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    Iphofen

    Ärger wegen neuer B-8-Baustelle bei Enzlar

    Baustelle B8: Die "Todeskurve" zwischen Enzlar und Altmannshausen im Bereich Saugraben wird derzeit ausgebaut und entschärft. Die Bundesstraße an dieser Stelle bleibt bis Jahresende gesperrt. Foto: Eike Lenz

    Autofahrer auf der Bundesstraße 8 werden seit diesem Montag auf eine weitere Geduldsprobe gestellt: Nachdem die Trasse bei Iphofen wegen des Baus eines Kreisverkehrs schon seit Längerem nur eingeschränkt befahrbar und die Stadt nur auf Umwegen zu erreichen ist, bleibt die Strecke einige Kilometer weiter östlich bis Jahresende komplett gesperrt. Zwischen Altmannshausen und Enzlar, im Bereich des „Saugrabens“, wird die enge Kurve, die bereits für einige tödliche Unfälle verantwortlich war, entschärft. Ein begrüßenswertes Projekt, wie Iphofens Bürgermeister Josef Mend findet. Dass die Stadt aber erst Mitte August mit einer als „Pressemitteilung“ überschriebenen Nachricht des Staatlichen Bauamts Ansbach von der Maßnahme informiert wurde, hat im Rathaus und in zwei Iphöfer Stadtteilen mächtig Ärger hervorgerufen. „Das Ganze hat uns kalt erwischt“, sagte Mend am Montag im Stadtrat.

    Tage des Zorns im Stadtteil Dornheim

    Der Stadtteilreferent Ulrich Ruck hat Tage des Zorns hinter sich. „Die Info war raus, und der Krieg ging los“, sagt er mit Blick auf die heftigen Reaktionen in Dornheim. Denn verbunden mit der Ankündigung, die B 8 abzuriegeln, war eine Umleitungsempfehlung des Bauamts: Der Verkehr soll während der Sperrung über die Iphöfer Stadtteile Dornheim und Hellmitzheim ausweichen. Nicht nur Ruck weiß, was das für den beschaulichen Ort mit seinen ohnehin ziemlich maroden Straßen bedeutet: einen deutlichen Anstieg des Auto-, vor allem aber des Schwerlastverkehrs für die nächsten drei Monate. Bürgermeister Mend sagt: „Was da als Umleitung zusammengebaut wurde, ist lachhaft.“

    Zwar gibt es eine weitere von der Behörde vorgeschlagene Empfehlung über Scheinfeld, Burgambach, Herpersdorf, Oberscheinfeld und Ziegenbach, doch die ist – man sieht es an der Vielzahl der Orte – deutlich länger und beschwerlicher. Als die Stadt im August von dem Projekt erfuhr, versuchte Vizebürgermeister Ludwig Weigand in Vertretung des verreisten Bürgermeisters zu retten, was zu retten war. Er rief in Ansbach an, erreichte dort aber weder den zuständigen Abteilungsleiter noch den Sachgebiets- oder Projektleiter. Alle im Urlaub, so die Auskunft. Und im Landratsamt Kitzingen hieß es, da sei nur schwer etwas zu machen. Immerhin bekam er wenig später die Information aus Ansbach, die Baustelle sei wegen des Höhenversatzes im Gelände und der Arbeitssicherheit nur über eine Umfahrung abzuwickeln.

    An das Tempolimit "hält sich keiner"

    Der Behörde rang Weigand nach eigenen Worten die Zusage ab, dass entlang der Umleitungsstrecke innerhalb Dornheims und Hellmitzheims Tempo 30 angeordnet werde. Die Schilder stehen. Was sie bewirken, wollte Ulrich Ruck am Montag, dem ersten Tag der Umsetzung, aus nächster Nähe wissen. „Ich habe mal eine Viertelstunde den Verkehr beobachtet. Da hält sich keiner dran.“ Den Appell, dort ein Messgerät aufzustellen, das Autofahrern die Geschwindigkeit signalisiert, will Mend gern aufgreifen. Er weist jedoch darauf hin, dass dort der Landkreis als Eigentümer der Straße das letzte Wort habe. Die aus Dornheim stammende Stadträtin Ingrid Stahl macht auf ein weiteres Problem aufmerksam. „Es gibt im Dorf keine Gehsteige. Die Schulkinder müssen auf der Straße laufen und die Straße auch überqueren.“

    Auf den Einwand von Vizebürgermeister Weigand, die beiden Orte zumindest für den Schwerverkehr zu sperren und Lastwagen auf die andere Ausweichroute zu zwingen, hat sich das Bauamt insofern eingelassen, als es die Einfahrt von der B 8 nach Hellmitzheim für aus Richtung Würzburg kommende Lastwagen mittels Verbotszeichen abgeriegelt hat. In der Gegenrichtung darf der Schwerverkehr dagegen durch die beiden Iphöfer Stadtteile rollen.

    Der Verkehr soll gerecht verteilt werden 

    Abteilungsleiter Frank Biedermann vom Staatlichen Bauamt in Ansbach teilt auf Anfrage der Redaktion mit, man wolle sich die Sache „noch einmal anschauen“. Er legt aber Wert darauf, dass die Verkehrsbelastung „möglichst ausgewogen“ verteilt werde. Daher sei die Umleitung auch für die beiden Richtungen getrennt worden. Für Stadtrat Gerhard Heubach würde mit der beidseitigen Sperrung für den Schwerlastverkehr das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert. „Die anderen Gemeinden wie Burgambach oder Herpersdorf machen das gleiche Fass auf und wären genauso betroffen.“

    Mend will nicht das Projekt an sich in Frage stellen. Er hält den Kurvenausbau für sinnvoll. Auch eine junge Mitarbeiterin des Iphöfer Altenbetreuungszentrums habe an dieser gefährlichen Stelle einst ihr Leben gelassen. „Ich kritisiere nur, dass wir als Stadt nicht an den Gesprächen beteiligt wurden.“ Schon im April hätten die zuständigen Behörden aus Mittel- und Unterfranken das 950 000 Euro teure Vorhaben, das komplett vom Bund getragen wird, miteinander abgestimmt. „Warum hat man uns nicht schon damals informiert?“ Abteilungsleiter Biedermann stellt klar, dass seine Behörde großen Wert auf öffentliche Beteiligung lege und die Kommunen Ende 2018 am Verfahren beteiligt habe.

    Falls die Stadt Iphofen nicht informiert worden sei, „wäre das ein Versäumnis von uns gewesen, für das ich mich dann nur entschuldigen kann. Das ist sicherlich nicht die Regel.“ Das Staatliche Bauamt Ansbach schreibt in seiner Presseerklärung, man bitte die Bürger um Verständnis für die „unvermeidbaren Behinderungen während der Bauzeit“.

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