskommandos Bayern zum weiteren Vorgehen nicht. Fest steht: Die Mobilfunknummer, die der vermeintliche Offizier genutzt hat, ist bekannt. Welche Funktion der Mann innehat - (in)aktiver Reservist oder Zivilist - ist unklar. Stand jetzt ist er schlicht ein Unbekannter.

    Recherchen dieser Redaktion zufolge könnte das weitere Prozedere folgendermaßen aussehen: Weil die Pressestelle nicht disziplinarisch handeln darf, ist von einem Weiterleiten sämtlicher Informationen inklusive einer Schilderung des Sachverhalts an die nächsthöhere Dienststelle auszugehen. Das wäre das Kommando für Territoriale Aufgaben in Berlin. Sollte dieses zu dem Schluss kommen, dass es sich um Amtsanmaßung handelt, ist es wahrscheinlich, dass es zu einer Strafanzeige kommt. Bestätigt hat die Bundeswehr dieses Vorgehen jedoch nicht.

    Bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bei Amtsanmaßung

    Amtsanmaßung wird unter §132 des Strafgesetzbuchs folgendermaßen definiert: "Wer unbefugt sich mit der Ausübung eines öffentlichen Amtes befaßt oder eine Handlung vornimmt, welche nur kraft eines öffentlichen Amtes vorgenommen werden darf, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Es wären also gravierende Folgen, die dieser schlechte Scherz für den mutmaßlichen Hochstapler haben könnte.

    Wie wahrscheinlich ist es, dass der angebliche Oberstleutnant im Falle einer Strafanzeige aufgespürt werden kann? Das dürfte hauptsächlich daran liegen, ob der Mann sein eigenes Mobiltelefon für den Anruf genutzt hat. Sollte er mit einem einmalig genutzten "Wegwerfhandy" telefoniert haben, werden auf selbigem kaum verwertbare Daten zu finden sein.

    Brauerei Göller spendet das Fassbier trotzdem

    Die Nachwehen des Dramas um das Fassbier bewegen sich hauptsächlich im Konjunktiv. Eines ist jedoch sicher: Göller wird das Bier wird an Organisationen, die in der aktuellen Krise im Einsatz sind, spenden. Um welche Einrichtungen es sich dabei handelt, ist nicht zu erfahren. Es ist aus Sicht der Brauerei genug Staub aufgewirbelt worden.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Haßberge-Newsletter!

    Kommentare (1)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!