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    Kirchlauter

    Aus für die IHADG: Warum engagierte Jugendliche aus Kirchlauter ihren Verein auflösen

    Die 'I Have A Dream Group' nahm auch an der '72-Stunden-Aktion' des BDKJ teil und restaurierte unter anderem einen Spielplatz. Jetzt löst sich der gemeinnützige Verein auf.
    Die "I Have A Dream Group" nahm auch an der "72-Stunden-Aktion" des BDKJ teil und restaurierte unter anderem einen Spielplatz. Jetzt löst sich der gemeinnützige Verein auf. Foto: Günther Geiling (Archivbild)

    Die berühmte "I have a dream"-Rede von Menschenrechtler Martin Luther King hatte vor zehn Jahren einige Jugendliche aus Kirchlauter und Umgebung dazu inspiriert, sich zusammenzutun, um die Welt ein bisschen besser zu machen.

    Mit zahlreichen Aktionen gelang es ihnen, rund 35 000 Euro zu sammeln und zu spenden. Aber im Jubiläumsjahr löst sich der Verein auf: Weil ihm der Nachwuchs fehlt und weil sich Mitglieder wegen Beruf oder Umzug nicht mehr wie bisher engagieren können.

    Im November 2010 entstand die Gruppe aus den Reihen des Pfarrgemeinderats Kirchlauter als "sozial engagierte Organisation aus Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl engagieren". Man hatte einen Trend beobachtet, dass die junge Generation eine andere Einstellung zum Ehrenamt hatte als deren Eltern, denen es noch eine Ehre gewesen sei, in ein wichtiges Amt "hineingeboren" zu werden.

    Fußballturnier mit mehr als 200 Teilnehmern organisiert

    Dominik Baum aus Kirchlauter, lange Jahre Vorsitzender des Vereins, beschrieb es so: "Jugendliche möchten lieber erst einmal alles ausprobieren, bevor sie sich möglicherweise für etwas dauerhaft engagieren. Das heißt nicht, dass sie sich gesellschaftlich nicht einbringen möchten, aber sie denken in Projekten. Und diese Projekte müssten bestenfalls zu 100 Prozent mit ihren eigenen Vorstellungen übereinstimmen, damit sie sich in eine bestimmte Sache hineinknien."

    Der Anfang wurde mit kleinen Aktionen wie einem "Tattoo-Stand" beim Pfarrfest in Neubrunn gemacht. Die Aktionen wurden über die Jahre immer größer und reichten bis zu einem bundesweiten "Fußballturnier für Toleranz" mit mehr als 200 Teilnehmern als Zeichen gegen Rechtsextremismus, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit.

    "Wir 'jungen Dreamer' haben unsere Projekte stets selbst ohne die Supervision von Erwachsenen geplant. Wir haben viel Herzblut in jedes unserer Projekte gesteckt", sagt die Vorsitzende Katharina Hofmann aus Lußberg. Sie erinnert an das "72-Stunden-Projekt" des BDKJ, bei dem die Gruppe den Garten des Seniorenspitals in Ebern neu gestaltete oder, drei Jahre später, mit Geflüchteten einen Spielplatz restaurierte und um Attraktionen erweiterte.

    SOS-Kinderdorf und ein Patenkind in Afrika unterstützt

    Um Spendengelder besser verwalten zu können, gründeten sie einen gemeinnützigen Verein. Darin engagierten sie sich auf vielerlei Weise. Sie beteiligten sich regelmäßig am Kinderfasching und übernahm sogar dessen Organisation. Ebenso kurbelte der Verein Spendenaktionen an: 2013 nach einem Taifun auf den Philippinen oder 2014 beim Ebola-Ausbruch in Afrika. Pfandboxen an Leergutautomaten aufzustellen war eine weitere Aktion.

    Regelmäßig unterstützte die "I Have A Dream Group" mit ihren Spenden ein SOS-Kinderdorf in der Oberpfalz und versorgte ein SOS-Patenkind in Burundi. "Über die Jahre ist es uns gelungen, knapp 35 000 Euro an Spenden zu sammeln. Sie gingen an viele Organisationen in unserer Heimat wie das Mehrgenerationenhaus in Haßfurt, an den Weißen Ring und in der ganzen Welt. Uns war es sogar möglich, einen Brunnen in Indien zu finanzieren", blickt Hofmann zurück.

    Engagement mit Preisen und Auszeichnungen gewürdigt

    Das Engagement des Vereins stieß auch über die Landkreisgrenze hinaus auf große Beachtung und wurde mit Preisen und Auszeichnungen gewürdigt. Er erhielt 2014 den "Deutschen Bürgerpreis", der als bedeutendster Ehrenamtspreis angesehen wird. Auch beim Ehrenamtspreis und der "Civil Academy" landete der Verein auf vorderen Plätzen.

    Wehmut klingt in ihren Worten mit, wenn Hofmann sagt: "Es war megacool und eine tolle gemeinsame Zeit, in der wir viel voneinander lernten und einander unterstützen durften. In den letzten zehn Jahren sind wir aber auch erwachsen geworden, in verschiedene Städte gezogen und andere Projekte haben uns vereinnahmt."

    Hofmann leitet als Sozialpädagogin eine offene Ganztagsbetreuung in Forchheim. Baum ist zum Studium ins Allgäu gezogen, wo er sich im Verein "Herzenswünsche Allgäu" engagiert. "Aufgrund des fehlenden Nachwuchses und der wiederkehrenden, schwierigen Suche nach Helfern haben wir bei unserer Jahreshauptversammlung die Auflösung beschlossen. Wir lassen einen Teil unseres Lebens gehen, um Platz für Neues zu schaffen", sagt Hofmann.

    Der Verein geht, aber der Traum einer besseren Welt bleibt

    Wichtig ist ihr dabei ein Dank an alle, die den Verein und seine Ideen in den vergangenen Jahren unterstützt oder mit Spenden und motivierenden Worten zum Erfolg der "I Have A Dream Group" beigetragen haben: "Sie haben mit uns gemeinsam das Leben vieler Menschen ein bisschen besser gemacht."

    Hofmann versichert, dass alle Gelder, die sich noch auf dem Konto befinden, ihre Bestimmung erfüllen werden. Man werde auch den gesamten Besitz des Vereins verkaufen, der Erlös komme gemäß der Satzung dem Kindergarten in Kirchlauter und dem Verein "Roten Nasen", der Clowns für Kinder im Krankenhaus unterstützt, zugute.

    Der Verein geht, der Traum einer besseren Welt lebt aber weiter: "Wir werden den Verein auflösen, aber nicht unseren Willen aufgeben, die Welt etwas besser zu machen. Wir wollen weiterhin dazu beitragen, dass der Traum Martin Luther Kings Wirklichkeit wird."

    Eine der größten Aktionen des Vereins war das Fußballturnier 'Tore für Toleranz', an dem sich rund 200 Teilnehmer aus ganz Deutschland beteiligten.
    Eine der größten Aktionen des Vereins war das Fußballturnier "Tore für Toleranz", an dem sich rund 200 Teilnehmer aus ganz Deutschland beteiligten. Foto: Günther Geiling (Archivbild)
    Auf Märkten und Festen war der Verein mit Ständen vertreten, um Spenden zusammeln.
    Auf Märkten und Festen war der Verein mit Ständen vertreten, um Spenden zusammeln. Foto: Günther Geiling (Archivbild)
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