• aktualisiert:

    Zeil

    Zeil ohne Weinfest: Parkende Autos statt feiernde Menschen

    So hätte es am ersten Augustwochenende in Zeil aussehen sollen, zeigen Bürgermeister Thomas Stadelmann (links) und der Geschäftsführer des Fördervereins Thomas Fensel (rechts) . . .
    So hätte es am ersten Augustwochenende in Zeil aussehen sollen, zeigen Bürgermeister Thomas Stadelmann (links) und der Geschäftsführer des Fördervereins Thomas Fensel (rechts) . . . Foto: Günther Geiling
    . . . und so hat es am ersten Augustwochenende in der guten Stube von Zeil ausgesehen, ohne das traditionelle Weinfest.
    . . . und so hat es am ersten Augustwochenende in der guten Stube von Zeil ausgesehen, ohne das traditionelle Weinfest. Foto: Günther Geiling

    Seit 35 Jahren verwandelt sich die mittelalterliche Altstadt von Zeil beim Weinfest am ersten Augustwochenende in ein Mekka der fränkischen Gemütlichkeit. Nicht so in diesem Jahr. Corona macht auch vor Traditionsfesten keinen Halt und verhagelte Winzern, Brauereien, Bäckern, Metzgern, Vereinen und vielen anderen das Geschäft. Wir fragten einige von ihnen, mit welchen Gefühlen und Gedanken sie Wochenende verbrachten und wie sie die Absage des Weinfests sehen.

    Am Wochenende war es ruhig in Zeil. Es fehlte die Abendserenade des Gesangvereins „Liederkranz“. Auch die Trauben, Amseln, Weingeister oder Weinbergschnecken zogen nicht durch die Straßen und schon gar nicht säumten Buden mit regionalen Köstlichkeiten und Frankenwein die Wege zum Marktplatz. Möglich, dass sich einige Anwohner über die ungewohnte Ruhe freuten, aber ganz sicher tat der Ausfall des Weinfests nicht nur vielen Besuchern weh, sondern auch den Winzern. Das Fest dient dem Image des Frankenweins, vor allem der Tropfen aus dem Abt-Degen-Weintal, und nicht zuletzt der Stadt Zeil, die mit „Fachwerk, Frohsinn, Frankenwein“ für sich wirbt.

    Weinfest ist für viele Anlass, die Heimat zu besuchen

    Bürgermeister Thomas Stadelmann fand es schade, dass das Weinfest wegen Corona ausfallen musste. „Es ist ja für uns Zeiler nicht nur so ein Weinfest, sondern oft auch ein Grund, dass ehemalige Zeiler mit ihren Familien zurück in ihre Heimat kommen und sich hier mit ihren Verwandten und Freunden treffen.“

    Dass man in diesem Jahr darauf verzichten muss, dem gewinnt er aber auch eine positive Seite ab. „Das Weinfest hat sich in all den Jahren sehr bewährt und so glaube ich, dass es nächstes Jahr noch einen größeren Reiz auf Besucher ausübt und besondere Wertschätzung erfährt. Das Fest ist auf jeden Fall eine Bereicherung für unsere Stadt.“

    Thomas Fensel, der Geschäftsführer des Fördervereins, ist froh darüber, dass es kein Gejammer unter den Vereinen gegeben hat wegen der Absage. Anfragen habe es gegeben, ob kleinere Feste stattfinden könnten. Aber man habe nicht über Ersatzveranstaltungen nachgedacht: „Entweder das richtige Weinfest oder gar nicht!“

    Verträge nur mit Vorbehalt abgeschlossen

    In kluger Voraussicht habe man Verträge schon seit Januar mit Vorbehalt abgeschlossen, deswegen habe es auch kein Risiko gegeben. „Dies galt für die Bands, Beschaller und andere Zulieferer, die wir schon für das nächste Jahr wieder auf den Schirm genommen haben. Das fanden die als schöne Geste."

    „Uns fehlt heuer etwas im Jahreslauf in Zeil", sagt „Abt Degen“ Richard Schlegelmilch. "Wir müssen ja für den Fremdenverkehr in unserer Stadt etwas tun und das Weinfest hätte wieder Tausende von Gästen in unsere schöne Stadt gelockt. Ich hätte gerne wieder meinen Anteil als Abt Degen dazu beigetragen.“ Seit 1989 war er, mit einer kleinen Pause, beim Weinfest im Gewand des Abt Degen zu sehen.

    Weinprinzessin Anna-Lena Werb findet es schade, dass das Zeiler Weinfest ausfallen musste, denn da präsentiere sich das Abt-Degen-Weintal mit allem, was es zu bieten habe. Für sie persönlich sei es eine Ehre, dabei für das Weinbaugebiet Werbung zu machen. Es sei einfach ein fröhliches Fest, bei dem man Schulkollegen wieder treffe und auch die Vereine sehr aktiv seien.

    Terminkalender der Weinprinzessin füllt sich allmählich wieder

    „Ich konnte fast gar nichts machen, außer zu posten oder mit Winzern Kontakt zu pflegen", schildert sie ihre Erfahrungen. Die Winzer hätten die Zeit genutzt und kreative Ideen entwickelt wie einen Weinsommer mit offenen Höfen, Verkauf am Weinberg, Online-Verkauf oder zur Präsentation ihrer Produkte über regionale Märkte.

    Inzwischen fülle sich ihr Terminkalender langsam wieder, so die Weinprinzessin. Sie war bei einem Gespräch für einen Terroir-f-Punkt zwischen Steinbach und Ziegelanger dabei, einen Aussichtspunkt mit Blick auf das Weinbaugebiet. Sie war auch dabei, als dem Weingut Berninger in Ziegelanger vor kurzem am Bodensee der Müller-Thurgau-Preis verliehen wurde.

    Ein Verein, der den Ausfall des Festes besonders bedauert, dürfte der Gesangverein Liederkranz sein. "Solange es das Weinfest gibt, gibt es auch den Serenaden- oder Konzertabend am Freitag vor dem Fest“, betonte die langjährige Vorsitzende Christa Schlegelmilch.

    Liederkranz hatte schon Noten für den Serenadenabend gekauft

    Ihre Nachfolgerin Birgit Pottler-Calabria nennt das ausgefallene Weinfest den „wunden Punkt“ zu Beginn ihrer Amtszeit. „Unser Konzert ist ohne Zweifel der musikalische, aber auch emotionelle Höhepunkt des Vereinsjahres." Dazu komme die finanzielle Bedeutung. Man habe für das Konzert schon Noten gekauft und sogar eine Violinistin engagiert.

    Seit 3. Juli können sich die Sänger wenigstens wieder zu Proben treffen, coronakonform jeden Freitag im Freien. „Am letzten Freitag, an dem das Weinfest mit unserem Konzert seinen Auftakt nehmen sollte, haben wir sogar ein kleines Weinfest im privaten Kreis veranstaltet.“

    „Abt Degen“ Richard Schlegelmilch (links) Weinprinzessin Anna-Lena Werb (rechts) bei einem Auftritt beim Träubelesfest in Steinbach.
    „Abt Degen“ Richard Schlegelmilch (links) Weinprinzessin Anna-Lena Werb (rechts) bei einem Auftritt beim Träubelesfest in Steinbach. Foto: Günther Geiling
    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Haßberge-Newsletter!

    Bearbeitet von Günther Geiling

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!