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    Königsberg

    Wort zum Wochenende: Eine neue Schöpfung

    Der Königsberger Pfarrer Peter Hohlweg
    Der Königsberger Pfarrer Peter Hohlweg Foto: Sabine Meißner

    Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 2. Kor. 5,17.

    Wenn ich nach diesen Tagen ohne Friseurbesuch morgens in den Spiegel schaue, erinnere ich mich schlagartig daran, dass wir in diesem Jahr auch Beethovens 250. Geburtstag feiern. Der Blick auf die Corona-Frisur ist mitunter ja das Einzige, was in diesem Jahr an Beethoven erinnert. Denn die landauf, landab abgesagten Konzerte können es nicht sein.

    Nach diesem Sonntag soll nun wieder etwas mehr Normalität zurückkehren auch in den Kirchengemeinden. Gottesdienste dürfen ab Montag wieder gefeiert werden, zwar mit Masken und ohne Gesang. Aber immerhin dürfen wir uns wieder zum gemeinsamen Gebet versammeln. Auch wenn es in weiten Teilen stumm bleibt.

    Ich weiß von vielen, dass sie dieses Ereignis schon lange herbeisehnen. Zu lange hatte die Seele keine Nahrung mehr, zu einsam war das Gebet und zu lange war das Ohr ohne Gottes Wort. Eine alte Frau sagte zu mir: „Äußerlich ist alles gut, aber die Seele ist verkümmert.“ Wie passend darum, dass der kommende Sonntag in Erwartung der baldigen Gottesdienste den Namen „Jubilate“ trägt. Ein Ausbruch österlichen Jubels aus dem Psalm 66: „Jauchzet Gott, alle Lande“!

    Wer noch nicht ganz abgestumpft ist und seinen Blick zu weiten versteht, der sieht, wie alles Land, die ganze Natur an diesem Maiwochende einstimmt, in das Lob des Schöpfergottes. Bei Paulus klingt das so: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden."

    Mit der neuen Kreatur ist zwar nicht die alljährlich im Frühling aufwachende und aufblühende Pflanzenwelt gemeint, aber wir dürfen im Maienduft jeder Blumenwiese und im Waldgezwitscher der Nachtigall die göttliche Erinnerung an die neue Schöpfung verstehen, die in Christus angebrochen ist, ohne uns allzu sehr der Gefahr der natürlichen Theologie auszusetzen.

    Zumindest können wir, wenn wir wollen, hinter der lustvollen Vielfalt der Frühlingswelt den Schöpfer sehen, der sie ins Leben gerufen hat, und im Schöpfer an den Neuschöpfer glauben, der uns eine neue, unvergängliche Schöpfung bereithält, die noch viel schöner sein wird.

    Womit ich wieder bei Beethoven gelandet wäre. Er hat zwar hervorragende Kirchenmusik geschrieben, aber leider nicht sehr umfangreich. Seine 6. Symphonie, die sogenannte Pastorale, ist mit ihren Naturschilderungen jedoch voll spiritueller Kraft und berückend schön, dass sie sich lohnt, als Seelennahrung, an diesem letzten Wochenende ohne Gottesdienst, genossen zu werden. Das tröstet auch ein wenig im Anblick der Künstlerfrisur beim Blick in den Spiegel.

    Der Autor ist Peter Hohlweg, Pfarrer in Königsberg

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    Bearbeitet von Michaela Moldenhauer

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